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Beunruhigender UN-Bericht kurz vor Weltklimakonferenz - Neuer CO2-Höchstwert gemessen

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Von: Andreas Schmid

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Die Konzentration von Treibhausgasen befindet sich auf einem Rekordniveau.
Die Konzentration von Treibhausgasen befindet sich auf einem Rekordniveau. © Patrick Pleul/dpa

Keine Woche mehr bis zur Weltklimakonferenz und eine weitere ernüchternde Bilanz: Die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre steigt unaufhörlich - trotz Corona.

Glasgow - Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat im Jahr 2020 neue Höchstwerte erreicht. Und nicht nur das: der Anstieg war stärker als im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2020, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UNO). Der Bericht erscheint nur wenige Tage vor dem Beginn der als wegweisend erachteten UN-Klimakonferenz COP26 in Schottland.

UNO schlägt Alarm: Neuer Höchstwert des Treibhausgases

Die Vereinten Nationen schlagen ob der Erkenntnisse Alarm. Die Erreichung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens sei angesichts dieser Entwicklung erheblich gefährdet. Die Coronavirus-Pandemie* hat dem Bericht zufolge keinen bedeutenden Emissionsrückgang zur Folge. Der Wirtschaftsabschwung habe durch Covid-19 lediglich vorübergehend die Neuemissionen reduziert (um 5,6 Prozent im Coronajahr 2020). Das bedeute aber „keine erkennbaren Auswirkungen“ auf die Menge und die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre. Das bedeutendste durch menschliche Aktivität freigesetzte Treibhausgas ist CO2. Es entsteht vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie bei der Herstellung von Beton und kann Jahrhunderte in der Atmosphäre bleiben.

Der neue Höchstwert des Treibhausgases lag bei 413,2 ppm (Teilchen pro Million Teilchen). Das entspricht 149 Prozent des vorindustriellen Niveaus. Im Jahr davor waren es 410,7 ppm. Die WMO datiert den Beginn der Industrialisierung für diese Berechnungen auf 1750. Die Marke von 400 ppm war erst 2015 durchbrochen worden. CO2 ist nach Angaben der WMO für etwa 66 Prozent des Erwärmungseffekts verantwortlich. Alle Treibhausgase zusammen haben schon zu einer durchschnittlichen weltweiten Erwärmung von 1,1 Grad geführt, in Deutschland beträgt sie 1,6 Grad. 

Die WMO hat auch schon CO2-Messungen aus diesem Jahr, die nichts Gutes verheißen: an der Station Mauna Loa auf Hawaii in den USA lag die Konzentration im Juli dieses Jahres bei 416,96 ppm, nach 414,62 ppm im vergangenen Jahr. Die WMO bildet für das Jahresniveau immer einen Mittelwert aus den Messungen mehrerer Stationen. 

Klimakonferenz in Glasgow: „Sind noch weit vom Ziel entfernt“

Die Prognose von WMO-Generalsekretär Petteri Taalas fällt deutlich aus: „Bei der derzeitigen Geschwindigkeit des Anstiegs der Treibhausgaskonzentrationen wird der Temperaturanstieg am Ende des Jahrhunderts deutlich über den im Pariser Abkommen festgelegten Zielen von 1,5 bis 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen.“ Man sei „noch weit vom Ziel entfernt“. Mit Blick auf die am Sonntag beginnende Weltklimakonferenz in Glasgow fordert Taalas. „Wir müssen die Industrie, den Energiesektor, den Verkehr und unsere gesamte Lebensweise neu überdenken.“

Bei der COP26 wird über eine Verschärfung der bisherigen internationalen Klimaschutzpläne verhandelt. Mehr als 190 Staaten hatten sich 2015 im Pariser Abkommen darauf geeinigt, sich für eine Begrenzung der Klimaerwärmung um 1,5 Grad und maximal um zwei Grad einzusetzen. Die bisher angekündigten Maßnahmen dafür reichen nach UN-Angaben jedoch nicht aus.

Vor Klimakonferenz in Glasgow: Neubauer attackiert Ampel-Parteien

Die Konferenz in Glasgow gilt nun als entscheidend für die Festlegung internationaler Emissionsziele zur Verlangsamung der Erderwärmung. Vor der Konferenz wächst der Druck auf die politischen Entscheidungsträger - auch in Deutschland. Zuletzt hatten in Berlin tausende Klimaaktivisiten gegen die Klimapolitik in Deutschland protestiert und dabei auch eine mögliche neue Ampel-Regierung in die Pflicht genommen.

Die Aktivistin Luisa Neubauer mahnte die Ampel-Verhandler, zu ihren Versprechen beim Klimaschutz zu stehen. „Und wenn wir jetzt hier stehen und sagen: „Liebe Regierung, liebe Koalitionspartner, 1,5 Grad“, dann meinen wir das so, das steht nicht zur Verhandlung, wir machen keine halben Sachen“, sagte Neubauer vor der SPD-Zentrale. Wenige Tage zuvor forderte sie bereits „vollumfänglichen Systemveränderungen“. Ein Weiter-so dürfe es nicht geben.

Videografik: So beeinflusst der Treibhauseffekt den Klimawandel

Klimakonferenz in Glasgow: „Auf vielen Ebenen definitiv schwieriger als Paris“

Klimaschutzbewegungen wie Fridays for Future fordern ein klares Bekenntnis der Politik zum Klimaschutz. Insbesondere reiche Industrieländer geraten in die Bringschuld. Auch von Deutschland wird mehr Ambition beim Klimaschutz gefordert. Unter besonderer Beobachtung steht auch China*, der weltgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Die Volksrepublik hat noch keinen verbesserten Klimaschutzplan vorgelegt, obwohl Präsident Xi Jinping* im Juli versprochen hatte, dies bis zur Konferenz zu tun. Dass er und auch Russlands Staatschef Wladimir Putin nicht persönlich in Glasgow sein werden, sorgte im Vorfeld der Klimakonferenz für Kritik. Das zeige, dass ihnen Klimaschutz nicht wichtig sei, monierten Aktivisten. Sie lassen sich von Diplomaten vertreten.

Schon vor der Klimakonferenz zeichnet sich insgesamt dahingehend ein schwieriger Weg ab. „Das ist auf vielen Ebenen definitiv schwieriger als Paris“, sagte der designierte COP-Präsident, Alok Sharma, der britischen Zeitung Guardian. „Es ist, als sei man in einer Prüfung am Ende bei den schwierigsten Fragen angekommen, und gleichzeitig hat man kaum noch Zeit.“ Man werde die Pläne am 1,5-Grad-Ziel messen. (as/afp/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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