Impfkampagne in Deutschland

Rückschlag bei Curevac-Impfstoff: Experte befürchtet schlimme Konsequenzen

Curevac macht einen herben Dämpfer publik: Die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs des Tübinger Unternehmens ist zu gering. Wie es nun weitergehen soll.

Update vom 17. Juni, 16.28 Uhr: Curevac hat den Rückschlag bei der Entwicklung seines Corona-Impfstoffs mit neuen Varianten des Virus begründet. „Wir bekämpfen eigentlich ein anderes Virus“, sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas bei einer Telefonkonferenz. So sei der Wildtyp des Coronavirus bei der Zwischenanalyse in weniger als einem Prozent der Infektionsfälle nachgewiesen worden. Alle anderen Infektionen entfielen auf neuere Virus-Varianten. Das Gesundheitsministerium erwartet keine Auswirkungen auf die Impfkampagne in Deutschland.

Rückschlag bei Curevac-Impfstoff: Experte befürchtet schlimme Konsequenzen

Update vom 17. Juni, 13.50 Uhr: Das Bundesgesundheitsministerium sieht durch den Rückschlag für den Curevac-Impfstoff keine Folgen für die Corona-Impfkampagne in Deutschland. „Eine Auswirkung auf das Tempo unserer Impfkampagne hat diese Mitteilung nicht“, erklärte das Ministerium am Donnerstag nach Berichten über eine relativ geringe Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs. Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) rechnet nicht mit Engpässen bei den Corona-Impfungen, während der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Dämpfer für den Impffortschritt erwartet.

Kanzleramtschef Helge Braun sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Freitagausgaben), es bleibe bei dem Versprechen eines Impfangebots an alle Bürger bis Ende September. Es sei auch viel Impfstoff für nötige Auffrischungen bestellt worden. „Wir haben viel bestellt und fördern den Aufbau von Produktionskapazitäten für mRNA-Impfstoffe und -produkte in Milliardengrößenordnungen“, betonte der CDU-Politiker.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet nicht mehr mit einem Einsatz des Curevac-Impfstoffs in Deutschland, selbst wenn sich dessen Wirksamkeit am Ende noch leicht verbessern würde. Der Curevac-Impfstoff werde bei der zuerst in Indien nachgewiesenen Delta-Variante „wahrscheinlich noch schwächer sein, somit keine Rolle mehr spielen“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post.

Daher rechnet der SPD-Politiker auch mit Konsequenzen für den Impffortschritt in Deutschland. „Für unsere Impfkampagne bedeuten der Wegfall von Curevac und die geringere Liefermenge von Biontech, dass wir erst Mitte September Herdenimmunität erreichen können, selbst ohne Impfung der Kinder“, sagte Lauterbach.

Riesen-Dämpfer für Curevac: Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs zu gering

[Erstmeldung] Hamm - Das ist ein gewaltiger Rückschlag für den einstigen Hoffnungsträger der deutschen Impfkampagne. Die Einführung eines weiteren hoch wirksamen Impfstoffs gegen das Coronavirus der Tübinger Biopharmafirma Curevac muss weiter auf sich warten lassen. Das Unternehmen hat jetzt einen herben Dämpfer publik gemacht. (News zum Coronavirus)

UnternehmenCureVac
Gründung2000
CEOFranz-Werner Haas (seit 4. Aug. 2020)
HauptsitzTübingen

Curevac gesteht herben Rückschlag: Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs zu gering

Dabei geht es vor allem um die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes von Curevac. Das Unternehmen musste am späten Mittwochabend in einer Pflichtbörsenmitteilung einräumen, dass der eigene Impfstoffkandidat CVnCoV in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“ erzielt habe. Damit habe er die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt. Wie der Curevac-Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas betonte, könne sich die endgültige Wirksamkeit des Präparats aber noch verändern.

Ohnehin liegt Curevac für die Zulassung ihres Corona-Impfstoffes hinter dem angestrebten Zeitplan. Schon seit Dezember - also seit rund einem halben Jahr - befindet sich der Impfstoffkandidat des Unternehmens in der finalen und damit zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase. Während zahlreiche Konkurrenten wie Biontech oder Moderna ihre Vakzine längst auf den Markt gebracht haben, sammelt Curevac nach wie vor Daten. Ob Curevac nun überhaupt absehbar - und wenn, wann - liefern kann, bleibt vorerst unklar.

Der Corona-Impfstoffkandidat von Curevac basiert - ebenso wie beispielsweise das bereits länger in der EU zugelassene Vakzin des Mainzer Konkurrenten Biontech - auf sogenannter „messenger RNA“ (Boten-RNA) und unterscheidet sich damit von herkömmlichen Vektorimpfstoffen wie etwa jenem von Astrazeneca. Doch anders als bei Biontech oder auch beim US-Konkurrenten Moderna lässt die Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs offenbar deutlich zu wünschen übrig.

Corona-Impfstoff von Curevac nicht wirksam genug - Karl Lauterbach äußert sich

Grund seien vor allem die verschiedenen Corona-Mutationen. Bei der „beispiellosen Bandbreite“ an Virus-Varianten stelle es eine Herausforderung dar, eine hohe Wirksamkeit zu erzielen, sagte der Curevac-Chef.

An der sogenannten Phase 2b/3-Studie hatten nach Angaben des Unternehmens rund 40.000 Probanden in zehn Ländern in Europa und Lateinamerika teilgenommen. Für die Zwischenanalyse wurden demnach 134 Covid-19-Fälle untersucht. Davon seien 124 sequenziert worden, um die Virus-Varianten zu identifizieren, welche die Infektionen ausgelöst hatten. Mindestens 13 verschiedene Varianten seien dabei festgestellt worden. Nur in einem Fall handelte es sich laut Curevac dabei um die ursprüngliche Form des Virus Sars-CoV-2.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb dazu auf Twitter: „Damit dürfe die Wirkung gegen die Delta-Variante alleine noch niedriger sein. Schade, das Team aus Tübingen hätte den Erfolg verdient gehabt.“

Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs zu gering - Curevac setzt Studie fort

Vor allem die Delta-Variante bereitet Experten derzeit große Sorgen - und das wohl nicht ohne Grund. Die indische Mutation ist wesentlich aggressiver. So sehr, dass selbst bei einer Corona-Impfung mit Biontech erst die Dosis die erhoffte Wirksamkeit zeigt.

„Wir setzen die Studie bis zur finalen Analyse mit mindestens 80 weiteren Fällen fort“, kündigte Franz-Werner Haas an. Die verfügbaren Daten aus der Studie übermittelte Curevac nach eigenen Angaben bereits an die EMA.

Die Bundesregierung hat den Corona-Impfstoff von Curevac gar nicht mehr eingeplant. Das habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seinen Amtskollegen der Bundesländer während der vergangenen Ministerkonferenz gesagt, berichtete der Mannheimer Morgen vor einer Woche. Demnach sprach Spahn von einer „der größeren Enttäuschungen“.

Curevac betont Vorteile des Corona-Impfstoffs gegenüber Biontech und Moderna

Bei Curevac wollen sich trotz des Rückschlags bei der Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs nicht den Kopf in den Sand stecken. Das Tübinger Unternehmen geht davon aus, dass das Präparat im Vergleich mit den längst eingesetzten Corona-Vakzinen deutliche Vorteile hat.

So kann das Mittel von Curevac etwa in Kühlschränken mit normalen Temperaturen gelagert werden, während die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna in extrem niedrigen Temperaturen aufbewahrt werden müssen. Dazu kann der Curevac-Impfstoff in niedrigeren Dosierungen angewendet werden als die anderen Impfstoffe. Die EU hat vorab bis zu 405 Millionen Dosen des Curevac-Präparats bestellt.

Die Nachricht der zu geringen Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs sorgte auch für einen Börseneinbruch. Der Börsenwert von Curevac hat sich nach der Hiobsbotschaft mehr als halbiert. Vorbörslich brachen die Titel beim Broker Lang & Schwarz zuletzt um 56 Prozent ein auf 34,75 Euro. (mg mit dpa und afp)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare