Gesundheitsministerkonferenz

Corona-Impfung für Kinder: Angebote in allen Bundesländern beschlossen - Stiko zurückhaltend

Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben beschlossen, dass zusätzliche Möglichkeiten der Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche kommen sollen. Nicht nur die Stiko bleibt zurückhaltend.

Hamm - Wie vom Bundesgesundheitsministerium von Minister Jens Spahn (CDU) gewünscht, sollen bald noch mehr Kinder und Jugendliche eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Die Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern am Montag hat beschlossen, dass künftig 12- bis 17-Jährige in allen Bundesländern ein solches Impfangebot erhalten sollen. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Corona-Impfung für Kinder: Spahn plant anderen Weg als Stiko - rege Diskussion

Die Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche sollen in Impfzentren oder auf andere niedrigschwellige Weise angeboten werden. Dabei sei entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich. Zudem sollten Kinder und Jugendliche auch durch Kinder- und Hausärzte sowie im Rahmen von Impfungen für Angehörige von Beschäftigten in Firmen geimpft werden können. Für Jugendliche und junge Erwachsene in Universitäten und Berufsschulen sind ebenfalls Impf-Angebote geplant.

Das Landes-Gesundheitsministerium wies am Montag darauf hin, dass in NRW Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren bereits seit zwei Wochen die Möglichkeit haben, sich im Impfzentrum oder bei niedergelassenen Ärzten gegen das Coronavirus impfen zu lassen.  In NRW seien insgesamt bereits rund 22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal geimpft. Das seien knapp 225.000 Personen in dieser Altersgruppe, betont Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Impfstoff für alle 12- bis 17-Jährigen wäre durchaus vorhanden. Bereits im Mai hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Vor einigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna.

Corona-Impfung für Kinder: Experten und Politiker diskutieren rege

Die meisten Politiker werben mittlerweile immer mehr für eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche bereits ab 12 Jahren. Die Corona-Impfung sei „überhaupt nicht so risikoreich wie viele befürchten“, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), im ARD-Morgenmagazin.

Dass die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Corona-Impfungen für diese Altersgruppe nun vorantreiben wollen, halte er für „sehr sachgerecht“. Einige Bundesländer ermöglichen bereits Corona-Impfungen für Kinder. In Nordrhein-Westfalen etwa ist dies in den Impfzentren möglich, sofern beide Elternteile zustimmen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bekräftigt allerdings ihre Zurückhaltung mit Blick auf Corona-Schutzimpfungen für Jugendliche. Derzeit gebe es noch zu wenige Daten zu möglichen gesundheitlichen Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens bei NDR Info. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.“

Stiko bleibt bei Corona-Impfungen für Kinder zurückhaltend - Karl Lauterbach sieht keine Bedenken

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält dagegen Corona-Impfungen von Kindern ab zwölf Jahren für angemessen. Dass die Politik hier jetzt Fakten schaffe, sei richtig, sagte der Epidemiologe im Deutschlandfunk. Die wesentlichen Studien zur Impfung von Kindern zeigten, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante des Coronavirus gefährlicher sei als eine Impfung. Wissenschaftlich komme er klar zu dem Ergebnis, dass Impfungen Kindern helfen.

Ein generelles Impfangebot für 12- bis 17-Jährige sieht der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke (CDU), dagegen eher skeptisch. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), nur vor allem Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen zu impfen, sei „nicht unvernünftig“, sagte Rudolf Henke, der auch CDU-Bundestagsabgeordneter ist, bei WDR5.

Gesundheitsministerkonferenz: Auch Auffrischungsimpfung steht auf der Agenda

Dabei würde Kindern eine Corona-Impfung künftig auch in anderen Bereichen zugutekommen. Denn seit Sonntag gilt eine allgemeine Testpflicht für Einreisende aus dem Ausland. Rückkehrer aus Hochrisikogebieten müssen eine zehntägige Quarantäne antreten, die frühestens ab dem fünften Tag durch einen negativen Test beendet werden kann. Kinder unter zwölf Jahren können ohne Test nach fünf Tage die Quarantäne beenden. Aktuell droht Eltern von Schülern nach dem Urlaub sogar ein Bußgeld nach der Rückkehr aus einem Corona-Hochinzidenzgebiet.

Ein weiteres Thema der Gesundheitsminister sollen Corona-Auffrischimpfungen sein. Für bestimmte Gruppen schlägt das Bundesgesundheitsministerium entsprechende Corona-Impfungen ab September vor. Insbesondere bei immungeschwächten, sehr alten und pflegebedürftigen Menschen wiesen Studienergebnisse auf einen verminderten oder schnell nachlassenden Schutz nach einer Impfung hin. Niedersachsen bereite dies bereits vor, NRW äußerte sich zum Thema dritte Corona-Impfung bislang zurückhaltend.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare