Fallzahlen stagnieren

Corona: Inzidenz unter 35 - ist sie in Deutschland unerreichbar? Düstere Prognose

Ist eine 7-Tage-Inzidenz von 35 im Kampf gegen Corona überhaupt zu erreichen? Sie ist die Voraussetzung für Lockerungen. Doch die aktuelle Prognose ist düster.

Update vom 17. Februar, 17.30 Uhr: Wird der Lockdown endlos? Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus soll weiter reduziert werden. Das Ziel ist eine 7-Tage-Inzidenz unter 35 in Deutschland. Können wir den Wert bundesweit erreichen? Eine düstere Prognose unserer Redaktion.

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Die aktuellen Corona-Fallzahlen lassen Schlimmes vermuten. Seit mehreren Tagen stagniert die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche. Schlimmer noch: In vielen Kreisen und Städten steigt sie wieder leicht an. Vergangene Woche (8. bis 14. Februar) lag der Rückgang im Wochenschnitt bei 25 Prozent. In dieser Woche bleiben die Werte nahezu unverändert. Wenn sich die Fallzahlen im gleichen Tempo entwickeln, erreichen wir bundesweit die 7-Tage-Inzidenz von unter 35 frühestens am 16. März. Zwei Wochen will Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Zahl stabil sehen. Öffnungen und Lockerungen wären daher erst im April möglich (siehe Grafik).

Aufgrund der Corona-Mutation, die sich laut Gesundheitsminister Jens Spahn schneller als erwartet verbreitet, droht das Ziel der 7-Tage-Inzidenz von unter 35 sogar unerreichbar zu werden. Rund 20 Prozent der Corona-Fälle stehen im Zusammenhang mit der offenbar ansteckenderen Mutation. Sollte sie sich weiter so rasant verbreiten, haben wir mit den aktuellen Lockdown-Maßnahmen kaum eine Chance, die Fallzahlen weiter sinken zu lassen. Dann ist tatsächlich die Impfung das einzige Mittel - doch bis zur Herdenimmunität dauert es wahrscheinlich bis ins kommende Jahr.

7-Tage-Inzidenz unter 35: Öffnungen an diesem Wert

[Erstmeldung] Weiter Lockdown, nur minimale Öffnungen: Das ist das Ergebnis des Bund-Länder-Gipfels mit Angela Merkel und den Ministerpräsidenten. Die Schulen in NRW werden ab dem 22. Februar wieder Präsenzunterricht anbieten, bundesweit dürfen die Friseure ab 1. März wieder öffnen. Doch das war es auch - alle anderen Einschränkungen bleiben bis zum 7. März bestehen. Und auch dann gebe es nur Öffnungen, wenn eine neue Zielmarke unterschritten wird. Bisher war diese Marke ein 7-Tage-Inzidenz-Wert von 50 bundesweit.

Diese Marke gilt nur nicht mehr. Ein weiterer Öffnungsschritt könne nur „bei einer stabilen deutschlandweiten 7-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner durch die Länder erfolgen“, sagte Angela Merkel nach den Beratungen mit den Ministerpräsidenten. Die Bundeskanzlerin nannte in dem Zusammenhang den Einzelhandel sowie kulturelle Einrichtungen.

7-Tage-Inzidenz unter 35: Wann erreichen wir den Wert?

Wann erreichen wir eine 7-Tage-Inzidenz unter 35? Eine Prognose ist schwierig, doch anhand der Werte der vergangenen sieben Tage lässt sich eine vage Vorhersage treffen. Aber erstmal erklärt: Was ist überhaupt die 7-Tage-Inzidenz, die von Angela Merkel immer wieder zitiert wird? Für den Wert werden die jeweiligen Neuinfektionen der vorhergehenden 7 Tage addiert. Dieser Wert wird durch die Bevölkerungszahl geteilt, das Ergebnis anschließend mit 100.000 multipliziert.

Ein Beispiel für den Wert für ganz Deutschland am 11. Februar 2021. Die 7-Tage-Fallzahl lag laut Robert-Koch-Institut bei 53.380. Die Rechnung lautet damit: 53.380 geteilt durch die Einwohnerzahl Deutschlands, das Ergebnis multipliziert mit 100.000 - da kommt 64,2 laut RKI heraus. Nimmt man als Einwohnerzahl 83 Millionen, würde dies bedeuten, die 7-Tage-Fallzahl darf bei etwa 29.000 liegen. Um eine runde Zahl zu bekommen, könnte man vereinfacht rechnen: Am Tag dürfen sich deutschlandweit maximal 4.200 Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Momentan liegen die täglichen Corona-Fallzahlen im Schnitt bei 7.600.

7-Tage-Inzidenz unter 35: Ziel in dieser Woche erreichbar

Wann erreichen wir nun den Inzidenz-Wert unter 35? Eine Prognose lässt sich stellen, wenn man annimmt, dass die Zahl der Neuinfektionen prozentual gleichbleibend abnimmt. Dafür bietet sich die Betrachtung des 7-Tage-Wertes an. Vom 5. bis 11. Februar ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Vergleich zum Wert der Vorwoche im Schnitt um 22 Prozent zurückgegangen. Diesen Wert wenden wir in unserer Vorhersage für die kommenden Wochen an und hoffen in der Prognose, dass die Fallzahlen weiter in dieser Größenordnung schrumpfen.

Sieht man sich nun die Grafik an, zeigt sich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die hellblaue Kurve ist der 7-Tage-Schnitt und der bewegt sich kontinuierlich auf die rote Linie zu - sie zeigt, wann die 7-Tage-Inzidenz unter 35 erreicht ist. In der ersten Märzwoche, genau gesagt am 5. März, könnte es so weit sein. Natürlich nur, wenn die täglichen Rückgänge auf dem gleichen Niveau bleiben. Dann hätte man das von Angela Merkel ausgerufene Ziel erreicht.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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