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Corona-Gipfel von Merkel und Ministern: Harte Regeln für Hotspots - kein Beschluss zum Beherbergungsverbot

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Minister der Länder haben sich am Mittwoch zum Corona-Gipfel getroffen. Die Konferenz zog sich über acht Stunden. Die Entscheidungen hier im Überblick.

  • Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder haben am Mittwoch Vereinbarungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie getroffen.
  • Die Beschlüsse betreffen die Maskenpflicht, private Feiern, eine Sperrstunde, Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungen.
  • Die Entscheidung über das Beherbergungsverbot ist vertagt worden.

Update vom 15. Oktober, 7.38 Uhr: Am Tag nach der Bund-Länder-Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Bundesländer meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Rekordwert bei Corona-Neuinfektionen in Deutschland.

LandDeutschland
Bevölkerung83,02 Millionen
HauptstadtBerlin

Die Zahl der binnen eines Tages mit dem Coronavirus neu infizierten Menschen in Deutschland ist erneut sprunghaft gestiegen. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des RKI vom Donnerstagmorgen 6638 Neuinfektionen - rund 1500 mehr als am Mittwoch. Bislang waren Ende März mit knapp 6300 Neuinfizierten die meisten registriert worden - damals allerdings wurde bei weitem nicht so viel getestet.

Bund-Länder-Konferenz: Beschlüsse zu Maskenpflicht, privaten Feiern, Sperrstunde und Co.

Angesichts der steigenden Zahlen sind am Mittwochabend in der Bund-Länder-Konferenz mehrere Beschlüsse gefallen. Ein Überblick:

  • Maskenpflicht: In Städten und Regionen mit stark steigenden Corona-Zahlen soll die Maskenpflicht erweitert werden. Sie soll ab 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen auch überall da gelten, wo Menschen dichter beziehungsweise länger zusammenkommen.
  • Private Feiern: In Regionen mit einem Wert über 35 Neuinfektionen soll es eine Begrenzung von 25 Teilnehmern im öffentlichen und 15 Teilnehmern im privaten Raum geben. Ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen sollen private Feiern auf maximal zehn Teilnehmer im öffentlichen Raum sowie auf höchstens zehn Teilnehmer aus höchstens zwei Hausständen im privaten Raum begrenzt werden.
  • Kontaktbeschränkungen: Übersteigen die Neuinfektionen den 50er Wert dürfen sich künftig nur noch maximal zehn Personen im öffentlichen Raum treffen. Sollten die neuen Maßnahmen den Anstieg nicht zum Stillstand bringen, wird dies auf bis zu fünf Personen oder die Angehörigen zweier Hausstände verringert.
  • Sperrstunde: Ebenfalls bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen soll eine Sperrstunde um 23 Uhr für die Gastronomie verhängt werden. Bars und Clubs sollen geschlossen werden.
  • Veranstaltungen: Wird der 50er Wert überschritten, wird die Zahl der Teilnehmer bei Veranstaltungen auf 100 Personen begrenzt. Ausnahmen bedürfen eines mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmten Hygienekonzeptes.
  • Beherbergungsverbote: Die Beherbergungsverbote für Urlauber aus innerdeutschen Risikogebieten waren vor den Beratungen am umstrittensten. Bund und Länder fanden auch im Kanzleramt keine Einigung und vertagten das Thema erst einmal bis zum 8. November. Bis dahin soll diese Maßnahme auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Bund-Länder-Konferenz mit Beschlüssen zu Corona-Regeln - die Reaktionen

Die Kommunen begrüßten die Beschlüsse von Bund und Ländern. „Die Fokussierung der Maßnahmen auf die Risikogebiete, die sogenannten Hotspots, ist richtig“, sagte etwa Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der Rheinischen Post. Die verschärfte Maskenpflicht dort sowie die Kontaktbeschränkungen in der Öffentlichkeit und bei privaten Veranstaltungen mit entsprechender Festlegung der Teilnehmerzahlen könnten die notwendige Wirkung erzielen.

„Wir haben im Verlaufe der Pandemie gelernt, dass es private Veranstaltungen und die Missachtung von Abstands-, Masken- und Hygienevorschriften sind, die das Infektionsgeschehen treiben“, sagte Landsberg. Dabei spiele der Alkohol und die damit verbundene Enthemmung und Gleichgültigkeit gegenüber bestehenden Regeln eine wichtige Rolle. Deshalb begrüßte Landsberg die vorgesehene Sperrstunde. „Das ist allemal besser, als wenn man am Ende - wie jetzt in den Niederlanden - Restaurants und Bars schließen muss“, argumentierte er.

Nach Bund-Länder-Konferenz zu Corona-Regeln: Kritik von der Deutschen Stiftung Patientenschutz

Der Deutschen Stiftung Patientenschutz gehen die schärferen Maßnahmen von Bund und Ländern in Corona-Hotspots nicht weit genug. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die schärferen Regeln für Corona-Hotspots können hier nur ein erster Schritt sein. Denn wie die wenigen Beamten der Ordnungsämter das überwachen sollen, bleibt offen.“
Auch fehlten „verbindliche Zielvorgaben zur Stabilisierung der Gesundheitsämter oder zum Aufbau kommunaler pflegerisch-medizinischer Unterstützungsgruppen“. Der Streit über die Beherbergungsverbote überlagere hier Problemlösungen. „Für die Hochrisikogruppe ist das gefährlich.“

Brysch argumentierte weiter: „Steigen die Neuinfektionen, steigen - verzögert - auch die schweren Krankheitsverläufe und die Corona-Toten.“ Betroffen seien insbesondere pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen.

Bund-Länder-Konferenz: Unsere Berichterstattung am Mittwoch

Update vom 14. Oktober, 21.31 Uhr: Seit inzwischen sieben Stunden diskutieren Bund und Länder über Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Den meisten Diskussionsstoff bietet das Beherbergungsverbot. Die bisherigen Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert. „Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden“, sagte die CDU-Politikerin während der Sitzung in Berlin. „Es reicht einfach nicht, was wir hier machen“, sagte die Kanzlerin und unterstellte den Ländern zugleich, sich kleine Schlupflöcher zu suchen.

Update vom 14. Oktober, 20.23 Uhr: Nach BILD-Informationen soll die Entscheidung über das Beherbergungsverbot vertagt werden! Demnach soll eine neue Entscheidung nach den Herbstferien getroffen werden, am 8. November. Also sieht es derzeit danach aus, dass das Verbot in den Ländern, die es aktuell umsetzen, noch bestehen bleibt - oder dass die Länder es kippen, wenn sie möchten.

Update vom 14. Oktober, 19.58 Uhr: Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) begann um kurz vor 19 Uhr die Diskussion über das Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebiete in Deutschland. Laut dpa hat sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet klar gegen das Verbot ausgesprochen. Für eine Beibehaltung des Beherbergungsverbots plädierten demnach Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Auch Schleswig-Holstein wolle mit Einschränkungen daran festhalten.

Bund-Länder-Konferenz: Erste Beschlüsse zu Sperrstunde, Maskenpflicht und private Feiern

Update vom 14. Oktober, 19.19 Uhr: Eine weitere Entscheidung ist gefallen: In Corona-Hotspots mit Inzidenzwerten von mehr als 50 sollen sich künftig nur noch maximal zehn Personen im öffentlichen Raum treffen dürfen. Und sollten die neuen Maßnahmen den Anstieg nicht zum Stillstand bringen, sollen sich nur noch bis zu fünf Personen oder die Angehörigen zweier Hausstände im öffentlichen Raum treffen dürfen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr - der finale Beschluss des gesamten Konzepts stand aber noch aus. In NRW gilt diese Beschränkung bereits schon jetzt unabhängig von den Infektionszahlen.

Update vom 14. Oktober, 18.30 Uhr: Und der nächste Beschluss sickert durch: In Corona-Hotspots werden private Feiern künftig generell auf maximal zehn Teilnehmer und zwei Hausstände begrenzt. Das haben Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Die Begrenzung gilt bei mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche.

Update vom 14. Oktober, 18.15 Uhr: Nach BILD-Informationen soll es auch eine Einigung zwischen Bund und Ländern zur ergänzenden Maskenpflicht geben. Diese gelte ab einem Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und zwar dort, wo Menschen „dichter und/oder länger zusammenkommen“

Update vom 14. Oktober, 18.04 Uhr: Die erste Entscheidung soll laut BILD gefallen sein: Demnach sollen in Regionen mit einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner ab 23 Uhr eine Sperrstunde geben.

Corona-Gipfel von Merkel und Minister: Erste Äußerungen sickern durch - NRW-Chef eher zurückhaltend

Update vom 14. Oktober, 17.03 Uhr: Der Corona-Gipfel von Bund und Ländern tagt seit 14 Uhr - und es scheint sich noch lange hinzuziehen. Wie die BILD-Zeitung von einem Ministerpräsidenten erfahren haben will, soll um kurz vor 17 Uhr noch kein einziger Punkt beschlossen worden sein. Erste Äußerungen aus der Konferenz sind aber bereits durchgesickert.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr, soll Bundeskanzlerin Angela Merkel die Länder zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung im Kampf gegen das Coronavirus aufgefordert haben. „Wollen wir einen beherzten Schritt machen, oder uns wieder Woche für Woche treffen wie im Frühjahr“, sagte die Kanzlerin bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mahnte seine Länderkollegen den Teilnehmerangaben zufolge zu einem schnellen und einheitlichen Vorgehen:  „Wenn es losgeht, dann geht es sehr schnell. Wir kommen wieder voll in die Sprungkurve rein“, sagte er.

Dagegen äußerte sich NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) eher zurückhaltend und skeptisch, etwa was Einschränkungen von privaten Feiern angeht: „Das ist mir zu früh und zu rigoros“, zitierten ihn Teilnehmer. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte, er sehe vor allem bei privaten Feiern die größten Probleme für die Verbreitung des Virus.

Update vom 14. Oktober, 14.25 Uhr: Eine verschärfte Maskenpflicht, weniger Feiern, eine Sperrstunde und im Zweifel sogar die Schließung von Bars und Clubs - das alles schon zu einem möglichst frühen Zeitpunkt. So möchte die Bundesregierung den künftigen Kampf gegen das Coronavirus führen. Davon müssen aber noch die Länder überzeugt werden. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder sind am Nachmittag in Berlin zusammengekommen. Ob es eine Einigung im Streit um das Beherbergungsverbot geben wird, ist fraglich.

Corona-Gipfel von Merkel und Minister: Bund plant wohl verschärfte Maskenpflicht

Update vom 14. Oktober, 11.37 Uhr: Vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten sickern die ersten Beschlüsse durch. Einer davon: Der Bund will eine ergänzende Maskenpflicht und eine Sperrstunde in der Gastronomie schon dann einführen, wenn die Zahl der Neuinfektionen 35 pro 100 000 Einwohner in einer Region innerhalb einer Woche überschreitet. Gleiches gilt für die Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Familienfeiern.

Diese Maskenpflicht soll dort eingeführt werden, wo Menschen dichter oder länger zusammenkommen, heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf für die Beschlussvorlage der Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder heute Nachmittag.

Wann die empfohlene Sperrstunde beginnen soll und wie viele Teilnehmer bei Feiern im Familien- und Freundeskreis zugelassen sein sollen, wird in dem Entwurf offen gelassen.

Corona-Zahlen in Deutschland steigen - heute Treffen mit Angela Merkel und Ministerpräsidenten

Update vom 14. Oktober, 9.25 Uhr: Vom Gipfeltreffen der Ministerpäsidenten bei Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die angespannte Corona-Lage in Deutschland hat sich Nordrhein-Westfalens Regierungschefs Armin Laschet (CDU) für mehr Einheitlichkeit bei den Corona-Regeln ausgesprochen. Notwendig seien "einheitliche Regeln" in Regionen, in den die so genannten Inzidenzwerte überschritten werden, sagte Laschet im Morgenmagazin der ARD.

Das regionale Vorgehen in Hotspots gegen die weitere Corona-Ausbreitung sei eine Stärke Deutschlands, sagte Laschet. Wenn es aber nun eine Vielzahl von Gebieten mit hohen Infektionszahlen gebe, "dann brauchen wir da gleiche Regeln". In NRW gelten bereits einheitliche Regen für Kreise und Städte.

Als Beispiele nannte Laschet Regelungen zu Alkoholverboten, Sperrstunden in der Gastronomie und eine Begrenzung der Teilnehmerzahlen von privaten Feiern. Auch ein einheitliches Bußgeld bei Verstößen könne "man machen".

Mit Blick auf das umstrittene Beherbungsverbot warb Laschet für "pragmatische Lösungen". Grundsätzlich gehe es darum, sich auf "das Wesentliche" zu konzentrieren, "denn die Lage ist ernst".

Bei den Beratungen heute im Kanzleramt in Berlin wollen die Spitzen von Bund und Ländern versuchen, sich auf einheitlichere Regelungen zu verständigen. Die Positionen der Bundesländer etwa beim Beherbergungsverbot klaffen aber derzeit teilweise noch weit auseinander.

So lehnte etwa Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) vor dem Treffen bei Merkel heute eine Lockerung der strengen Beherbergungs-Beschränkungen in ihrem Bundesland ab, während Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Reisebeschränkungen harsch kritisierte.

In den meisten Bundesländern gilt die Regel, dass Menschen aus Regionen mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen binnen einer Woche nur dann in einem Hotel beherbergt werden dürfen, wenn sie einen aktuellen negativen Coronavirus-Test vorweisen können.

Corona-Zahlen in Deutschland steigen - Treffen mit Angela Merkel und Ministerpräsidenten

[Erstmeldung vom 13. Oktober] Hamm - Es ist aktuell das Reizthema schlechthin mit Blick auf das Coronavirus: das Beherbergungsverbot. Der Streit nimmt vor dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten von NRW und Co. am Mittwoch (14. Oktober) an Schärfe zu.

Merkel und die Länderchefs kommen erstmals seit Mitte Juni wieder im Kanzleramt zusammen - analog, nicht digital. Laut Bild-Zeitung begründete Kanzleramtschef Helge Braun die Notwendigkeit hierfür mit der dramatischen Infektionslage in Deutschland. Man müsse eine offene Debatte führen, die „historische Dimensionen“ haben könne, wurde er unter Bezug auf Teilnehmer in Bild zitiert.

Beherbergungsverbot wegen Corona: ja oder nein? NRW setzt es weiterhin nicht um

Das Beherbergungsverbot erhitzt die Gemüter. Zahlreiche Politiker fordern die Rücknahme der Regelung, Unions-Politiker stellten die Wirksamkeit der Maßnahme infrage. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte am Dienstag an, dass NRW das Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten weiterhin nicht umsetzen werde.

Solche Verbote machten nach seinem Wissen „keinen Sinn, weil sie nicht dazu beitragen, die Ansteckungsketten zu verlangsamen“. Auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, forderte, das Verbot nochmals auf den Prüfstand zu stellen. „Gerade Hotels haben in einem großen Kraftakt die Hygienemaßnahmen umgesetzt und für Sicherheit gesorgt. Ein nochmaliger Lockdown der ganzen Hotelbranche muss verhindert werden.“

Beherbergungsverbot wegen Corona - ja oder nein? Söder verteidigt Maßnahme

Aber es gibt auch die Gegenseite. Länderregierungschefs wie Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Markus Söder (Bayern) verteidigten das Beherbergungsverbot. Laut Söder biete es Sicherheit, auch der Tourismus- und Gastronomiebranche. Das sehen aber nicht alle so.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht existenzielle Risiken: „Ein wochenlanges Beherbergungsverbot würden viele Betriebe nicht überleben - etwaige Reserven sind längst aufgebraucht“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Freddy Adjan dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält am Beherbergungsverbot für Reisende aus Krisengebieten fest. „Ich habe gerade eine Aussetzung des Beherbergungsverbots gestoppt“, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart vor Journalisten. Es gehe nun darum, das Infektionsgeschehen zu verlangsamen und eine Ausbreitung zu verhindern.

Beherbergungsverbot wegen Corona in Deutschland: „Große Verunsicherung in der Gesellschaft“

Ob Beherbergungsverbot oder nicht - einheitlich soll es sein, da sind sich fast alle einig. Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus: „Ich erwarte morgen ein klares Signal gegen die Kleinstaaterei. Wir benötigen Klarheit für die Menschen in Deutschland. Dies gilt insbesondere für innerdeutsche Reisen“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Hamburg. Der Chef des Landkreistages, Reinhard Sager, sprach im Nachrichtenportal t-online von einem „im Alltag kaum zu überblickenden Flickenteppich und großer Verunsicherung in der Gesellschaft“.

Auch in den Ländern, die das Beherbergungsverbot durchsetzen, gibt es unterschiedliche Regeln, etwa in Bezug auf die Aktualität dieser Tests, wie eine Recherche der Deutschen Presse-Agentur in den verschiedenen Bundesländern zeigt.

Beherbergungsverbot wegen Corona: Ja oder nein? Unterschiedliche Auslegung der Test-Regel

In Baden-Württemberg beispielsweise darf ein Test nicht älter als 48 Stunden sein. Dafür zählt das Datum auf der Bescheinigung. In Bayern gilt dagegen der Zeitpunkt des Abstrichs, der maximal 48 Stunden her sein darf. Auch in Schleswig-Holstein sind 48 Stunden die Maßgabe für einen negativen Corona-Test, mit dem Reisende das Beherbergungsverbot umgehen können. Dabei dürfen jedoch zwischen dem Ausstellen des Testergebnisses und der Einreise nicht mehr als 48 Stunden verstrichen sein.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Kanzlerin Merkel werde sich am Mittwoch zum Beherbergungsverbot Argumente aller Seiten anhören. Es handle sich aber um Länderregelungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Montag bei einer Videokonferenz des ifo-Instituts: „Wenn es um Mobilität geht und keine einheitlichen Regeln da sind, dann (...) untergräbt das Akzeptanz.“

Deswegen sei es wichtig, dass man am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten auf eine einheitliche Linie komme. Und auch Söder rief vor dem Treffen dazu auf, strengere und einheitliche Maßnahmen zu ergreifen. Es müsse zum Beispiel erweiterte Maskenpflichten gelten. „Wir wollen keinen zweiten Lockdown. Aber ein zweiter Lockdown rückt näher, wenn es keinen Ruck gibt.“

Beherbergungsverbot ja oder nein? Immer mehr Corona-Hotspots - vor allem in NRW

Derweil werden immer mehr Städte in Deutschland zu Corona-Hotspots. Am Dienstagmorgen überschritt die Zahl der innerhalb eines Tages neu mit dem Coronavirus infizierten Menschen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mit 4122 erneut die 4000er-Grenze. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 329.453 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert.

Mit Leverkusen und Gelsenkirchen überschreiten seit Dienstag zwei weitere große Städte die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Am Montagabend traf es bereits Düsseldorf. Die Landeshauptstadt ist die erste Stadt in NRW mit einer Sperrstunde. Auch Essen, Hagen und Wuppertal haben den Grenzwert bereits überschritten.

Nicht nur Beherbergungsverbot im Fokus - es geht auch um die Schulen

Aber nicht nur das Beherbergungsverbot sorgt derzeit für Kontroverse in der Politik. Diskutiert werden könnte beim Bund-Länder-Treffen nämlich auch über die Schulen - dass diese nicht wieder geschlossen werden müssen gilt als eines der wichtigsten Ziele der Maßnahmen.

Zwei Bundestagsabgeordnete der Union machten hier einen neuen Vorschlag - sie wollen Ferien umlagern. „Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen“, sagte Christoph Ploß (CDU) der Bild.

Verlängerung der Winterferien wegen Corona? NRW-Schulministerin winkt ab

Unionsfraktionsvize Thorsten Frei pfiff die beiden Abgeordneten aber wieder zurück. Er sagte bei RTL/ntv: „Angesichts der Verbreitungswege, die derzeit dominieren, befürchte ich, dass wir durch eine Verlängerung der Weihnachtsferien viel Unruhe stiften, aber letztlich keinen durchgreifenden Erfolg erringen.“

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat dem Vorschlag, die Winterferien wegen Corona zu verlängern und stattdessen die Sommerferien zu kürzen, eine Absage erteilt. „Der Vorschlag ist untauglich und unnötig“, sagte Gebauer am Dienstag. Die Idee sei „kurzfristig weder schulorganisatorisch noch praktisch umzusetzen.“

Oberbürgermeister von Hamm wütend über Beherbergungsverbot

Die Stadt Hamm in NRW war mit als erstes von den steigenden Corona-Zahlen betroffen und lange Zeit DER Hotspot in Deutschland. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann kochte so ziemlich die Galle über, als die Meldungen vom Beherbergungsverbot und dem maximal 48 Stunden alten Corona-Entlastungstest für Menschen aus Hotspot-Regionen die Runde machte.  „Ich halte das für ziemlich dummes Zeug“, sagte das noch amtierende Stadtoberhaupt. (mit dpa-Material).

Rubriklistenbild: © Stefanie Loos/AFP POOL/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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