ARD Talk am Sonntag

Wissenschaftler warnt bei „Anne Will“: Panik und Hysterie, „bis in die Absurdität hinein“

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Coronavirus bei „Anne Will“ in der ARD

Das neuartige Coronavirus breitet sich nun auch in Deutschland rasant aus. Anne Will beschäftigt sich in der ARD am Sonntag mit der Frage: „Wie berechtigt ist die Angst?“

  • ARD-Talk „Anne Will“ am Sonntagabend, 8. März, ab 21.45 Uhr.
  • Thema: „Quarantäne, Hamsterkäufe, abgesagte Veranstaltungen - wie berechtigt ist die Angst vor dem Coronavirus*?“ 
  • Das neuartige Sars-CoV-2 hält die Welt weiterhin in Atem. Auch in Deutschland greift mit immer mehr Neuinfektionen Verunsicherung um sich. 

Update vom 8. März, 22.47 Uhr: „Quarantäne ist wie ein Gurt im Auto - für den Worst Case“, sagt Wissenschaftler Ranga Yogeshwar bei Anne Will in der ARD. „Was ich so ein bisschen erlebe, ist, dass wir jetzt so ein komisches Gemisch haben: Eigentlich kaum Erkrankungen, 1000 Stück, aber Panik, Hysterie, an einigen Stellen bis in die Absurdität hinein!“

Yogeshwar betont aber auch: „Es handelt sich um ein exponentielles Wachstum. Die Fälle werden sich jede Woche verdoppeln, und das bedeutet, dass wir Ende Mai eine Million Infizierte haben werden!“

Anne Will: „Aber wie gefährlich ist die Situation denn jetzt?“

„Aber wie gefährlich ist die Situation denn jetzt?“, fragt Will Susanne Herold, Professorin für Infektionserkrankungen der Lunge. „Wir haben immer den Vergleich mit der Influenza“, sagt die Professorin. Im Winter 2017/18 seien 25.000 Menschen in Deutschland an der Grippe gestorben - ohne, dass Fußballspiele abgesagt oder Schulen geschlossen worden waren. „So richtig hat das damals keiner mitbekommen“, sagt Herold. 

Dennoch unterscheide sich das Coronavirus von der Grippe, denn „es sieht so aus, als sei die Sterblichkeit sehr viel höher.“ Man habe noch nicht genug Daten, um eine eindeutige Sterblichkeitsrate ableiten zu können, erklärt Herold. Wie viele Menschen an dem Virus sterben, hänge von der medizinischen Versorgung ab, davon, wie gut die Ärzte vorbereitet seien und wie viel Erfahrung man mit der Covid-19-Erkrankung habe. So seien in der Stadt Wuhan zu Beginn der Krise 5,4 Prozent der Infizierten gestorben. Das habe auch an der Überforderung des Gesundheitssystems gelegen. In der Region Hubei lag die Sterblichkeit hingegen bei 0,7 Prozent. In Südkorea, dem am zweitstärksten betroffenen Land, liegt die Sterblichkeit bisher bei 0,6 Prozent.  

Fragen werfen jedoch die Entwicklungen in Italien auf. „In Italien ist die Sterblichkeit relativ hoch - mit über drei Prozent“, sagt Herold. „Wir wissen nicht genau warum“, sagt Herold. Das könnte an mehreren Faktoren liegen. Beispielsweise an der medizinischen Versorgung oder etwa daran, dass eine Region mit besonders empfindlichen Menschen betroffen sei. Man wisse es nicht, sagt Herold. Deshalb sei in Italien eine sogenannte Joint-Mission von Experten verschiedener Länder dabei, die Umstände dort genauer zu untersuchen. 

„Anne Will“ über das Coronavirus - „Wie berechtigt ist die Angst?“

Update 22.07 Uhr: Sind die positiven Tests auf das Coronavirus „Zufallstreffer“, fragt Anne Will am Sonntagabend in der ARD. Patienten, die einen Infektionsverdacht haben, scheinen oft Schwierigkeiten zu haben, sich testen lassen zu können. Rufe man beim Gesundheitsamt an, so werde man oft an den Hausarzt verwiesen. Doch die niedergelassenen Ärzte laufen nicht nur Gefahr sich selbst zu infizieren - Arztpraxen müssen auch geschlossen werden, sollte eine Coronavirus-Infektion aus der Praxis gemeldet werden. 

Laumann, der vor wenigen Tagen noch die Entscheidung der örtlichen Behörden verteidigt hat, das Bundesliga-Topspiel von Mönchengladbach gegen Dortmund am Samstag stattfinden zu lassen, betont jetzt, die Empfehlung von Bundesgesundheitsministers Jens Spahn umsetzen zu wollen. Schließlich hatte er bereits vor Tagen für eine einheitliche Regelung plädiert. „Wenn man Bundesligaspiele ausfallen lassen will, dann kann man das nicht in einem Bundesland entscheiden“, hatte der CDU-Politiker am Donnerstagmorgen dem WDR gesagt. Demnach sollen jetzt auch in NRW Veranstaltungen, mit mehr als 1000 Teilnehmern, nicht mehr stattzufinden. 

„In Deutschland können wir 20.000 Tests auswerten“, so seien die Kapazitäten, erläutert Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister in NRW. 

„Anne Will“ über das Coronavirus - „Wie berechtigt ist die Angst?“

Ursprungsmeldung vom 8. März: 

Berlin - Bei „Anne Will“ geht es in der ARD am Sonntagabend, 8. März, ab 21.45 Uhr um das neuartige Virus Sars-CoV-2: „Quarantäne, Hamsterkäufe, abgesagte Veranstaltungen - wie berechtigt ist die Angst vor dem Coronavirus*?“ 

In knapp einer Woche sind in Deutschland rund 900 Infektionen (Stand, Sonntag 19.00 Uhr) mit dem neuen Coronavirus* aus China gemeldet worden. Waren es am Montag, 2. März, noch 150 Infizierte, so meldete das Robert Koch Institut (RKI) am Sonntagabend 902 gemeldete Infektionen. Wissenschaftliche Experten widersprechen sich bei der Einschätzung der Gefahrenlage und der Frage, ob das deutsche Gesundheitssystem eine massenhafte Infektion handhaben kann. 

Die Verunsicherung führt in der Bevölkerung zu Unsicherheit, die Deutschen tendieren seit einigen Tagen zu Hamsterkäufen. Die Preise von Infektionsmitteln und Mundschutzmasken steigen massiv. Und just am Sonntag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dazu geraten, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. 

In einigen Bundesländern wurden bereits einzelne Schulen und Kitas geschlossen. Mit Quarantänemaßnahmen soll eine weitere Ausbreitung eingedämmt werden. In ihrem ARD-Talk will sich Anne Will mit den Fragen auseinandersetzen, „wie angemessen ist dieser Umgang mit dem Virus? Ärztinnen und Ärzte beklagen bereits Mängel in der medizinischen Versorgung. Ist das Gesundheitssystem gewappnet? Und welche wirtschaftlichen Folgen drohen?“

Weltweit sind die Infektionszahlen auf über 100.000 angestiegen

„Anne Will“ (ARD): Das sind die Gäste der Sendung am Sonntag, 8. März:

  • Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist und Moderator
  • Susanne Herold, Professorin für Infektionserkrankungen der Lunge
  • Sibylle Katzenstein, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Geriatrie
  • Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) 

In Europa ist bisher Italien am stärksten von der neuen Erkrankung Covid-19* betroffen. Die Todeszahlen steigen täglich.

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