Nach Lockerungen

Corona-Lockdown in Österreich: Armin Wolf zerpflückt Kanzler Kurz im TV - „Was Sie gerade sagen, stimmt nicht“

Sebastian Kurz gibt mit Maske eine Pressekonferenz zu den Corona-Maßnahmen
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Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, spricht bei einer Pressekonferenz über die aktuellen Corona-Maßnahmen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verteidigt im Fernsehinterview die kommenden Corona-Lockerungen. ORF-Journalist Armin Wolf widerspricht den Aussagen deutlich.

  • Österreich befindet sich seit dem 17. November in einem harten Lockdown
  • Die Maßnahmen werden nach dem 06. Dezember gelockert
  • Hotels und die Gastronomie sollen weiterhin bis zum 07. Januar geschlossen bleiben

Update vom 4. Dezember, 17 Uhr: In einem Interview mit der Bild-Zeitung hat Sebastian Kurz seine umstrittene Aussage wiederholt. Bereits zuvor wurde er für seine Wortwahl kritisiert, dass das Coronavirus aus dem Ausland „eingeschleppt wurde“. Das Land habe „durch Reiserückkehrer – in unserem Fall vor allem vom Westbalkan und Kroatien – ein Drittel unseres Infektionsgeschehens im Sommer nach Österreich importiert“, sagte Kurz der Bild. Für ihn keine Schuldzuweisung, „sondern schlicht und ergreifend die Realität.“

Corona in Österreich: Kurz bezieht sich auf Statistiken - Diese sagt jedoch nichts über Migrationshintergrund

Auch Koalitionspartner haben sich nun in die Diskussion eingemischt und Kurz ebenfalls für seine Aussage kritisiert. Der Grünen-Chef Werner Kogler sagte, die Kommunikation der Reisebeschränkungen sei „einseitig und von mangelnder Sensibilität“ geprägt gewesen. Für Kogler sei besagte Aussage für viele Menschen verletzend gewesen. „Und ich denke da besonders an die vielen
Frauen und Männer, die sich bei uns seit vielen Monaten in Pflegeheimen, Spitälern - da auch in den Intensivstationen - und in anderen wichtigen Bereichen voll einsetzen“

Hintergrund ist, dass die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit Statistiken vorgelegt hatte, wonach innerhalb zweier Sommer-Wochen ein Drittel der Corona-Fälle auf Rückkehrer vom Balkan zurückzuführen seien. Was die Statistik jedoch nicht erhebt, ist die Nationalität der Reiserückkehrer. Denn viele Menschen, sowohl Österreicher als auch Österreicher mit Migrationshintergrund, seien nach einer Reisewarnung für Kroatien aus dem Urlaub zurück gekehrt. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig kritisierte Kurz und sprach im Standard von einer „Stigmatisierung von Bevölkerungsgruppen“.

Sebastian Kurz mit umstrittener Behauptung: Coronavirus wurde nach Österreich „eingeschleppt“

Erstmeldung vom 3. Dezember, 16 Uhr: Wien - Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat Österreich ungleich stärker getroffen als Deutschland. Seit dem 17. November gilt deswegen in ganz Österreich ein harter Lockdown. Am vergangenen Mittwoch hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) seinen Fahrplan für die Zeit nach dem Lockdown vorgestellt. Im Interview bei ZIB2 mit Armin Wolf versuchte Bundeskanzler Sebastian Kurz die neuen Lockerungen zu rechtfertigen, die über Weihnachten und Silvester gelten sollen.

Zuvor geriet der Bundeskanzler in die Kritik, als er auf einer Pressekonferenz am Mittwoch behauptete, dass Coronainfektionen* aus dem Ausland nach Österreich „eingeschleppt“ worden seien.

Corona in Österreich: Coronainfektion aus dem Ausland nach Österreich „eingeschleppt“?

Kontrovers wurde es deswegen im Interview, als der stellvertretende Chefredakteur des ORF, Armin Wolf, Bundeskanzler Sebastian Kurz* auf seine Aussagen in der Pressekonferenz ansprach. Wolf fragte Kurz, warum er denn den Eindruck erwecken wolle, dass Migranten an den hohen Infektionszahlen schuld seien? Leicht säuerlich erwiderte daraufhin Kurz: „Herr Wolf, Sie haben die Möglichkeit, mich alles zu fragen, daher braucht es keine Unterstellungen. Es geht nicht um die Frage der Nationalität oder Herkunft. Es geht um die Frage der Reiserückkehrer“.

Kurz verteidigt umstrittene Aussage: Virus sei von Migranten nach Österreich eingeschleppt worden

Als der Kanzler daraufhin seine Aussage verteidigen will und darum bittet, ausreden zu dürfen, wird er von Wolf unterbrochen. „Herr Bundeskanzler, ich unterbreche Sie ganz ungern, aber was Sie gerade sagen, stimmt nicht“, erwidert Wolf. Vielmehr habe der Bundeskanzler in der Pressekonferenz behauptet: „Insbesondere Menschen, die in ihren Herkunftsländern den Sommer verbracht haben“. Wolf folgerte daraus, dass Kurz demnach explizit Migranten gemeint habe. Kurz gibt schließlich klein bei und erklärt „Das ist richtig“. Eigentlich wollte er sagen, dass im Sommer ein Drittel der Infektionen auf Reiserückkehrer zurückzuführen war, wovon ein Großteil im Balkan Urlaub gemacht hatte.

Wegen Corona-Maßnahmen: Ski-Urlaub in Österreich nicht möglich

Auf der Pressekonferenz am Mittwoch verkündete Kurz die neuen Maßnahmen gegen das Coronavirus. Demnach sind Ski- und Weihnachtsurlaube in Österreich aufgrund der Einschränkungen nicht möglich. Die Regierung in Wien hat beschlossen, dass für alle Einreisenden aus Risikogebieten eine 10-tägige Quarantänepflicht gilt. Ein Land wird als Risikogebiet klassifiziert, wenn es innerhalb von 14 Tagen mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verzeichnet. Zum jetzigen Zeitpunkt zählen alle Nachbarländer Österreichs, einschließlich Deutschland, als Risikogebiet.

Corona in Österreich: harter Lockdown wegen hoher Infektionszahlen

Für die Zeit nach dem 06. Dezember kann der Einzelhandel in Österreich nach drei Wochen Zwangspause wieder öffnen. Auch Friseure und Museen dürfen wieder bei strenger Einhaltung der geltenden Hygieneregeln öffnen. Die Überlastung des Gesundheitssystems sei zwar verhindert worden, dennoch gibt es Einschränkungen bei den Lockerungen. „Die sinkenden Zahlen, die wir derzeit in Österreich erleben, die sind ein Erfolg, aber sie sind kein Grund zur Entwarnung“, erklärt Kanzler Kurz. (phf) dpa merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

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