Nach US-Wahl 2020

Trump eskaliert in 46-minütiger Ansprache: „Wichtigste Rede jemals“ - CNN weigert sich, die „Lügen“ zu zeigen

In einer Rede wütet Trump weiterhin gegen einen angeblichen Wahl-Betrug. Twitter-Nutzer erteilen ihm prompt einen Ratschlag. Und CNN will das Video erst gar nicht zeigen.

  • Am Mittwochabend veröffentlichte Donald Trump in den sozialen Medien eine Rede.
  • Der New York Times zufolge soll diese bereits vor Tagen aufgezeichnet sein.
  • Die Reaktionen darauf folgen prompt: „Bitte suchen Sie sich Hilfe“.

Washington - 46 Minuten lang. Ungefähr so lang wie eine durchschnittliche Folge der Kult-Serie „American Horror Story“. In seiner ganz eigenen Episode präsentierte Donald Trump „die wichtigste Rede, die ich je gehalten habe“. Diese wurde am Mittwochabend veröffentlicht. Soziale Medien wie Twitter und Facebook versahen das Video mit Warnhinweisen. Wie schon bei früheren Behauptungen über Wahl-Betrug. Neu war an seiner Rede nichts: Es ging um angebliche Manipulation der Briefwahl seitens der Demokraten und weitere Beschuldigungen. Ein wütendes Aufbegehren des scheidenden US-Präsidenten. Der sich weiterhin als Sieger der US-Wahl 2020* darstellt. Zunehmend isoliert.

Erst kurz zuvor wurde bekannt, dass selbst sein bis dahin loyaler Justizminister William Barr sich von ihm abwendet. Auch Vize-Präsident Mike Pence* scheint sich, so berichtet The Daily Beast, von Trump zurückzuziehen. Nach Angaben der renommierten US-amerikanischen Zeitung The New York Times unter Berufung auf Sprecher des Weißen Hauses*, wurde das veröffentlichte Video bereits vorherige Woche aufgezeichnet. Die Zeitung schreibt, seine Rede sei „die persönliche Verkörperung von Mr. Trumps Stakkato-Tweets in den letzten drei Wochen“.

Trump hält Rede über angeblichen Wahl-Betrug: Wiederholt seine Behauptungen - Keine Beweise

„Viel Schlimmes ist in diesem lächerlichen Zeitraum passiert“, urteilte Donald Trump zu Beginn der Aufzeichnung über die US-Wahl 2020. Das Wahl-System der USA sei unter „koordiniertem Angriff und Belagerung“. Statt Beweise zu präsentieren, führte Trump bereits bekannte Behauptungen an: Republikanische Wahlbeobachter wurden von ihrer Aufgabe abgehalten. Illegale Stimmen gezählt. Die Swing-States* wurden ihm durch Wahl-Betrug bei der Briefwahl* entrissen.

Bereits Monate vor der US-Wahl hatte Trump Zweifel an der Briefwahl gestreut. Um seine Worte zu untermauern, hielt er eine Grafik in die Höhe, die anscheinend darlegte, wie Wahl-Stimmen in Wisconsin* gestohlen wurden. Er führte an, dass es „statistisch unmöglich“ sei, dass er gegen Joe Biden* verloren habe und rief den Supreme Court dazu auf, zu tun, „was das richtige für unser Land ist“. Und stellte sich als Verteidiger des US-amerikanischen Wahl-Systems dar.

Nach US-Wahl 2020: Trump spricht weiterhin von Wahl-Betrug - CNN zeigt Rede nicht

Die Hoffnung, Trump würde dem Wahl-Sieg Joe Bidens zustimmen, die entstanden war, nachdem er die Amtsübergabe an den Demokraten* eingeleitet hatte, sollte damit erstmal ausgebremst sein. Die Washington Post fasste es in folgende Worte: „Wie er es während seiner gesamten Präsidentschaft immer getan hat, hat Trump eine alternative Realität erfunden.“ Der US-amerikanische Sender CNN stellte in einer dreiminütigen Einordnung von Chris Cuomo dar, warum sie die Rede Trumps nicht zeigen werden. „Trump ist Gift“, sagte Cuomo mit Verweis darauf, dass der Fokus die wütende US-Pandemie in die USA* sein müsse. „Trump ist so weit weg, dass ich nicht mit gutem Bewusstsein den Inhalt eines 46-minütigen Quatschens zeigen kann, das er heute Abend ausgespuckt hat.“

Wie Politico anführte, habe die Rede erneut bewiesen, dass Donald Trump keine Lösungen für den Kampf gegen das Coronavirus* habe. „Jeder Tag, an dem wir die Strategie falsch verstehen, wird die Schwere und Größe des Ausbruchs in diesem Land um mehrere Tage verlängern“, äußerte sich Jeremy Konyndyk vom „Center for Global Development“. Deutlich wird in dieser Aussage, dass Trump innerhalb von 46 Minuten nicht nur an seinem Verschwörungsmythos einer Wahl-Manipulation festhielt, sondern vor allem um sich kreiste. Und nicht um die Antwort auf eine Pandemie, die bereits mehr als 270.000 US-Amerikanern das Leben gekostet hat.

Donald Trump: Nutzer auf Twitter reagieren auf Trumps Video - „Bitte suchen Sie sich Hilfe“

Auch Twitter reagierte prompt auf die Ausführungen Donald Trumps. „In dieser endlosen Rede von Lügen und Unsinn hält Trump eine Grafik hoch, die ich als ‚ungewöhnlich leicht‘ zu entlarven beschrieben habe, als ich dies vor zwei Wochen tat“, twitterte Philipp Bump von der Washington Post. „Gibt jemand diesem Kerl eine Teilnahme-Trophäe, damit er die Klappe hält“, schrieb eine weitere Twitter-Nutzerin. Und Fernsehmoderator Andi Cohen hielt es simpel: „Bitte suchen Sie sich Hilfe.“

Warum Trump ausgerechnet den Mittwoch wählte, um seine vor einer Woche aufgenommene Rede zu verbreiten, ist offen. In der Huffington Post äußerte sich Ruth Ben-Ghiat von der New York University folgendermaßen: „Wie andere autoritäre Personen kann Trump keine Niederlage eingestehen und verstärkt seine Propagandapunkte, in der Hoffnung, vor seinen Anhängern das Gesicht zu wahren.“ (aka) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

In den USA mehren sich die Gerüchte, wonach Präsident Trump seine Kinder begnadigen will. Auch Rudy Giuliani könnte den Berichten zufolge hoffen.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/dpa

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