Bei Aufnahme von Asylbewerbern

EU-Gutachten: Ungarn, Polen und Tschechien brachen EU-Recht

Freiwillige helfen auf der griechischen Insel Lesbos völlig erschöpften Flüchtlinge aus ihrem Boot. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Freiwillige helfen auf der griechischen Insel Lesbos völlig erschöpften Flüchtlinge aus ihrem Boot. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Migranten kommen in einem Rettungsboot im Hafen von Malaga an. Foto: Álex Zea/Europa Press/dpa
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Migranten kommen in einem Rettungsboot im Hafen von Malaga an. Foto: Álex Zea/Europa Press/dpa
Migranten werden am Hafen von Lampedusa von Helfern begleitet. Mindestens 13 Menschen waren Anfang Oktober bei einem Bootsunglück vor der italienischen Insel ums Leben gekommen. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ANSA/dpa
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Migranten werden am Hafen von Lampedusa von Helfern begleitet. Mindestens 13 Menschen waren Anfang Oktober bei einem Bootsunglück vor der italienischen Insel ums Leben gekommen. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ANSA/dpa
Flüchtlingslager im Norden Griechenlands: Hierhin bringt die griechische Regierung Migranten, um die überfüllten Lager im Osten der Ägäis zu entlasten. Foto: Giannis Papanikos/AP/dpa
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Flüchtlingslager im Norden Griechenlands: Hierhin bringt die griechische Regierung Migranten, um die überfüllten Lager im Osten der Ägäis zu entlasten. Foto: Giannis Papanikos/AP/dpa
Sie haben es geschafft: Ein Flüchtlingsboot erreicht die griechische Insel Lesbos. Foto: Socrates Baltagiannis/dpa
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Sie haben es geschafft: Ein Flüchtlingsboot erreicht die griechische Insel Lesbos. Foto: Socrates Baltagiannis/dpa
Mitarbeiter der italienischen Küstenwache bringen im Hafen von Lampedusa einen Sarg von Bord. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ANSA/AP/dpa
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Mitarbeiter der italienischen Küstenwache bringen im Hafen von Lampedusa einen Sarg von Bord. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ANSA/AP/dpa
Afrikanische Migranten, die aus einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet wurden, werden von Helfern im Hafen von Malaga empfangen. Foto: Jesus Merida/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa
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Afrikanische Migranten, die aus einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet wurden, werden von Helfern im Hafen von Malaga empfangen. Foto: Jesus Merida/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa
Faustpfand für Präsident Erdogan? Kinder in einem türkischen Flüchtlingslager in Gaziantep. Foto: Uygar Onder Simsek / Moku/dpa
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Faustpfand für Präsident Erdogan? Kinder in einem türkischen Flüchtlingslager in Gaziantep. Foto: Uygar Onder Simsek / Moku/dpa
Und was kommt nun? Ein afrikanischer Migrant wartet in eine Decke gehüllt nach seiner Ankunft im Hafen von Malaga. Foto: Jesus Merida/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa
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Und was kommt nun? Ein afrikanischer Migrant wartet in eine Decke gehüllt nach seiner Ankunft im Hafen von Malaga. Foto: Jesus Merida/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Italien und Griechenland sollten 2015 durch einen EU-Beschluss zur Umverteilung von Asylbewerbern entlastet werden. Allerdings sorgte die Entscheidung für tiefe Gräben in der Staatengemeinschaft. Ein EuGH-Gutachten könnte diese nun vertiefen.

Luxemburg (dpa) - Ungarn, Polen und Tschechien haben wegen mangelnder Solidarität in der Flüchtlingskrise nach Ansicht einer Gutachterin des Europäischen Gerichtshofs gegen EU-Recht verstoßen.

Die drei Länder hätten sich nicht weigern dürfen, einen Beschluss zur Umverteilung syrischer und anderer Asylbewerber aus Griechenland und Italien umzusetzen, befand Generalanwältin Eleanor Sharpston am Donnerstag in Luxemburg (Rechtssachen C-715/17, C-718/17, C-719/17). Die betroffenen Staaten zeigten sich davon wenig beeindruckt.

Die EU-Staaten hatten 2015 in zwei Mehrheitsentscheidungen die Umverteilung von bis zu 160.000 Asylbewerbern beschlossen. Ungarn, Polen und Tschechien weigerten sich allerdings beharrlich, den Beschluss umzusetzen - obwohl der EuGH die Rechtmäßigkeit der Entscheidung in einem späteren Urteil bestätigte. Die EU-Kommission, die in der Staatengemeinschaft unter anderem die Einhaltung von EU-Recht überwacht, klagte gegen die Länder.

Der EU-Beschluss von 2015 sollte Italien und Griechenland entlasten. Zugleich entzweite er die EU-Staaten jedoch nachhaltig. Bis heute stehen sie sich in der Migrationspolitik teils unversöhnlich gegenüber. Die große EU-Asylreform kommt seit Jahren kaum voran.

Gutachterin Sharpston erklärte, die von Ungarn, Polen und Tschechien genannten Vorbehalte seien unbegründet. Den Ländern sei es ohne weiteres möglich gewesen, Sicherheit und Wohlergehen ihrer Bürger zu schützen. Die Umsiedlung eines Asylbewerbers hätte jederzeit mit berechtigten Gründen abgelehnt werden können.

Auch betont Sharpston, beide Seiten - Griechenland und Italien sowie die aufnehmenden Länder - seien in der Notsituation von 2015 dafür verantwortlich gewesen, den Beschluss angemessen umzusetzen. So hätte der "unerträgliche Druck" auf die Länder an den EU-Außengrenzen gemildert werden können. "Das ist das Wesen von Solidarität." Für den Fall, dass es erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung gegeben hätte, hätten die Beschlüsse zeitweise ausgesetzt werden können - allerdings nicht einseitig.

In ihrem Gutachten stellt Sharpston zudem grundsätzliche Überlegungen an: Die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit in einem Land bedeute auch, dass der Staat die eigenen Rechtspflichten erfüllen müsse. Eine Missachtung dieser Pflichten, weil sie im konkreten Fall unwillkommen oder unpopulär seien, sei ein "gefährlicher erster Schritt hin zum Zusammenbruch einer der Rechtsstaatlichkeit verpflichteten geordneten und strukturierten Gesellschaft".

Polen und Ungarn haben nach Zahlen der EU-Kommission keinen einzigen Asylbewerber im Rahmen der Beschlüsse von 2015 aufgenommen, Tschechien zwölf. Allerdings führte Polen im vergangenen Jahr die Liste jener EU-Staaten an, die den meisten Ausländern aus Drittstaaten den Aufenthalt in ihrem Land erlaubten. Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge erteilte Warschau 635.000 Aufenthaltstitel an Nicht-EU-Bürger - zum Großteil an Ukrainer.

Die polnische Regierung beharrt indes auch nach Veröffentlichung des Gutachtens auf ihrer Position. Diese sei durch den EU-Vertrag gedeckt, sagte ein Regierungssprecher laut Nachrichtenagentur PAP. Demnach hätten die EU-Staaten die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Sicherheit und öffentlichen Ordnung. "Unsere Handlungen wurden bestimmt von den Interessen der polnischen Bürger und dem Schutz vor unkontrollierter Migration." Auch dank der harten Haltung Polens und der übrigen Visegrad-Staaten habe die EU ihren Umgang mit der Flüchtlingsfrage geändert und von der Umverteilung Abstand genommen.

Auch der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis äußerte sich kritisch: "Die Asylpolitik ist eine Angelegenheit jedes einzelnen Mitgliedstaats, und die Umverteilung von Flüchtlingen, welche die EU illegal betreten, gehört definitiv nicht zu unseren Verpflichtungen", sagte der Gründer der populistischen Partei ANO laut Agentur CTK. Er habe seinen Wählern versprochen, verpflichtenden Quoten niemals zuzustimmen, und dieses Versprechen werde er einhalten. "In jedem Fall müssen wir das Urteil des Gerichts abwarten, das einzig und allein verbindlich ist."

Unversöhnlich äußerte sich auch die ungarische Regierung: Die Ungarn hätten zahllose Male klar gestellt, dass sie nicht wollten, dass Ungarn ein Einwanderungsland werde, sagte Janos Völner, Staatssekretär im Justizministerium, der staatlichen Nachrichtenagentur MTI. "Die ungarische Regierung setzt den Kampf zur Durchsetzung des Willens der ungarischen Menschen fort."

Die Einschätzung der Gutachterin ist nicht bindend, häufig folgen die Richter ihr aber. Ein Urteil dürfte in den kommenden Monaten fallen. Dann könnte der EuGH Zwangsgelder gegen die drei Länder verhängen.

Zahlen zur Umsiedlung

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