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Linke-Chaos vor der Frankreich-Wahl: Ex-Ministerin gewinnt Vorwahl - und zersplittert die eigenen Reihen

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Christiane Taubira zusammen mit Emmanuel Macron.
Christiane Taubira zusammen mit Emmanuel Macron. Beide treten bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich wohl gegeneinander an. © PanoramiC/Imago (Archivfoto)

In anderen Ländern dient eine Vorwahl dazu, sich unter mehreren Bewerbern zu entscheiden. In Frankreich hingegen sorgt sie für mehr Probleme als Lösungen. 

Paris - Querelen bei den Frankreich-Linken. Rund zwei Monate vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich* hat die frühere Justizministerin Christiane Taubira Rückenwind für ihre Kandidatur erhalten. Bei einer von einem Bürgerbündnis organisierten Abstimmung erhielt sie unter den linken Kandidaten die meisten Stimmen.

Frankreich-Wahl: Vorwahl spaltet die Linke weiter

Das Bürgerbündnis wollte mit der Abstimmung einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten für die zersplitterte Linke finden. Vier der fünf aussichtsreichsten linken Präsidentschaftskandidaten lehnten die Initiative ab. Der Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon, der Grüne Yannick Jadot und die Sozialistin Anne Hidalgo ließen bereits vor der Abstimmung wissen, dass sie sich nicht an das Votum gebunden fühlen. Mélenchon landete bei der Abstimmung unter den fünf Kandidaten auf dem zweiten Platz. Bitter lief es für Hidalgo: Die Bürgermeisterin der Hauptstadt Paris wurde letzte.

Die Wähler waren zudem aufgerufen, Schulnoten an alle zu verteilen, statt einfach nur Kreuzchen zu setzen. Taubira landete mit der Note „gut“ auf Platz eins. Jadot und Mélenchon bekamen ein „befriedigend“. Hidalgo, die zeitweise durchaus mit der Online-Vorwahl geliebäugelt hatte, erreichte nur ein „ausreichend“.

Frankreich-Wahl: „Die Zersplitterung ist für die Linke fatal“

Taubira ist also Klassenbeste - aber das wird ihr wenig nützen, so lange ihre Klassenkameraden weiter jeder für sich um die Wählergunst buhlen. Für viele Anhänger der Linken ist dies ein Trauerspiel: Rein rechnerisch könnten die Wähler der linken Kandidaten gemeinsam die Rechte überholen, die ihrerseits drei Kandidaten mit teils ähnlichen Programmen aufgestellt hat. Doch bislang will sich bei den Linken niemand zugunsten eines anderen Kandidaten zurückziehen.

„Die Sozialdemokraten haben ihre Führungsrolle seit dem Scheitern von Ex-Präsident François Hollande nicht wiedergefunden“, sagte der Meinungsforscher Emmanuel Rivière der Nachrichtenagentur AFP. Die Linke sei - ähnlich wie in Deutschland - in drei große Blöcke geteilt, nämlich die Sozialdemokratie, die Grünen und die radikale Linke. „Die Zersplitterung ist für die Linke fatal“, resümiert Rivière.  

Frankreich-Wahl: Kaum linke Chancen gegen Macron - Konkurrenz kommt von rechts

An der Abstimmung, die von Donnerstag bis Sonntag abgehalten wurde, nahmen knapp 400.000 Menschen teil. Zum Vergleich: Die Kandidatin der Sozialistischen Partei (PS), Anne Hidalgo, wurde von gerade mal 22.000 Parteigenossinnen und -genossen ins Rennen geschickt. Taubira war während der Präsidentschaft des Sozialisten François Hollande zwischen 2012 und 2016 Justizministerin. Sie galt als Ikone des linken Flügels in der damaligen Regierung.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen findet am 10. April statt. Nach den bisherigen Umfragen hat keiner der linken Kandidaten eine Chance, in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Emmanuel Macron* zu kommen. Taubira, die einst erste schwarze Ministerin Frankreichs, liegt in den Umfragen unter fünf Prozent. Macron hat seine Kandidatur noch immer nicht offiziell erklärt*, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er antreten will. Hinter ihm liegen in den Umfragen derzeit drei rechte Kandidaten: die konservative Valérie Pécresse, Rechtspopulistin Marine Le Pen und der rechtsextreme Eric Zemmour. (as/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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