Spionage-Satellit gestartet

„Zwischenfall“ in der iranischen Atomanlage Natans schwerwiegender als zunächst angenommen - Israel unter Verdacht

Das Bild zeigt ein Gebäude der Atomanlage Natans, das bei dem Brand vor wenigen Tagen schwer beschädigt wurde.
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Das Bild zeigt ein Gebäude der Atomanlage Natans, das bei dem Brand vor wenigen Tagen schwer beschädigt wurde.

In einer Atomanlage im Iran hat es einen Zwischenfall gegeben. Zunächst wurden kaum Details bekannt, nun spricht die iranische Atomorganisation von „beachtlichen Schäden“.

  • In der iranischen Atomanlage Natans hat es einen Zwischenfall gegeben.
  • Ein Sprecher der iranischen Atomorganisation wollte sich nicht genau dazu äußern (siehe Erstmeldung vom 2. Juli 2020)
  • Nun wurde bekannt, dass der Zwischenfall wohl schwerwiegender war als zunächst berichtet (siehe Update vom 6. Juli, 11.56 Uhr). 

Update vom 6. Juli, 12.19 Uhr: Vor vier Tagen kam es in der iranischen Atomanlage Natans in einem Zentrifugenwerk zu einem Zwischenfall. Zunächst wollte ein Sprecher kaum Angaben dazu machen und noch immer ist der Vorfall ungeklärt. Nun wird klar: Der Zwischenfall war schwerwiegender als zunächst berichtet. Die iranische Atomorganisation (AEOI) sprach am Sonntag von „beachtlichen Schäden“ bei einem Brand. Es seien Geräte beschädigt oder zerstört worden, sagte AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi. Doch auch er nannte keine Details zur Brandursache. Atommaterial soll sich in dem Gebäude aber zumindest nicht befunden haben.

Zwischenfall in iranischer Atomanlage wird Herstellung von Zentrifugen verlangsamen

In der Atomanlage in Zentraliran wird Uran angereichert, außerdem werden Zentrifugen zur Urananreicherung gebaut und getestet. Laut Kamalwandi wird der Vorfall die Herstellung und Tests der neuen Zentrifugen mittelfristig verlangsamen. Doch der Sprecher kündigte an, dass der Iran schon sehr bald eine größere Werkstatt mit besseren und moderneren Geräten errichten werde. Seit mehr als einem Jahr arbeite der Iran an schnelleren Zentrifugen zur Urananreicherung

Israel sieht das das iranische Atomprogramm als existenzielle Bedrohung an, auch Saudi-Arabien und die USA halten es für gefährlich. Daher wurde spekuliert, es könne in Natans erneut einen Cyberangriff gegeben haben wie zuletzt 2010, als Israel und die USA mit dem Schadprogramm Stuxnet in Natans annähernd 1000 Zentrifugen zerstört haben sollen. Es sind aber auch andere Brandursachen denkbar, wie beispielsweise eine Explosion bei Zentrifugentests.

Zwischenfall in iranischer Atomanlage - Geheimdienstmitarbeiter macht Israel verantwortlich

Die New York Times zitierte einen nahöstlichen Geheimdienstmitarbeiter, der Israel für den Vorfall in der Atomanlage verantwortlich macht. Dabei sei eine „mächtige Bombe“ verwendet worden. Ein Mitglied der iranischen Revoluitonsgarden habe demnach bestätigt, dass ein Sprengsatz eingesetzt worden sei. 

Die unerklärte Atommacht Israel startete vor diesem Hintergrund in der Nacht zu Montag mit einer Schavit-Rakete den Spionagesatelliten „Ofek 16“. Wie das israelische Verteidigungsministerium am Montag berichtete, habe die Datenübertragung planmäßig begonnen. Amos Jadlin, der ehemalige Chef des Militärgeheimdienstes, twitterte, die mit „Ofek 16“ verbundenen strategischen und geheimdienstlichen Fähigkeiten seien bedeutsam „in diesen Tagen, in denen sich eine mögliche Eskalation mit dem Iran abzeichnet“.

Zwischenfall in iranischer Atomanlage: Industrieschuppen wurde offenbar beschädigt

Erstmeldung vom 2. Juli 2020: Teheran - Laut Angaben der iranischen Atomorganisation (AEOI) hat es in der iranischen Atomanlage Natans einen Zwischenfall gegeben. Ein Industrieschuppen sei beschädigt worden, sagte AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi am Donnerstag. Was genau geschah, sagte er nicht. Seinen Angaben zufolge ist bei dem Vorfall niemand gestorben und auch die Arbeit in der Anlage nicht beeinträchtigt worden. Experten untersuchen derzeit die Ursachen des Vorfalls, sagte der Sprecher laut Nachrichtenagentur Isna.

Zwischenfall in iranischer Atomanlage: Feuer in Industrieschuppen ausgebrochen

Nach Angaben des Gouverneurs der Stadt Natans war in dem Industrieschuppen Feuer ausgebrochen. Daher wurden auch umgehend Feuerwehr und Rettungskräfte zum Brandort entsandt, wie Ramesan-Ali Ferdosi der Nachrichtenagentur Tasnim sagte. Da der Industrieschuppen außerhalb der Anlage sei, hatte der Brand jedoch keine Auswirkungen auf die Atomanlage selbst, so der Gouverneur. Die Brandursache sei jedoch noch ungeklärt und werde untersucht.

Die unterirdische Anlage in Natans 220 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Teheran ist Irans wichtigster Standort für Urananreicherung. Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte zuletzt von der Regierung in Teheran gefordert, die Kontrolle von verdächtigen Atom-Standorten zu erlauben. Israel sieht sich durch das iranische Atom- und Raketenprogramm in seiner Existenz bedroht.

Atomprogramm des Iran ist seit Jahren Grund für internationale Konflikte

Seit Jahren gibt es internationalen Streit zum Umgang mit dem Iran* und ein langwierig verhandeltes Atomabkommen*. Darin hatte das Land stärkere Kontrollen seiner Atomwaffenaktivitäten erlaubt und im Gegenzug Erleichterungen bei internationalen Wirtschaftssanktionen bekommen. Die USA hatten sich 2018 aus dem Abkommen zurückgezogen. (dpa/cia) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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