Größte Chancen hat Ultrakonservativer

Präsidentschaftswahl im Iran: Reformierter Gegenkandidat zieht sich kurz vor der Wahl überraschend zurück

Iran wählt am Freitag einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Hassan Ruhani darf nicht mehr kandidieren. Doch die Macht des Präsidenten ist begrenzt.

Teheran (Iran) - Mohsen Mehralisadeh, ehemaliger Vizepräsident Irans, tritt doch nicht bei der Wahl am Freitag an. Er war einer von zwei reformierten Kandidaten, die sich gegen fünf ultrakonservative Bewerber um das Präsidentschaftsamt zur Wahl stellten. Amtsinhaber Hassan Ruhani darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren.

Der Iran hat rund 83 Millionen Einwohner und bezeichnet sich als Islamische Republik. Mächtigster Mann im Staat ist nicht der vom Volk gewählte Präsident, sondern der religiöse Führer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei, der 1939 geboren wurde und seit 1989 im Amt ist. Er wird von einem Expertenrat auf Lebenszeit gewählt und befehligt etwa die Streitkräfte. Chamenei muss den Präsidenten ernennen und kann ihn unter gewissen Voraussetzungen auch wieder absetzen.

Präsidentschaftswahlen im Iran: Von 300 Bewerbern wurden ursprünglich sieben zugelassen

Der Wächterrat muss die Kandidaten für die Wahlen zulassen. Beworben hatten sich 300, sieben wurden letztendlich zugelassen, sodass am Freitag noch sechs Kandidaten gegeneinander antreten. Das iranische Volk kann unter anderem für den ultrakonservativen Justizchef Ebrahim Raisi stimmen. Ihm werden die meisten Chancen ausgerechnet, unter anderem weil er bei der Präsidentschaftswahl 2017 bereits 38 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte.

Zu seinen Konkurrenten zählen Mohsen Resai, der frühere Chef der Revolutionsgarden und der ultrakonservative ehemalige Atom-Chefunterhändler Sajed Dschalili. Der moderat-konservative Ex-Parlamentspräsident Ali Laridschani, der Chefunterhändler des Atomabkommens, hatte sich ebenfalls beworben. Er durfte überraschenderweise aber nicht antreten.

Präsidentschaftswahlen im Iran: Gründe für Rückzug des Kandidaten unbekannt

Warum der ehemalige Vizepräsident Mohsen Mehralisadeh nun nicht mehr antritt, ist unterdessen nicht bekannt. Die amtlichen Nachrichtenagenturen Irna und Isna beriefen sich auf einen Sprecher der Wahlkampagne von Mehralisadeh. Umfragen zufolge wäre er aber wohl nur auf ein Prozent der Stimmen gekommen.

Die Lage im Iran ist auch Thema des historischen Zusammentreffens zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. (kat)

Rubriklistenbild: © Ebrahim Noroozi

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