Covid-19-Pandemie

Jens Spahn: Keine Privilegien für Corona-Geimpfte – Impfpass-Idee begraben

Gesundheitsminister Jens Spahn ist gegen Sonderrechte für Corona-Geimpfte. Der Weltärztepräsident hält dagegen.

  • Jens Spahn hat sich gegen einen rechtlichen Sonderstatus für Corona-Geimpfte ausgesprochen.
  • Auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert Sonderrechte.
  • Noch zu Beginn der Pandemie hatte Spahn einen Impfpass gefordert.

Berlin – Die Corona-Impfungen in Deutschland laufen an. Zum Impfstart wurde vor allem Risikogruppen, wie älteren oder pflegebedürftigen Menschen, der Impfstoff von Biontech/Pfizer* injiziert.

Spahn geht davon aus, dass bis Ende März 2021 elf bis zwölf Millionen Impfstoff-Dosen zur Verfügung stehen. Da das Präparat zweifach verabreicht werden muss, könnten damit rund fünf bis sechs Millionen Menschen geimpft werden. Bis zum Sommer will der Gesundheitsminister (CDU) sicherstellen, dass allen Menschen in Deutschland eine Corona-Impfung angeboten werden kann.

Jens Spahn gegen Sonderrechte für Geimpfte: Abkehr vom Impfpass

Mitten in den Impfstart platzt, angesichts von Dosen-Knappheit, eine Debatte um Sonderrechte für Geimpfte. Darauf reagiert ein Teil der Politik allergisch. Spahn sagte den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“: „Viele warten solidarisch, damit einige als erste geimpft werden können. Und die Noch-Nicht-Geimpften erwarten umgekehrt, dass sich die Geimpften solidarisch gedulden.“ Die gegenseitige Rücksicht halte das Land zusammen, so Spahn.

Noch im Frühjahr 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, hatte sich der Gesundheitsminister für einen Immunitätsausweis, einen sogenannten Impfpass, ausgesprochen. Spahn ging dabei von einer vollständigen Immunisierung nach einer Erkrankung aus, was nicht final bewiesen ist. Ein Impfpass hätte vormals Menschen womöglich zu „Corona-Partys“ animiert.

Jens Spahn (CDU) hat sich gegen Sonderrechte für Corona-Geimpfte aufgesprochen. (Archivfoto)

Neben Spahn sprach sich auch Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) gegen Sonderrechte für Geimpfte aus. Er warnte zudem davor, dass Geimpfte andere Menschen noch mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 anstecken könnten. Zum Impfstart hatte Lauterbach zudem eine Erhöhung der Vakzin-Produktion gefordert. Er sagte: „Uns läuft die Zeit davon. Das Virus hat bereits Mutationen gebildet.“

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält besondere Rechte für Geimpfte hingegen für denkbar. „Im Moment, wo man gar nicht allen Menschen eine Impfung anbieten kann, verbietet sich ein solches Vorgehen“, sagte er dem „Deutschlandfunk“. Allerdings später, falls alle Menschen eine Chance auf eine Impfung hätten und zusätzlich weitere Informationen zu einer möglichen Immunität im Blut zur Verfügung ständen, seien solche Entscheidungen möglich, so Montgomery. Als Beispiel nannte der Weltärztepräsident, dass einige Staaten Einreiseverbote für Menschen erlassen hätten, die nicht mit Gelbfieber geimpft waren. Spahn zog im Frühjahr denselben Gelbfieber-Vergleich heran - der allerdings umstritten ist*. (Tobias Utz mit AFP) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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