Kulturpolitik

Klima, Corona, Welterbe: G20-Kulturminister beraten in Rom

Michelle Müntefering
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Deutschland wird beim G20-Kulturministertreffen von der Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik, Michelle Müntefering, vertreten (Archivbild).

Geschlossene Museen, abgesagte Konzerte: Die Corona-Pandemie hat der weltweiten Kulturbranche einen harten Schlag verpasst. Die G20-Staaten wollen sich dagegen wappnen - und gegen den Klimawandel.

Rom - Mit einer umfassenden Agenda zum Kulturschutz und den Auswirkungen des Klimawandels und der Corona-Pandemie sind die Kulturminister der G20-Staaten in Rom zusammengekommen.

Die Politiker der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wollen bis Freitag darüber sprechen, wie Kulturerbe und -güter vor Umweltveränderung und kriminellen Machenschaften geschützt werden können. Ein Thema wird auch die Unterstützung für den Sektor sein, der hart von der Corona-Pandemie getroffen wurde.

Am Donnerstagabend eröffnete das Gastgeberland Italien, das derzeit den G20-Vorsitz hält, das Treffen mit einer Zeremonie im berühmten Kolosseum in Rom. Ministerpräsident Mario Draghi sagte, die Unterstützung der Kultur sei entscheidend für den Wiederanfang Italiens nach der Corona-Pandemie. Der Reise- und Tourismussektor erwirtschafte 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukt Italiens und beschäftige direkt oder indirekt dreieinhalb Millionen Menschen.

„Der Schutz des künstlerischen Erbes erfordert auch eine mehr ökologische Nachhaltigkeit“, erklärte der frühere Chef der Europäischen Zentralbank weiter. Mehr als zehn Welterbestätten seien vom steigenden Meeresspiel gefährdet. Hochwasser bedrohten 15 bis 20 Prozent des kulturellen Erbes Italiens. „Wir müssen jetzt handeln, damit die Generationen von morgen die Schätze genießen können, die wir heute bewundern.“

Im Anschluss wurden die Gäste im unweit entfernten Quirinalspalast erwartet. Dort stand ein Konzert, geleitet vom italienischen Stardirigenten Riccardo Muti, im Palast des Staatspräsidenten auf dem Programm.

Aus Deutschland reiste die Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik, Michelle Müntefering, an. Mit im Gepäck hat die SPD-Politikerin zwei Programme, die sie auf dem Treffen vorstellen will. Eines ist ein Plan, um im Katastrophenfall Kulturgüter schneller zu schützen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Mit dem Mechanismus sollen Gebäude oder Objekte rasch gerettet werden können. Dafür sieht der Plan vor, Experten und Technik-Equipment bereitzustellen - und zwar binnen weniger Stunden.

Der Deutsche Kulturrat zeigte sich erfreut über Münteferings Vorhaben. Man unterstütze die Initiative, sagte der Geschäftsführer des Verbands, Olaf Zimmermann. „Wir haben gerade im eigenen Land erleben müssen, welchen fundamentalen Schaden Überschwemmungen anrichten“, sagte er mit Blick auf die jüngsten Unwetter-Katastrophen in Deutschland. Weltweit sei eine Taskforce nötig, die Expertise und technische Ausstattung schnell an Orte bringen könne, wo Kulturgut in Gefahr sei.

Das zweite Programm Münteferings dreht sich um die internationale Vernetzung von wissenschaftlichen Institutionen, die im Bereich Kulturerhalt tätig sind. Mit Blick auf die Auswirkungen von Corona sagte sie, die Pandemie habe gezeigt, wie entscheidend der Kultur- und Kreativsektor sei - nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für das soziale und psychische Wohlergehen unserer Gesellschaften.

Italien setzte außerdem das Thema Digitalisierung auf die Agenda für das Treffen in Rom. Außerdem soll es auch um den illegalen Handel mit Kunstwerken gehen. In Italien ist dafür eine spezielle Polizei-Einheit der dem Verteidigungsministerium zugehörigen Carabinieri zuständig. Neben Politikern wurden außerdem Vertreter von Organisationen wie der UN-Kulturbehörde Unesco erwartet. dpa

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