„Farbe bekennen“ in der ARD

Lockdown vor Verlängerung: Kanzlerin Angela Merkel dämpft Erwartungen auf Lockerungen

Sinkende Corona-Zahlen als Grund für Lockdown-Lockerungen? Angela Merkel deutet in der ARD an, dass die Maßnahmen in die Verlängerung gehen werden.

Hamm - Die Zahlen sinken. Die Corona-Lage in NRW und Deutschland entspannt sich allmählich wieder. Das freut auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Die Werte gehen erfreulicherweise runter. Das ist die Leistung der Bürgerinnen und Bürger“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag im Interview in der Sendung „Farbe bekennen“ in der ARD. (News zum Coronavirus)

NameAngela Merkel
Geboren17. Juli 1954 in Hamburg
AmtBundeskanzlerin seit 2005
ParteiCDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands)

Lockdown-Verlängerung wahrscheinlich: Angela Merkel macht wenig Hoffnung auf Corona-Lockerungen

Wie passend also, dass am Mittwoch (10. Februar) die nächste Bund-Länder-Konferenz ansteht. Gemeinsam mit den Ministerpräsidenten um NRW-Landeschef Armin Laschet könnte sie dann doch eigentlich die derzeit strengen Corona-Regeln im Lockdown lockern - statt die Maßnahmen zu verlängern. Nicht wenige in Deutschland sehnen das herbei. Sollte man meinen.

Doch trotz der wieder besseren Corona-Zahlen in Deutschland wird es wohl anders kommen. Bereits seit einigen Tagen kommen bezüglich des Lockdowns entsprechende Signale aus der Politik. Genauso wie nun auch von Angela Merkel. Obwohl es jetzt bundesweit eine Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt, lehnt die Kanzlerin eine Lockerung des Lockdowns ab. Es deutet also auf eine Verlängerung hin.

„Das ist eine gute Leistung, da waren wir lange nicht“, erklärte die Regierungschefin bei „Farbe bekennen“ in der ARD: „Aber damit haben wir noch nicht wieder die Kontrolle über das Virus durch die Gesundheitsämter. Daran müssen wir jetzt arbeiten. Jeder Tag zählt. Deshalb bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger, noch eine Weile durchzuhalten.“ Vor allem, bis es konkretere Informationen zum Verhalten der Corona-Mutationen gibt. Auch im Interview mit RTL und n-tv äußerte sich Merkel zum Thema Lockdown.

Lockdown wird wohl über den 14. Februar hinaus verlängert - Christian Drosten warnt vor Lockerungen

Noch „eine Weile“ - das klingt tatsächlich eher nach einer Verlängerung des Lockdowns über den 14. Februar hinaus statt nach Lockerungen. Unterstützung erhält die Kanzlerin dabei einmal mehr vom Virologen Christian Drosten.

Der Charité-Wissenschaftler warnte eine Woche vor dem nächsten Corona-Gipfel von Bund und Ländern erneut vor zu frühen Lockerungen der aktuell geltenden Regeln. „Für die Zeit bis Ostern können wir noch nicht viel an Bevölkerungsschutz durch die Impfung erwarten“, sagte Christian Drosten im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info.

Das Argument des Virologen: Auch wenn durch die Corona-Impfungen die Sterblichkeit sinke, bleibe das Verringern der Fallzahlen für ihn essenziell. Wo und wie schnell man lockere, müsse man genau prüfen, sagte Christian Drosten, der zuletzt auch eine bittere Corona-Prognose für den Sommer formulierte.

Raus aus dem Lockdown: Angela Merkel kündigt Öffnungsstrategie von Bund und Ländern an

Es gebe „einen großen Grund zur Sorge“. Christian Drosten sprach von einem Szenario, in dem es zu zahlreichen schweren Krankheitsverläufen in der mehr als 23 Millionen Menschen umfassenden Gruppe der 40- bis 60-Jährigen kommen könnte - falls zu früh gelockert würde und diese Menschen noch nicht ausreichend durch Impfungen geschützt seien. Dies könne unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems und hohen Krankenständen in Unternehmen führen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ mit Tina Hassel (l), Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, und Rainald Becker, Chefredakteur der ARD.

Aber wie geht es weiter? Wann können die Deutschen mit Öffnungen rechnen? In dem ARD-Interview verwies Angela Merkel auf die Entwicklung einer entsprechenden Öffnungsstrategie, auf die sich die Ministerpräsidenten geeinigt hätten. Auch wenn sich nun viele fragen würden, warum es solch einen Plan nach fast einem Jahr der Corona-Pandemie noch nicht gibt.

Die Kanzlerin verwies bei „Farbe bekennen“ darauf, dass sich diese Öffnungsstrategie „nicht an einem Datum orientieren kann, sondern an Werten“, sagte Angela Merkel. „Wie viele Infektionen haben wir? Wie sieht es auf den Intensivstationen aus? Welchen Prozentsatz nimmt die Mutation ein, die ja sehr viel aggressiver ist?“

Lockdown vor der Verlängerung: Auch Laschet, Müller und Bouffier warnen

Nicht nur Angela Merkel dämpfte die Hoffnungen auf baldige Lockerungen der Corona-Regeln. Nachdem bereits NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet vor einer dritten Welle gewarnt und eine düstere Lockdown-Prognose formuliert hatte, warnte Volker Bouffier (CDU) ebenfalls vor zu schnellen Schlüssen. „Es gebe zwar einen erfreulichen Rückgang bei den Infektionen. Es dürfe jedoch nicht durch unbesonnenes Verhalten ein möglicher dritter Lockdown riskiert werden, sagte er. Die Corona-Pandemie sei noch längst nicht überwunden.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist, hält eine Debatte um mögliche Lockdown-Lockerungen ebenfalls für verfrüht. „Ich bin da im Moment sehr zurückhaltend“, sagte er und erinnerte daran, dass eine Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche Richtlinie für die bundesweiten Maßnahmen im Lockdown sei. Weshalb die Menschen in Deutschland - wie es Angela Merkel bereits formulierte - wohl noch „eine Weile durchhalten“ müssen. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Michael Sohn/dpa/POOL AP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare