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Deutsche Elf „wie die drei Affen“? Marcel Reif beschwert sich über „jämmerliche“ Haltung der Teams

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Die Gäste bei „Maischberger“ am 23.11.2022.
Die Gäste bei „Maischberger“ am 23.11.2022. © ARD / maischberger. die Woche

Das deutsche Team wird bei der WM in Katar mit Kritik übersäht. Reif versucht zu besänftigen, doch Hatice Akyün spricht von „lächerlicher Aktion“. 

München – Fast wäre es in Vergessenheit geraten. Am Mittwoch war das Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar. Nach kurzer pflichtgemäßer Analyse durch Moderator Marcel Reif, warum das Spiel gegen Japan mit 1:2 verloren ging, widmete sich Sandra Maischberger der Kapitänsbinde. Nach tagelanger Diskussion untersagte die FIFA das Tragen der sogenannten „One-Love-Binde“ und begründete dies mit ihrem Verbot politischer Botschaften. Als Reaktion hielten sich die deutschen Spieler beim obligatorischen Mannschaftsfoto vor Anpfiff die rechte Hand vor den Mund.

Kolumnistin Hatice Akyün empfindet die Aktion des deutschen Teams als „lächerlich, das kommt mir ein bisschen vor wie die drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“. Sie hätte sich Haltung gewünscht, was nichts anderes heißt, als die Konsequenzen zu tragen, aber eben nicht, sich wegzuducken. Sie teilt die Einschätzung des Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne), der sich dafür aussprach, es einfach mal zu riskieren und zu gucken, was die FIFA sich einfallen lässt.

„Maischberger“ – Diese Gäste diskutieren am 23. November mit:

Marcel Reif will den Spielern keinen Vorwurf machen, erachtet es aber als „jämmerlich“, wie die Verbände sich von FIFA-Chef Gianni Infantino haben vorführen lassen. „Die Verbände haben sich verhoben“, urteilt Reif. „Aber wenn diese WM für etwas gut ist, dann hat das Team des Irans das gezeigt“, sagt der Journalist. Die Spieler müssten in ihrer Heimat mit „ganz anderen Konsequenzen rechnen“, als die Deutschen es wegen der „One-Love-Binde“ hätten tun müssen. Die Spieler des Irans haben bei ihrem WM-Auftaktspiel die Nationalhymne nicht mitgesungen.

Überraschende Einblicke dazu liefert Journalistin Gilda Sahebi. Sie sagt, die iranische Bevölkerung sei sauer auf die Spieler. Sie hätten sich eine stärkere Aktion gewünscht. Etwa wie die Spielerinnen des iranischen Basketball-Nationalteams, die ihre Kopftücher ausgezogen und sich haben fotografieren lassen. Den Fußballern werde außerdem für übelgenommen, dass sie sich vor dem Abflug nach Katar mit dem iranischen Präsidenten getroffen haben.  

In Katar würden nun Menschenrechtsverletzungen angeprangert werden, im Iran habe man Jahrzehnte lang weggeschaut. Sahebi spricht von „jahrelanger Naivität gegenüber dem Iran“. Auch in der Berichterstattung habe lediglich das Atomabkommen stattgefunden, welches in der westlichen Welt das Gefühl vermittelt habe, dass im Iran alles vernünftig laufe. Tatsächlich seien aber Menschenrechtsverletzungen ignoriert worden. Die Rhetorik von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) werde zwar klarer, doch die Journalistin wartet auf klare Sanktionen. Der Kanzler habe ihr bei einem Gespräch aufmerksam zugehört, allerdings selbst nichts gesagt.

Ukraine-Krieg bei „Maischberger“: Masala sieht bei Rückeroberung von Cherson „kein Wendepunkt“

Boris Bondarew arbeitete 20 Jahre lang als russischer Diplomat, war zuletzt bei der UN in Genf beschäftigt und quittierte im Mai dieses Jahres seinen Dienst aufgrund der Invasion in die Ukraine. Bondarew ist aus einem geheimen Ort in der Schweiz ins Studio zugeschaltet. Er geht davon aus, dass der Kriegsausgang von der Unterstützung des Westens abhängt. Baldige Verhandlungen erwartet er nicht. „Dafür benötigt man eine starke Verhandlungsposition, das ist der Sinn“, sagt er.

Militärexperte Carlo Masala widerspricht Maischberger bei der Bedeutung der Rückeroberung von Cherson. „Das war ein wichtiger Erfolg, aber kein Wendepunkt“, sagt Masala, der ein düsteres Szenario zeichnet. Nach seinen Informationen beabsichtigen die russischen Soldaten sich festzugraben, um im Frühjahr eine neue Offensive zu starten. Eine weitere Mobilmachung soll möglicherweise folgen und die Munitionsfabriken „schieben Doppelschichten“.

Es sei nicht davon auszugehen, dass die Ukraine militärisch alle verlorenen Gebiete zurückerobern könne. Das einzige Ziel müsse es sein, nach und nach Gebiete zu gewinnen, damit in Russland ein Umdenken stattfindet. „Wenn man in Russland ins Überlegen kommt, was man in den Krieg investiert für welchen Ertrag, dann wäre der Weg frei an den Verhandlungstisch.“

„Putin hat sich verkalkuliert“, sagt Bondarew. „Ihm wurden Fehlinformationen zugetragen vom Auswärtigen Amt und vom Geheimdienst.“ Aufgrund dieser Informationen habe der russische Präsident geglaubt, dass „die Ukrainer die russischen Soldaten mit Blumen empfangen, um vom Nazi-Regime befreit zu werden“. Außerdem sei Putin der Auffassung gewesen, dass der Krieg längst entschieden sei, ehe der Westen sich einmischen kann.

Masala sieht „erste Anzeichen dafür, dass wir in schwere Fahrwasser kommen könnten“. Dabei beruft er sich auf sinkenden Zuspruch für den Krieg in der deutschen Bevölkerung. Erstmals seit Kriegsbeginn seien nun weniger als 50 Prozent der Menschen in Deutschland für Waffenlieferungen in die Ukraine. Seine deutliche Warnung: „In der wesentlichen Welt sind bereits Sollbruchstellen veranlagt.“ Damit meint Masala beispielsweise die Putin zugewandten Regierungsparteien in Italien, die Oppositionen in Frankreich und den Präsidenten Ungarns. Wenn die Stimmung kippt, werden diese Lager massiv an Zuspruch gewinnen und für Unruhe sorgen.

„Maischberger“ – Fazit der Sendung

Ein thematischer Rundumschlag ohne große Diskussionen. Inhaltliche Tiefe ist lediglich im Gespräch über die Ukraine aufgekommen, in dem Carlo Masala seine Einschätzung abgegeben hat. Die markigsten Sprüche sind im Austausch über die Fußball-WM gefallen, bei der insbesondere Hatice Akyün kein Blatt vor den Mund nahm. Klar ist aber, dass keine ernsthafte Diskussion zu erwarten ist, wenn alle Gäste inhaltlich auf einer Linie sind. (Christoph Heuser)

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