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„Wer so nachtritt ...“: JU-Ohrfeige gegen Söder - CSU-Chef malt einen Ausweg

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Von: Cindy Boden

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Markus Söder, CSU-Chef, an einem Rednerpult
Markus Söder, CSU-Chef (Archivbild) © Frank Hoermann/Sven Simon/Imago

Die Junge Union will das Wahldebakel aufarbeiten. Doch Söder kommt nicht zum Treffen. Dafür schallt Kritik aus Münster. Der CSU-Chef positioniert sich lieber in einem Interview.

Münster - CSU-Chef Markus Söder hatte für den „Deutschlandtag“ abgesagt. Das fand die Junge Union gar nicht lustig, sondern „enttäuschend“. Denn das dreitätige Treffen in Münster, das am Freitag begann, dient auch der Aufarbeitung des Wahldebakels für die Union. Viele CDU-Spitzenpolitiker halten Reden. Sie wollen sich auch als mögliche Nachfolger von Armin Laschet als CDU-Parteivorsitzende profilieren. Doch für die CSU soll nun Generalsekretär Markus Blume sprechen.

„Deutschlandtag“ mit Laschet, aber ohne Söder: „Wer im Wahlkampf so nachtritt ...“

Dabei könnte man meinen, Söder* liebt schlagzeilenträchtige Auftritte. Doch in letzter Zeit zog er eher den Kopf ein*. Im Wahlkampf platzierte der bayerische Ministerpräsident gern Spitzen gegen seine Konkurrenz, doch auch innerhalb der Union. Wenn sie in irgendeiner Weise Laschet betrafen, konnte sich Söder den Medienberichten sicher sein.

Doch nun ist nach der Bundestagswahl* - und vor allem in der CDU geht es hoch her, viel muss aufgearbeitet werden. NRW-Landeschef Johannes Winkel übte am Freitag scharfe Kritik an den Vorsitzenden Laschet und Söder. „Wer im Wahlkampf auftritt wie Armin Laschet*, der sollte nach der Wahl nicht direkt den Anspruch erheben, Kanzler zu werden, sondern vor allen Dingen Verantwortung für das Ergebnis übernehmen“, sagte der Landeschef unter dem Beifall der Delegierten. „Und wer im Wahlkampf so nachtritt wie Markus Söder*, der sollte nach der Wahl nicht über Stilfragen reden, sondern zur Beichte gehen.“

„Deutschlandtag“ der Jungen Union: „Haben uns in den letzten Wochen benommen wie ein Hühnerhaufen“

Auch der Bundesvorsitzende der Unions-Nachwuchsorganisation, Tilman Kuban, zog in seiner Begrüßungsansprache ein bitteres Fazit: Die Union sei in „einer Lage, die man nicht anders als beschissen bezeichnen kann“, sagte Kuban. Er beklagte den Mangel an Geschlossenheit im Wahlkampf: „Wir haben bei den Wahlen ein Erdbeben erlebt, weil wir uns in den letzten Wochen benommen haben wie ein Hühnerhaufen.“

Bei der Union sei es nun Zeit „für junge Köpfe und für eine neue Programmatik“, sagte Kuban. Die Junge Union wolle dabei „der Motor der Erneuerung sein“. Der JU-Vorsitzende forderte, dass künftig die Mitglieder über den CDU-Chef oder die CDU-Chefin abstimmen sollten, wenn es mehr als einen Bewerber gibt. Im Vorfeld ermutigte Kuban auch schon Frauen, für den Vorsitz zu kandidieren*.

Der Deutschlandtag ist das höchste Gremium der Jungen Union Deutschlands. Zu dem jährlich stattfindenden Treffen kamen 318 Delegierte aus allen 18 Landes- und den Auslandsverbänden nach Münster. Auch Laschet hält am Samstagvormittag eine Rede*.

Söder kommt nicht zur Jungen Union nach Münster - aber er hat dennoch etwas zu sagen

Söder, der statt nach NRW zu fahren einen Termin in Bayern wahrnehmen wollte, machte seinen Standpunkt gegenüber der Welt am Sonntag klar. Er plädiert für ein neues Miteinander der beiden Schwesterparteien CDU und CSU. „In Stil und Inhalt sollten wir wieder enger zusammenrücken, anstatt öffentlich übereinander zu reden“, sagte er. „Die CSU wird daher keine öffentlichen Ratschläge erteilen, sondern - wenn es gewünscht ist - mithelfen, die Union zu stabilisieren.“ Man habe „eine gemeinsame bürgerliche Idee“, so der CSU-Chef. Auf die Frage nach jüngsten Schuldzuweisungen aus der CSU Richtung CDU und Kanzlerkandidat Laschet ging Söder nicht direkt ein - er betonte allerdings: „Wir brauchen einen neuen Weg des Miteinanders.“

„Das war ein einzigartiger Wahlkampf, den wir alle noch gemeinsam aufarbeiten werden“, sagte Söder. „Es ist aber wichtig, dass wir wegkommen von Schuldzuweisungen und wieder mehr miteinander reden.“ Mit einer Ampel-Regierung könne es einen politischen Epochenwechsel geben, deshalb sei es wichtig, dass CDU und CSU eine neue Geschlossenheit zeigten. „Wir müssen das Bollwerk gegen einen Linksrutsch in Deutschland werden“, forderte Söder.

Bald „Ampel-Koalition“ in Deutschland? CSU-Chef Söder will keine Blockade im Bundesrat

Außerdem kündigte er an, keine grundsätzliche Blockade gegen eine Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP im Bundesrat anzustreben. „Der Bundesrat darf nicht pauschal als Blockadeinstrument genutzt werden. Wenn es gut ist für das jeweilige Land und die Gesamtheit der Länder, wird es wie bisher Zustimmung zu vernünftigen Gesetzen geben.“

Die Union fällt in einer aktuellen Umfrage des ZDF-„Politbarometers“* unter die magische Marke von 20 Prozent. Auch die Werte für Söder und Laschet sehen schlecht aus. (cibo/AFP/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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