Mladic in Den Haag: "Bin ein schwer kranker Mann"

Den Haag - Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist am Freitag erstmals dem UN-Tribunal in Den Haag vorgeführt worden. Am frühen Morgen wurde seine Verhandlungsfähigkeit festgestellt.

“Ich bin General Ratko Mladic“, sagte der Angeklagte auf Fragen des Richters nach seiner Person. Er sei im Jahr 1943 im Dorf Bozanotrvic in der Gemeinde Kalinovi im Südosten Bosnien-Herzegowinas geboren.

Damit beendete Mladic Spekulationen um sein Geburtsdatum, das teilweise ins Jahr 1942 gelegt worden war. Er trug nicht wie angekündigt eine Militäruniform, sondern einen Anzug. Mladic wurde von zwei Wächtern in den Sitzungssaal begleitet und bestätigte zu Beginn der Anhörung, dass er das Verfahren verstehe. Der Militärführer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) ist wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung der Gesetze und Regeln der Kriegsführung angeklagt. Er wird vor allem für das Massaker von Srebrenica mit 8000 Toten verantwortlich gemacht.

“Ich bin ein schwer kranker Mann“, sagte Mladic mit belegter Stimme. Er habe die 37-seitige Anklage zwar erhalten, aber “ich habe sie noch nicht gelesen“. “Ich habe nicht gelesen, was da drin steht“, sagte der Angeklagte auf Nachfrage des Richters, ob er die Unterlagen mit den 11 Anklagepunkten erhalten habe.

Mladic: "Bin ein schwer kranker Mann"

Mladic: "Bin ein schwer kranker Mann"

Der Niederländer Richter Alphons Orie wird das Verfahren gegen Mladic leiten, kündigte er im Gerichtssaal an. Das sei der einstimmige Beschluss des dreiköpfigen Richtergremiums gewesen, dem noch der Deutsche Christoph Flügge und der Südafrikaner Bakone Moloto angehören. Als Pflichtverteidiger für Mladic wurde Anwalt Aleksandar Aleksic vorgestellt.

"Ich muss das gut durchlesen“, sagte Mladic nach Verlesung der Anklage. Es handele sich um “monströse Worte, von denen ich noch nie gehört habe“. Er benötige mehr als die eigentlich vorgesehenen 30 Tage zur Vorbereitung seiner Verteidigung. Mladic-Anwalt Aleksic beantragte eine zehnminütige Pause, um sich mit seinem Mandanten abzusprechen. Der Vorsitzende Richter Orie gab diesem Wunsch statt. Den Prozessauftakt hatte er zuvor auf den 4. Juli um 10:00 Uhr festgesetzt.

dpa / dapd

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