Sorgen immer größer

„Kann jede Minute sterben“: Nawalnys Zustand immer kritischer - USA drohen mit Konsequenzen

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny steht in einem Käfig im Bezirksgericht Babuskinskij in Moskau, Russland.
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Alexej Nawalny während seines Gerichtsprozesses.

Alexej Nawalny setzt seinen Hungerstreik fort. Doch die Ärzte und Freunde des russischen Kremlgegners schlagen Alarm. Sie befürchten das Schlimmste.

Update vom 18. April, 18.56 Uhr: Nach Angaben der Ärzte Alexej Nawalnys droht dem Oppositionellen ein Herzstillstand. Angesichts dieses sehr kritischen Gesundheitszustands drohte die USA Russland im Falle des Todes des inhaftierten Kreml-Kritikers mit „Konsequenzen“. Es gebe verschiedene mögliche Maßnahmen, warnte der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am 18. April im Fernsehsender CNN. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte eine sofortige „adäquate medizinische Behandlung“ des 44-Jährigen. Nawalnys Unterstützer riefen für den 21. April zu Demonstrationen zur Rettung „seines Lebens“ auf.

Nawalnys Gesundheitszustand hat international große Sorge ausgelöst. Der US-Sicherheitsberater Sullivan nannte am Sonntag zwar keine spezifischen Maßnahmen, die Washington im Fall von Nawalnys Tod ergreifen würde. „Aber wir haben klargemacht, dass es Konsequenzen geben wird, falls Nawalny stirbt“, betonte er.

Auch Maas und von der Leyen in Sorge um Alexej Nawalny

Bundesaußenminister Maas sagte der Bild-Zeitung: „Wir verfolgen mit großer Sorge, dass sich die Gesundheit von Alexej Nawalny immer weiter verschlechtert.“ Er kündigte an, dass sich der am 19. April in Brüssel tagende Rat der EU-Außenminister mit dem Thema befassen werde. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete via Twitter: „Ich mache mir große Sorgen um die Gesundheit von Alexej Nawalny. Er muss sofort Zugang zu einer angemessenen medizinischen Behandlung erhalten.“ Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian zeigte sich im Sender France 3 „äußerst besorgt“ und schloss auch neue Sanktionen gegen Russland nicht aus.

Der russische Botschafter in London erklärte derweil, Russland werde Nawalny nicht im Gefängnis sterben lassen. „Natürlich werden wir nicht zulassen, dass er im Gefängnis stirbt, aber ich kann sagen, dass Herr Nawalny sich wie ein Hooligan verhält“, sagte Andrej Kelin dem Sender BBC am Sonntag. „Er will in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregen, auch dadurch, dass er sagt, heute sei seine linke Hand krank, morgen sein Bein.“

Nawalnys Gesundheitszustand extrem kritisch: Herzstillstand droht- „kann jede Minute sterben“

Update vom 17. April, 19.30 Uhr: Der gesundheitliche Zustand des russischen Regimekritikers Alexej Nawalny ist nach Angaben von mehreren Ärzten extrem kritisch. Dem inhaftierten Nawalny droht demnach ein Herzstillstand. Deshalb forderten am Samstag sowohl Nawalnys persönliche Ärztin Anastasia Wasiljewa als auch drei ihrer Kollegen, unter ihnen ein Herz-Spezialist, Zugang zu ihrem Patienten. Die Mediziner fürchten, dass der Kritiker von Präsident Wladimir Putin „jede Minute“ eine eingeschränkte Nierenfunktion sowie ernsthafte Herzrhythmusprobleme erleiden kann.

In der Regel muss ein Kaliumwert ab 6,0 und höher umgehend medizinisch behandelt werden. Bei Nawalny soll der entsprechende Wert 7,1 betragen. Auch der Kardiologe Jaroslaw Aschichmin ist sehr um Nawalny besorgt, er schrieb bei Facebook: „Unser Patient kann jede Minute sterben.“ Der Arzt verlangte eine umgehende Verlegung Nawalnys auf eine Intensivstation. Eine-Vertraute des Kreml-Kritikers äußerte sich in dem sozialen Netzwerk ähnlich. „Alexej stirbt“, meinte Kira Jarmysch und sprach davon, in Nawalnys aktueller Verfassung sei dies nur noch „eine Frage von Tagen“.

Inzwischen bekam der Inhaftierte auch Unterstützung von prominenter Seite. Über 70 international bekannte Autoren, Künstler und Akademiker, unter ihnen auch Jude Law, Vanessa Redgrave und Benedict Cumberbatch, richteten eine Forderung an Russlands Präsident Putin. Dieser solle eine angemessene medizinische Behandlung für Nawalny garantieren.

Nawalnys Gesundheitszustand bereitet Sorge: Kreml-Gegner hat im Straflager schon 16 Kilo verloren

Erstmeldung vom 14. April: Moskau - Russland droht offenbar mit der Zwangsernährung von Alexej Nawalny*. Der Kreml-Kritiker wurde zur Haft in einem Straflager verurteilt und befindet sich zurzeit im Hungerstreik. Nawalnys Team erklärte am Montag via Twitter, angesichts der „Ernsthaftigkeit“ von dessen Hungerstreik* drohe die Gefängnisverwaltung „täglich“ mit Beginn der Zwangsernährung. Der 44-Jährige war Ende März aus Protest gegen seine Haftbedingungen in einem Straflager in den Hungerstreik getreten und hat seitdem nach Angaben seines Teams stark abgenommen.

Die Unterstützer des Oppositionellen hatten zuletzt über eine weitere Verschlechterung von dessen Gesundheitszustand* berichtet. Nawalny hat demnach Schmerzen im Rücken und Taubheitsgefühle in Beinen und Armen. Mit dem Hungerstreik will er eine professionelle Behandlung durch einen Arzt oder einer Ärztin durchsetzen.

Vergangene Woche hatte Nawalny zudem über Husten und Fieber geklagt und war in die Krankenstation des Lagers verlegt worden. Nach Angaben seines Teams wurde er mittlerweile aber zurück in die Baracken gebracht. Ein Arzt oder eine Ärztin wurde demnach immer noch nicht zu ihm gelassen. Nawalny wiegt laut seinem Team mittlerweile nur noch 77 Kilogramm - zu Beginn seines Hungerstreiks am 31. März hatte er demnach noch 85 Kilogramm gewogen. Schon vor seinem Hungerstreik hatte der 1,89 Meter große Nawalny im Straflager stark an Gewicht verloren. Bei seiner Ankunft in dem Straflager wog er noch 93 Kilogramm.

Nawalnys Anwältin Olga Michailowa gab an, dass eine MRT-Untersuchung zeigte, dass Nawalny unter zwei Bandscheibenvorfällen und einer angeschwollenen Bandscheibe leidet. Seine Unterstützer:innen fordern eine Verlegung in ein Krankenhaus. Der Kreml erklärte, Nawalny stehe keine besondere Behandlung zu. Der Oppositionspolitiker hatte im August des vergangenen Jahres einen Anschlag mit einem Nervengift* aus der Nowitschok-Gruppe überlebt. Nach dem Anschlag, für den Nawalny den Kreml verantwortlich macht, wurde der prominente Kritiker von Staatschef Wladimir Putin* nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er festgenommen.

Putin und Nawalny: Druck auf Oppositionelle wächst - Seine Ärztin muss hohe Geldstrafe bezahlen

Nach ihrer Festnahme vor einem russischen Straflager ist die Ärztin von Kremlgegner Alexej Nawalny zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Anastassija Wassiljewa müsse 180.000 Rubel (umgerechnet fast 2000 Euro) zahlen, teilte Nawalnys Team am Montag auf Twitter mit. Die Medizinerin hatte vergeblich Zugang zu dem erkrankten Oppositionellen gefordert. Mehrere Unterstützer waren danach zu kurzen Haftstrafen verurteilt worden.

Nawalnys Team berichtete zudem, dass zwei Mitarbeiter eines neu eröffneten Büros in der russischen Teilrepublik Dagestan verschwunden seien. In Murmansk im Norden Russlands sei zudem ein Mitarbeiter wegen Verdachts auf Drogenhandel festgenommen worden. Nawalnys Team hat inzwischen eine Kampagne für seine Freilassung gestartet und die größten Proteste in der neueren Geschichte Russland angekündigt. Das Datum für die Proteste soll festgelegt werden, sobald sich 500.000 Unterstützer auf einer Internetseite registriert haben. Bis Montag meldeten sich fast 420.000 Menschen an.

Der Kremlgegner Alexej Nawalny wurde wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Die Entscheidung wurde international scharf verurteilt und löste Massenproteste in Russland aus. Im Februar wurde Nawalny in das Straflager N2 in der Kleinstadt Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau gebracht. Es gilt als eines der härtesten Straflager Russlands*. (dp/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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