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Rede in Davos: Selenskyj sieht „verdeckten Krieg“ Russlands - und „historischen Wendepunkt“

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Von: Cindy Boden

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Russische Delegationen spielen 2022 beim Weltwirtschaftsforum in Davos keine Rolle - Ukrainer umso mehr. Selenskyj sendet einen Appell in die Welt. News-Ticker.

Update vom 23. Mai, 15.25 Uhr: Nach der Auftaktrede von Wolodymyr Selenskyj in Davos (Updates vom 23. Mai, ab 11.24 Uhr) sprach auch der ukrainische Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko. Wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine forderte er eine vollständige Isolation Russlands. „Der Krieg wird solange dauern, wie die Welt Handel mit Russland treibt“, sagte der 46-Jährige in einer Gesprächsrunde beim Weltwirtschaftsforum.

Er forderte zudem einen Ausschluss russischer Athleten von Olympischen Spielen. „Das hat nichts mit der Nationalität oder den Athleten zu tun, aber sie repräsentieren das aggressive Regime Russlands“, sagte er. Zugleich betonte der Ex-Boxer, die Ukraine werde ihren Widerstand nicht aufgeben: „Wir werden solange kämpfen, wie wir leben.“

Sein ebenfalls anwesender Bruder Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, sagte zum erbitterten Widerstand gegen die russischen Angreifer: „Wir Ukrainer verteidigen unsere Kinder, Familien und die Zukunft unserer Kinder - und die russischen Soldaten kämpfen für Geld.“ Russland habe das Land vor drei Monaten überfallen, weil es die Ukraine als Teil des russischen Imperiums sehe. „Glaubt den Russen nicht, sie betrügen immer“, sagte Vitali Klitschko.

Wladimir Klitschko (l.), ehemaliger ukrainischer Profiboxer, und sein Bruder Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew und ebenfalls ehemaliger Profiboxer, sprechen bei einer Podiumsdiskussion während des 51. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos auf der Bühne.
Wladimir Klitschko (l.), ehemaliger ukrainischer Profiboxer, und sein Bruder Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew und ebenfalls ehemaliger Profiboxer, sprechen bei einer Podiumsdiskussion während des 51. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos auf der Bühne. © Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Selenskyj spricht in Davos: Ukraine-Präsident fordert mehr präventives Handeln

Update vom 23. Mai, 12 Uhr: Die Auftaktrede Wolodymyr Selenskyjs war geprägt von einigen Blicken des ukrainischen Präsident über den Ukraine-Krieg hinaus. Er erklärte, was sein Land für den Wiederaufbau brauche und wie ein Weg aussehen könne (Update vom 23. Mai, 11.39 Uhr). Selenskyj griff wie erwartet auch verbal Russland an (Update vom 23. Mai, 11.29 Uhr). Er prangerte aber auch die aktuelle Situation weltweit an - es müsse mehr präventiv gehandelt werden (Update vom 23. Mai, 11.31 Uhr). Weitere Sanktionen müssten folgen, es dürfe nicht auf den Einsatz noch schlimmerer Waffen aus Russland gewartet werden (Update vom 23. Mai, 11.37 Uhr).

Selenskyj in Davos zugeschaltet: Die Rede aus der Ukraine zum Nachlesen

Update vom 23. Mai, 11.59 Uhr: „Der Fall der Ukraine würde eine viel tiefere und breite Krise auslösen“, meint Selenskyj zum Abschluss seiner Rede in Davos. „Wir brauchen ständig Ihre Hilfe, darunter auch finanzielle Hilfe.“ Und: „Wir müssen militärisch gegen die Aggression vorgehen, andererseits müssen wir durch finanzielle Mittel unsere Wirtschaft am Leben halten“, appelliert der ukrainische Präsident. Damit ist die Schalte beendet.

Update vom 23. Mai, 11.53 Uhr: Eine weitere Frage an Selenskyj betrifft die Sorge vor einer großen Lebensmittelkrise in der Welt angesichts des Ukraine-Kriegs. „Zunächst müssen wir die strategische Entscheidung treffen, über die Deblockierung der Schwarzmeer-Häfen“, die von Russland blockiert seien. Außerdem würden die russischen Truppen die ukrainischen Vorräte aus dem Süden des Landes rauben. „Wer eigentlich kauft dieses geraubte Korn?“, fragt Selenskyj. Die Abnahme des geraubten Getreides müsse verhindert werden. Es müssten humanitäre Korridore für die Lebensmittel geschafft werden.

Update vom 23. Mai, 11.48 Uhr: Jeden Tag beginne Selenskyj damit, zu erfahren, „wie viele Menschen wir in der Nacht verloren haben“, antwortet der ukrainische Präsident in Davos auf eine Frage. An einem Fluss seien in dieser Nacht 87 Zivilisten geborgen worden, sagt er. „Ich möchte aber nicht zu viel über die Emotionen reden. Unser Land verliert jeden Tag sehr viel. Das macht uns zugleich aber stärker.“ Dies sei ein „Volkskrieg für unsere Freiheit“. Und: „Wir sind fest überzeugt: Vorne wartet auf uns der Sieg. Wir werden in einem Land wohnen, wo die Gesellschaft und das Volk vereint sind“, hofft Selenskyj.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht per Video-Schalte bei einer Plenarsitzung zur Eröffnung des 51. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zu den Teilnehmern.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht per Video-Schalte bei einer Plenarsitzung zur Eröffnung des 51. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zu den Teilnehmern. © Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Ukraine-Krieg: Selenskyj hält Rede in Davos beim WEF 2022: „Die Welt musste einen großen Preis zahlen“

Update vom 23. Mai, 11.44 Uhr: Der Angriffskrieg Russlands verursache Chaos und Hunger in der Welt. „Wir alle müssen schnell und präventiv vorgehen“, meint Selenskyj bei seiner Rede in Davos zum Weltwirtschaftsforums. „Da sollten wir schon längst gelernt haben, weil die Welt bisher dafür einen großen Preis zahlen musste, indem die Welt nur reagiert und nicht präventiv gehandelt hat.“ Damit bedankt sich Selenskyj für die Aufmerksamkeit, er bekommt Standing Ovations aus Davos.

Update vom 23. Mai, 11.39 Uhr: Selenskyj spricht auch über den Wiederaufbau: „Wir sind bereit, für die internationalen Firmen breite Perspektiven offenzuhalten.“ Er wendet sich an alle Interessenten. „Wir sind bereit zu jeglicher Kooperation. Wir schlagen es den internationalen Partnern vor, eine Partnerschaft über die ganzen Regionen, Städte und Zweige zu übernehmen. Dieses Modell möchten wir in der Nachkriegs-Ukraine anbieten. Darin sehen wir den Schlüssel für den Erfolg des Wiederaufbaus.“

Selenskyj in Davos über Russlands „verdeckten Krieg“

Update vom 23. Mai, 11.37 Uhr: Die Prävention des Krieges wäre eine viel vernünftigere Herangehensweise gegen den Aggressor, meint Selenskyj. „Wir haben Kampfgeist an den Tag gelegt“, sagt Selenskyj zugeschaltet in Davos. Dies habe viel Verwunderung in der Welt hervorgerufen, weiß Selenskyj auch. „Erst jetzt bekommen wir die Sympathien der Welt“, bemängelt Selenskyj aber - obwohl Russland seit 2014 einen „verdeckten Krieg“ geführt habe. Viele Gesellschaften übten den Druck auf ihre Regierungen aus, lobt Selenskyj Bürger verschiedener Länder. „Die Welt ist momentan gespannt, was kommt, was greift, um der Aggression entgegenzuwirken.“ Dies nennt Selenskyj „historischer Wendepunkt“.

Er appelliert: „Warten Sie bitte nicht auf die Anwendung der tödlichen Waffen, chemischen Waffen durch die Russischen Föderation.“ Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Welt sei nicht zum Widerstand fähig. „Wir müssen alle zu den maximal wirksamen Sanktionen greifen. Jeder Aggressor, der ein Nachbarland überfällt, soll sofort und hart bestraft werden“, fordert Selenskyj. Bis jetzt würden solche Sanktionen gegen Russland nicht angewandt. Selenskyj fordert ein Embargo für russische Energieträger.

Update vom 23. Mai, 11.31 Uhr: „Die Geschichte kennt viele Wendepunkte, die zu wichtigen Änderungen der Geschichte beigetragen haben“, blickt Selenskyj in Davos zurück. „Wir wissen schon sehr genau, was ein Aggressor macht, wenn er keinen Widerstand erfährt“, meint der Ukraine-Präsident mit Blick auf die Lehren aus 1938. „Heute haben wir viele Reaktionen auf die Aggression“, sagt Selenskyj. Aber reicht es aus, fragte er hinterher.

Update vom 23. Mai, 11.29 Uhr: Selenskyj bedankt sich für „die große Ehre“, in Davos zugeschaltet sprechen zu dürfen. „Wendepunkt - dieser Ausdruck ist keine bloße rhetorische Figur mehr“, sagt Selenskyj. Die Russische Föderation sei an keiner Diskussion interessiert. „Sie ist darauf eingestellt, die Menschen zu töten.“ Der ukrainische Präsident weiter: „Das ist wirklich erschreckend, was Russland mit sich angestellt hat, indem es zu einem Land der Kriegsverbrecher geworden ist.“

Im Ukraine-Krieg: Selenskyj eröffnet Weltwirtschaftsforum in Davos

Update vom 23. Mai, 11.26 Uhr: Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, begrüßt den Präsidenten der Ukraine. Selenskyj ist auf der Leinwand sitzend an einem Schreibtisch mit verschränkten Armen zu sehen.

Update vom 23. Mai, 11.24 Uhr: Nun ist der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, in Davos zugeschaltet. Er hält die Eröffnungsrede zum WEF 2022.

Update vom 23. Mai, 11.23 Uhr: Die Bühne wird für Selenskyjs Rede vorbereitet. Gleich geht es los.

Update vom 23. Mai, 11.01 Uhr: In wenigen Minuten soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos eröffnen - zugeschaltet. Im Live-Stream war er schon kurz zu sehen, jedoch noch im Gespräch mit jemand anderem. Scheinbar ein Übertragungsfehler. Gleich geht es wohl richtig los.

Ukraine Hauptthema für die Mächtigen: Selenskyj eröffnet Davos – WEF-Präsident will „Marshall-Plan“

Erstmeldung: Davos - Der Ukraine-Krieg überschattet derzeit alle internationalen Treffen - die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) bildet da keine Ausnahme. Die Auftaktrede hält am Montag (23. Mai) entsprechend der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, ab 11.15 Uhr. Er wird digital zugeschaltet.

Kurz danach sind auch noch der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko und sein Bruder Wladimir Klitschko zu Gast, ab 12.30 Uhr. Als Vertreter Deutschlands wird zunächst Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) darüber sprechen, wie Deutschland weniger abhängig von russischer Energie werden will. Kanzler Olaf Scholz (SPD) soll am Donnerstag seinen Auftritt haben.

WEF 2022 in Davos mit Selenskyj: Treffen zur Ukraine, Corona und Klimawandel

Bei dem viertägigen Treffen in den Schweizer Alpen diskutieren fast 2500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über Lösungen für internationale Probleme. Die Tagung steht 2022 unter dem Motto „Geschichte an einem Wendepunkt: Regierungspolitik und Geschäftsstrategien“. Auf der Agenda stehen unter anderem die Folgen des Kriegs auf Lieferketten, Energieversorgung und Nahrungsmittelsicherheit. Weitere weltweite Krisen, die im Fokus des Treffens stehen: die Corona-Pandemie und der Klimawandel.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, wird beim Weltwirtschaftsforum in Davos zugeschaltet (Archivbild)
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, wird beim Weltwirtschaftsforum in Davos zugeschaltet (Archivbild) © Ukraine Presidency/Ukraine Presi/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa

Weltwirtschaftsforum in Davos: „Wir müssen bereits am Wiederaufbau der Ukraine arbeiten“

Auch wenn noch kein unmittelbares Kriegsende in der Ukraine in Sicht ist: Debatten über den Wiederaufbau des Landes laufen. Der Präsident des Weltwirtschaftsforums, Børge Brende, hat daher einen Marshall-Plan gefordert. „Auch ohne Friedensabkommen, das derzeit ja nicht sehr wahrscheinlich ist, müssen wir bereits am Wiederaufbau arbeiten, zumindest in den Gebieten, die unter der Kontrolle der Ukrainer sind“, sagte Brende der Süddeutschen Zeitung. Es gehe um Infrastruktur, Elektrizität, Schulen, Straßen und Brücken. „Wir brauchen einen Marshall-Plan für die Ukraine.“

Mit dem Marshall-Plan, benannt nach dem damaligen US-Außenminister George Marshall, hatten die USA in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau in Westeuropa mit Milliardensummen unterstützt. Die Forderung nach einem solchen Plan wolle er beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos vorantreiben, sagte Brende. „Wir werden dafür auch die Konzernchefs zusammenholen - unter dem Motto ‚CEOs for Ukraine‘.“ Auch der private Sektor müsse beim Wiederaufbau des Landes eine wichtige Rolle spielen.

WEF 2022 in Davos: Bei Jahrestagung keine russische Delegation dabei

Wegen des Krieges wird anders als sonst üblich keine russische Delegation an der Jahrestagung teilnehmen. „Russland wird zurück sein, wenn sie sich wieder an die internationalen Gesetze halten“, kündigte Brende an. Dafür sind zahlreiche ukrainische Politiker und Stiftungen vertreten. Statt des russischen Hauses wird es eine Ausstellung geben, die laut Victor-Pinchuk-Stiftung russische Kriegsverbrechen zeigt. (dpa/cibo)

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