Duell mit Laschet und März

Norbert Röttgen: Der lachende Dritte im Kampf um den CDU-Vorsitz? Auch TV-Star „wirbt“ für ihn

Norbert Röttgen, der lachende Dritte im Kampf um den CDU-Vorsitz? In den Umfragen hat er gegen die anderen Kandidaten Armin Laschet und Friedrich Merz aufgeholt.

Hamm - Als sich ein Trio für den Posten des CDU-Vorsitzenden herauskristallisiert hatte, stellten sich viele im Grunde nur eine Frage: Wird Armin Laschet oder Friedrich Merz der Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer? Doch wenn zwei sich streiten - es ist bekannt, wie solche Geschichten ausgehen. Norbert Röttgen könnte der lachende Dritte werden.

NameNorbert Röttgen
GeborenGeboren: 2. Juli 1965 in Meckenheim
EhefrauEbba Herfs-Röttgen
AmtMitglied des Deutschen Bundestages seit 1994

Norbert Röttgen im Kampf um den CDU-Vorsitz: In Umfragen hinter Friedrich Merz, aber vor Armin Laschet

Anfangs wurde die Kandidatur des gebürtigen Meckenheimers (Nordrhein-Westfalen) für den CDU-Parteivorsitz noch als Ego-Trip eines gescheiterten Ex-Ministers belächelt. Doch inzwischen macht Norbert Röttgen den beiden anderen Vorsitz-Anwärtern Friedrich Merz und Armin Laschet ernsthaft Konkurrenz. In Umfragen hat er sich auf den zweiten Platz vorgearbeitet - hinter Friedrich Merz, aber vor NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der jüngst auch auf einen härteren Corona-Kurs wechselte.

Viele sagen: Der Aufstieg von Norbert Röttgen in den Umfragewerten der Kandidaten für den CDU-Vorsitz sagt auch etwas über die mangelnde Zugkraft seiner Mitbewerber aus. Er spricht aber auch für Röttgens Geschick, die Außenseiter-Position zu seinem Vorteil zu nutzen. Auch bei den Mitgliedern? Röttgen, Merz und Laschet stellen sich ihnen am Montag (14. Dezember) live im Kandidaten-Duell.

Mit diesem Weg dürften wohl nur die allerwenigsten gerechnet haben. Vor acht Jahren wurde der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen aus dem innersten Kreis der CDU verbannt, als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihn brutal aus dem Kabinett warf. Röttgen wurde fast zum Pariah - das verleiht seiner Forderung nach einer Erneuerung der CDU nun eine gewisse Glaubwürdigkeit.

Norbert Röttgen holt in den Umfragen auf: Für welchen Kurs in der CDU steht er eigentlich?

Norbert Röttgen selbst stelle jüngst in der ARD fest: „Die Stimmung hat sich gedreht, es gibt Rückenwind für mich.“ Dieser Rückenwind macht sich derzeit auch dadurch bemerkbar, dass sich inzwischen die ersten Bundestagsabgeordneten der CDU offen für Röttgen als neuen Parteichef aussprechen.

Röttgen könne die CDU „in ihrer ganzen Breite abbilden und hinter sich versammeln - vom Konservativen bis zum Liberalen“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker der Nachrichtenagentur AFP. Die CDU wolle zwar keinen Bruch mit der aktuellen Politik, aber einen „klaren Aufbruch - und diesen Aufbruch verkörpert Norbert Röttgen meiner Meinung nach am nachdrücklichsten“.

Ein „Problem“, das Norbert Röttgen jedoch hat: Keiner weiß, wofür er eigentlich genau steht. Er will sich bewusst keinem CDU-Flügel zurechnen lassen - er steht irgendwo zwischen dem CDU-Liberalen Armin Laschet und dem Konservativen Friedrich Merz. In der Partei hat Norbert Röttgen keine Hausmacht und keine mächtigen Fürsprecher. Was ihm an Rückhalt in der CDU-Spitze fehlt, macht er durch Selbstbewusstsein und mediale Präsenz wett.

Norbert Röttgen will CDU-Vorsitzender werden: TV-Satiriker Jan Böhmermann „wirbt“ mit Song

Diese Präsenz bekam er sogar groß im Fernsehen. ZDF-Satiriker Jan Böhmermann widmete Norbert Röttgen in seiner Show „ZDF Magazin Royale“ (13. November) einen Song und warb quasi für ihn als CDU-Chef - wenn auch natürlich auf satirische Art. „Was er politisch will – ich weiß es nicht. Doch mir gefällt halt sein Gesicht. Dieses Grübchen - schnuckelig. Warum nicht? Warum nicht?“, sang Jan Böhmermann.

Der TV-Star rief ebenfalls das Motto aus: Armin Laschet oder Friedrich Merz - wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Oder wie es Jan Böhmermann sagte: „Wer zuletzt lacht, lacht am Röttgen.“ Oder generell: „Wenn man sich nicht entscheiden kann, dann schleicht sich was sich von hinten an.“

Kaum jemand hätte gedacht, dass es Norbert Röttgen überhaupt so weit schaffen würde angesichts seiner gebrochenen politischen Biografie. Aber die macht ihm zu Kandidaten für den CDU-Vorsitz, der eine Geschichte zu erzählen hat. Und zwar eine Geschichte, in der er Demut zeigen und sein früheres Negativ-Image als streberhafter Einzelkämpfer konterkarieren kann.

Norbert Röttgen: Einst bei der NRW-Wahl krachend gescheiter - und bald CDU-Chef?

„Das Erleben eines Fallens und das Wiederaufstehen bleibt ein biographischer Teil von mir“, sagte Norbert Röttgen, als er im Februar seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz ankündigte. „Und ich würde sogar sagen, dass beides wichtig ist für die Übernahme großer Verantwortung.“

Sein politisches Fallen war gerade zu spektakulär: Kanzlerin Angela Merkel, die am Sonntag (13. Dezember) den harten Lockdown für Deutschland verkündete, entließ ihn 2012 als Bundesumweltminister, nachdem er als CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in NRW ein Debakel erlebt hatte.

Kampf um den CDU-Vorsitz: Der Faktor Zeit spricht für Norbert Röttgen

Das Wiederaufstehen von Norbert Röttgen ging nur langsam vonstatten. Seit 2014 ist er Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags - ein Amt, das ihm in diesen außenpolitisch unruhigen Zeiten Aufmerksamkeit sichert: Röttgen liefert geschliffene Erklärungen für eine erklärungsbedürftige Welt.

Und im Kampf um den CDU-Vorsitz hat Norbert Röttgen aktuell vor allem einen wichtigen Verbündeten: den Faktor Zeit, der ihn den Umfragen gegen die anderen Kandidaten Armin Laschet und Friedrich Merz aufholen lässt. (mit Material von afp)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpa Pool | Christoph Soeder

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