Signal an Russland

Nato-Großmanöver mit 50.000 Soldaten: „Aberwitzig, gefährlich und provokant“?

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US-Marinekorps bei Manöver in Island.

Die Nato will nach der Ukraine-Krise ein klares Signal an Russland senden und lässt rund 50.000 Soldaten in Norwegen trainieren. Schon im Vorfeld gibt es die ersten Zwischenfälle.

Warum übt die Nato wieder in diesem Ausmaß?

Update vom 25. Oktober, 12.38 Uhr

Ziel ist es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Verbündeten Beistand leisten. „Trident Juncture wird die klare Botschaft aussenden, dass wir bereit sind, alle Bündnispartner gegen jegliche Gefahr zu verteidigen“, sagt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Um glaubhaft abschrecken zu können, müsse man die Stärke des Bündnisses zeigen.

Seit wann wird Russland von der Nato wieder als Gefahr gesehen?

Das Jahr der Wende war 2014. Damals begann der von Russland befeuerte Krieg in der Ostukraine, den Russland auch nutzte, um sich die ukrainische Halbinsel Krim einzuverleiben. Seit diesen Ereignissen drängen vor allem östliche Bündnispartner darauf, sich wieder besser für den Bündnisfall zu wappnen. Es könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Russland auch in einem Nato-Land für Unfrieden oder sogar Krieg sorgen könnte, lautet die Argumentation.

Nato-Manöver: Ist diese Gefahr wirklich gegeben?

Das ist umstritten. Während Polen sowie die Ex-Sowjetrepubliken Lettland, Litauen und Estland von einer tatsächlichen Bedrohung ausgehen, sind Deutschland und auch führende Nato-Militärs entspannter. Sie sehen keine Anzeichen dafür, dass Russland einen Angriff auf einen Nato-Staat plant. Um dennoch für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, wird seit 2014 allerdings wieder stark aufgerüstet und wieder deutlich mehr geübt. Russland empfindet das als Provokation, obwohl es selbst zuletzt riesige Manöver abhielt.

Bartsch rügt Nato-Großmanöver

Update vom 25. Oktober, 12.22 Uhr

Der Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat das als Abschreckungssignal an Russland gerichtete Nato-Großmanöver in Nordeuropa scharf kritisiert. „Es ist aberwitzig, gefährlich und provokant gegenüber Russland, im gegenwärtigen Klima das größte Nato-Manöver seit 30 Jahren in Norwegen zu starten“, sagte Bartsch der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). „Die Kriegsgefahr ist so hoch wie lange nicht. Der US-Präsident droht mit nuklearer Aufrüstung gegenüber Russland und China und kündigt Verträge zur nuklearen Abrüstung auf. Wahnsinn!“

Nato startet Großmanöver in Norwegen

Update vom 25. Oktober, 09.13 Uhr

Die Nato hat in der Nacht zum Donnerstag ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges gestartet. Nach Angaben einer Bündnissprecherin übernahm der zuständige US-Admiral James G. Foggo um 0.01 Uhr das Kommando über die rund 50.000 beteiligten Soldaten. Sie werden nun zwei Wochen lang in Norwegen sowie in den umliegenden Luft- und Seegebieten gemeinsam trainieren. 

Nato-Manöver: 50.000 Soldaten, 10.000 Fahrzeuge, 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe

Oslo/Brüssel - Die Nato beginnt an diesem Donnerstag ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges. An der zweiwöchigen Feldübung in Norwegen werden nach jüngsten Angaben des Militärbündnisses 50 000 Soldaten beteiligt sein. Hinzu kommen 10 000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe. Die Bundeswehr ist mit rund 10.000 Soldaten an „Trident Juncture“ beteiligt und damit zweitgrößter Truppensteller nach den USA.

Ziel des Nato-Manövers: Russland abschrecken

Ziel des Manövers ist es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten.

Machtdemonstration und Verteidigungs-Fähigkeit der Nato mit Manöver

„In den vergangenen Jahren hat sich das Sicherheitsumfeld in Europa deutlich verschlechtert“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel. „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir in der Lage sind, jeden Bündnispartner gegen jede Art von Gefahr zu verteidigen.“

Gleichzeitig betonte Stoltenberg erneut, dass sich das Manöver nicht gegen Russland richte. Seinen Angaben zufolge haben Russland und Weißrussland auch die Einladung der Nato angenommen, Beobachter zu „Trident Juncture“ zu schicken.

Nato-Großübung in Norwegen

Nato-Manöver: Bundeswehr übernimmt ab 2019 VJTF-Führung

Dass die Bundeswehr so stark beteiligt ist, liegt vor allem daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato übernehmen soll. Die sogenannte VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) wurde im Zuge der Ukraine-Krise aufgestellt und ist ebenfalls ein Element der Abschreckungsstrategie gegen Russland, der seit 2014 wieder starke Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Damals hatte Russland sichdie ukrainische Halbinsel Krim einverleibt und offensiv damit begonnen, prorussische Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Etliche Nato-Staaten halten ihren großen Nachbarn seitdem für unberechenbar. Dazu tragen auch Russlands Rolle im Syrien-Konflikt sowie vermutete Verstöße gegen den INF-Abrüstungsvertrag über Mittelstreckenwaffen bei.

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Nato-Manöver: Erste Zwischenfälle in Norwegen

Zu ersten Zwischenfällen bei der Übung „Trident Juncture“ kam es unterdessen im norwegischen Straßenverkehr. Die Polizei meldete in der Nacht zu Mittwoch zwei Unfälle bei Glåmos und Jorabrua. In beiden Fällen kollidierten Militärfahrzeuge mit Linienbussen, der Fahrer eines der Busse trug leichte Verletzungen davon. Die Nato teilte zudem mit, dass bei einem Unfall mit vier US-Militärfahrzeugen vier Soldaten verletzt worden seien.

dpa

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