NSU-Prozess

Carsten S. hielt nach Ausstieg still

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Aussteiger Carsten S. legt beim NSU-Prozess weiterhin Wert darauf, sein Gesicht nicht zu zeigen. NSU-Mitglied Beate Zschäpe entkommt den Kameras nicht.

München - Als einziger Angeklagter im NSU-Prozess beantwortet Carsten S. Fragen. Nebenkläger haben die Hoffnung, so Einblicke in rechtsextreme Netzwerke zu bekommen.

Der NSU-Angeklagte Carsten S. hat auch nach seinem Ausstieg die untergetauchten Terroristen gedeckt. „Für mich war klar, dass ich nichts sage“, sagte S. am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Das habe er auch mit dem Mitangeklagten Ralf Wohlleben besprochen, als er sich im Jahr 2000 aus der rechten Szene löste. Der ehemalige NPD-Funktionär Wohlleben hatte Carsten S. nach dem Untertauchen der drei Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zu seinem Mittelsmann gemacht.

Carsten S. hat zugegeben, dem untergetauchten Trio im Auftrag Wohllebens eine Waffe besorgt zu haben - höchstwahrscheinlich jene Pistole der Marke „Ceska“, mit der die Terroristen neun Menschen ermordeten. 33-Jährige betont jedoch, dass er dabei nicht daran gedacht habe, dass die drei damit Morde begehen könnten. Die Bundesanwaltschaft glaubt ihm in diesem Punkt nicht: Carsten S. ist wegen Beihilfe zu neun Morden angeklagt, genauso wie Ralf Wohlleben.

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Am Dienstag setzten die Vertreter der Nebenklage die Befragung von Carsten S. fort. Es ist mittlerweile der sechste Tag, an dem S. befragt wird; als bislang einziger Angeklagter beantwortet er im Prozess Fragen. Angesichts der großen Zahl von etwa 60 Nebenklage-Anwälten zog sich die Vernehmung wiederum über den gesamten Tag. Sie fragten Carsten S. vor allem zu Details seiner Verbindungen in die rechte Szene. Dabei ging es vor allem darum, das Unterstützernetzwerk des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) genauer auszuleuchten.

S. berichtete, er habe noch zu seiner aktiven Zeit in der Neonazi-Szene mit Tino Brandt über den Kontakt zu den Untergetauchten gesprochen. Brandt war V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Nach einem Untersuchungsbericht für die Landesregierung leitete Brandt die Information auch an die Verfassungsschützer weiter. Eine Observation von S. blieb aber ohne Ergebnis.

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

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Vor allem die Geburtstage Brandts „waren immer legendär“, erinnerte sich Carsten S. „Weil er da alles ausgegeben hat.“ Im Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags hatten Zeugen berichtet, Brandt habe insgesamt 200 000 Mark vom Verfassungsschutz erhalten. Nach der Enttarnung Brandts als V-Mann habe er sich keine Gedanken gemacht, was mit den Informationen geschah, sagte S. „Das war völlig uninteressant. Das war vorbei, hinter mir.“

Unterdessen sorgte im bayerischen NSU-Untersuchungsausschuss ein Polizeibeamter für Aufsehen, der das Kürzel „NSU“ schon 2007 bei einer Dienstbesprechung gehört haben will. Allgemein bekanntgeworden war die Abkürzung erst nach Auffliegen der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ im November 2011. Ein anderer Beamter, der damals der Sonderkommission Bosporus angehörte, widersprach der Darstellung - auch in einer direkten Gegenüberstellung mit seinem Kollegen.

Den Terroristen des NSU werden insgesamt zehn Morde zugerechnet, außerdem zwei Sprengstoffanschläge in Köln sowie zahlreiche Banküberfälle. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Taten angeklagt. In der vergangenen Woche hatte die Bundesanwaltschaft auch die Ermittlungen wegen eines Rohrbombenanschlags in Nürnberg im Jahr 1999 übernommen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt deswegen gegen Zschäpe wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Ein 18-Jähriger war von dem Sprengsatz, den er für eine Taschenlampe hielt, schwer verletzt worden. Am Mittwoch wird der NSU-Prozess fortgesetzt - Carsten S. soll weiter befragt werden.

dpa

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