Aussagen in Interview

Eklat im ORF: Böhmermann attackiert Kurz und FPÖ - und kassiert nun eine Anzeige

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Aufgrund eines Interviews im ORF stellte ein Anwalt nun Strafanzeige gegen Jan Böhmermann.

Jan Böhmermann sorgt im ORF einmal mehr für Trubel. Der Sender distanziert sich und erntet entsetzte Reaktionen. Das Interview sorgte jetzt für eine Anzeige.

Update vom 30. Juni: Jan Böhmermann hat sich wieder zu Wort gemeldet. Diesmal geht es aber um die in Italien verhaftete deutsche Kapitänin der „Sea Watch 3“. Der TV-Moderator zeigt sich in einem YouTube-Video bestürzt: „Wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher.“

Update vom 11. Mai: Ein Interview des ORF mit Jan Böhmermann sorgt weiterhin für Aufsehen. Jetzt kassierte der Satiriker eine Anzeige. Eine Wiener Kanzlei zeigte Böhmermann in Wien und Berlin nun wegen des Verdachts der Herabwürdigung des Staates Österreich an, das berichtet derstandard.at. Dabei gehe es nicht um die Tatsache, dass ein deutscher Satiriker acht Millionen Österreicher als debil bezeichnet. Man wolle „ein Zeichen setzen“, heißt es weiter. Personen wie Böhmermann solle darüber hinaus kein Podium gegeben werden. 

Weiter berichtet derstandard.at, dass der Anwalt keiner politischen Partei nahestehen würde. Zudem gebe es keinen Auftraggeber. Warum nun also die Anzeige? Die Äußerungen von Jan Böhmermann hätten den Anwalt persönlich als Österreicher gestört. In der Sachverhaltsdarstellung würde ebenfalls die Anspielung auf Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie ein Vorwurf an Vizekanzler Heinz-Christian Strache aufgeführt werden, heißt es in dem Bericht weiter. Darüber hinaus wurde Böhmermann vom österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner aufs Übelste beleidigt

Böhmermann selbst hat auch schon reagiert. In einem Tweet schreibt er: „Ich habe soeben Strafanzeige gegen komplett Österreich wegen ‚Schwerer Herabwürdigung europäischer Grundwerte und Verbrechen gegen das Ansehen deutschsprachiger Menschen in der Welt‘ erstattet.“

Auch in der aktuellen Ausgabe von „Neo Magazin Royale“ greift Böhmermann das Thema auf. Mehrmals spielte er auf die Distanzierung des ORF an. Zugleich kündigte er an, keine provokanten oder politischen Aussagen über Österreich mehr zu tätigen - samt „Großes Orban-Ehrenwort“, berichtet dwdl.de.

Neuer Eklat im ORF? Böhmermann attackiert Kurz und FPÖ - Sender reagiert irritierend

Wien/Berlin - Just ein Interview mit Satiriker Jan Böhmermann könnte den ORF in neue Schwierigkeiten stürzen - nach der Ausstrahlung des Gesprächs in der Sendung „Kulturmontag“ sorgen sich Beobachter einmal mehr um die Pressefreiheit in Österreich. Am Dienstag befeuerte die Regierungspartei FPÖ den Aufruhr sogar noch.

Der ursprüngliche Grund für die Verwerfungen war dabei vom ORF hausgemacht. Und mutete skurril an: Zwar durfte Böhmermann in dem Interview frei und heftig gegen die österreichische Regierung vom Leder ziehen. Auch versuchte Einflussnahme von Politikern auf die Ausstrahlung ist nicht bekannt. Dafür nahm der Sender allem Anschein nach aus freien Stücken von Böhmermanns Aussagen Abstand.

„Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns“, sagte Moderatorin Clarissa Stadler ohne erkennbare Anzeichen von Ironie nach dem Beitrag. Ein ungewöhnlicher Vorgang: Äußerungen von Interviewpartnern gelten schließlich ohnehin als deren eigene Meinung - mehr als einordnende Worte von Moderatoren sind auch bei polarisierenden Beiträgen im deutschen Sprachraum eher unüblich.

Böhmermann schießt scharf im ORF: „Versicherungsvertreter“ als Kanzler - und „volksverhetztende Scheiße“ vom Vize

Die denkwürdige Distanzierung schließt auf erstaunliche Weise an Böhmermanns Aussagen an. Die Idee Europa bedeute unter anderem, „dass ein Deutscher im österreichischen Fernsehen sagen kann, was er will - so lange es das österreichische Fernsehen noch gibt“, sagte der TV-Satiriker.

Zuvor hatte er Spott und drastische Kritik an die österreichische Regierung gerichtet. „Das ist kein Zustand, dass der Vizekanzler eines Landes wie Österreich sagt, ich hau bei Facebook volksverhetzende Scheiße raus oder geh Journalisten an und hinterher ist das alles Satire“, sagte Böhmermann mit Blick auf den rechtspopulistischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ).

Auch ein 32-jähriger Bundeskanzler sei „nicht normal“, urteilte Böhmermann über Regierungschef Sebastian Kurz (ÖVP) - „Ihren Versicherungsvertreter da, mit dem ganzen Haargel, haben Sie da niemanden besseren? Und dürfen Sie das eigentlich senden, wenn ich das sage?“ 

Die Antwort gaben die Sendungsmacher womöglich mit ihrer Distanzierung. Wenngleich auch ein von ORF oder Böhmermann bewusst provozierter Eklat nicht gänzlich ausgeschlossen scheint. Böhmermann widersprach solchen Vermutungen am Montagabend indirekt allerdings in einem Tweet. „War doch ein Witz/Sahtire, oder?“, fragte er in Bezug auf die Distanzierung des ORF rhetorisch. „Weil, befürchte: nein. Ohgottohgott Österreich, ey.“

Böhmermann im ORF: Der nächste Eklat - Sorge um Pressefreiheit in Österreich 

Im deutschen Nachbarland ist die Frage, was im TV gesagt werden darf, derzeit eine durchaus brisante. Erst vor einigen Tagen hatte Nachrichtenmoderator Armin Wolf den FPÖ-Politiker Harald Vilimsky vor laufender Kamera auf mögliche Ähnlichkeiten zwischen einer Darstellung der FPÖ-Jugend und antisemitischen Bilder im Nazi-Hetzblatt „Stürmer“ angesprochen - und daraufhin von Vilimsky zu hören bekommen, diese Frage könne „nicht ohne Folgen bleiben“.

Auch zu diesem Fall äußerte sich Böhmermann in dem Interview. „Hören Sie auf mit dem Ausgegrenze. Man nennt Menschen nicht Ratten und Ungeziefer, das macht man nicht“, sagte er in Anspielung auf ein umstrittenes Flugblatt der FPÖ. „Und wenn Sie einen Journalisten haben, wie den Armin Wolf im ORF, der sich da hinstellt, dann fragen Sie sich nicht, warum stellt der sich dahin, sondern warum steht der als einziger da!“ 

Wolf selbst teilte Böhmermanns Interview auf Twitter. Zuspruch bekam Böhmermann auch von TV-Talkmasterin Anne Will. Der österreichische Fernsehmoderator Michael Fleischhacker kritisierte hingegen den ORF: „Erst den Spießer Böhmermann quatschen lassen und sich dann von seinen Aussagen distanzieren oder: Dummheit und Feigheit verloben sich.“

Kritik gab es in den sozialen Netzwerken an Böhmermanns Aussage, in Österreich lebten „acht Millionen Debile“ - diese war gleichwohl lediglich eine Replik auf ein von seinem Gesprächspartner angereichtes Zitat des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard, der einst von „6,5 Millionen Debilen“ in Österreich geschrieben hatte.

Wirbel um Böhmermann-Interview: Vilimsky (FPÖ) setzt einen drauf - und fordert Entschuldigung vom ORF-Chef

Insgesamt stellte Böhmermann Österreich - in wie üblich zwischen Sarkasmus und Ernst changierendem Tonfall - gleichwohl eine verheerende Diagnose. Das Land sei „ein Versuchslabor“, in dem mit Chemikalien experimentiert werde, „die man nicht zusammenschütten sollte“. Der Ruf nach „autoritärer Führung“ halle „aus den Bergen bis rüber zu uns nach Deutschland“.

Der Trubel um das bemerkenswerte Interview hat unterdessen am Dienstagnachmittag bereits die nächste Eskalationsstufe erreicht. Just Vilimsky bezeichnete Stadlers Abmoderation in einer Pressemitteilung als „halbherzige Distanzierung“. Er erwarte nun eine „klare Distanzierung“ - vom ORF-Generaldirektor persönlich. Böhmermanns Aussagen hätten „mit künstlerischer Freiheit und Provokation wahrlich nichts mehr zu tun“. Der ORF entwickle sich „zu einer reinen Propagandamaschine von Rot-Grün“.

Zugleich legte Vilimsky nahe, der ORF hätte Böhmermann gar nicht erst Sendezeit gewähren sollen - weil der Satiriker schon in der Vergangenheit mit „grenzwertigen Aussagen“ aufgefallen sei, etwa mit der Rede vom „durchgeknallten österreichischen Kinderkanzler“. 

Bleibt also die Frage, ob tatsächlich ein „Deutscher im österreichischen Fernsehen sagen kann, was er will“.

In einem heimlich aufgezeichneten Video sprach der österreichische Vizekanzler Strache über eine Neuordnung der Medienlandschaft, illegale Parteispenden und Schmutzkampagnen gegen politische Gegner.

Als möglicher Strippenzieher hinter dem Ibiza-Video, das Heinz-Christian Strache zu Fall brachte, wurde auch Jan Böhmermann gehandelt. Der Satiriker hat nun einen Countdown gestartet, der Spekulationen ins Kraut schießen lässt. Mitte Juni erhielt Böhmermann neuen Anlass zum Spott über Kurz - und schien eine Anspielung auf den Eklat um das ORF-Video zu setzen.

fn

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