Sachsen-Anhalt

Rassismus an Schule: Klasse nur aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet

Nach Rassismusvorwurf an Grundschule: Inzwischen wurde die Einteilung rückgängig gemacht.
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Nach Rassismusvorwurf an Grundschule: Inzwischen wurde die Einteilung rückgängig gemacht.

„Rassistisches Desaster“: In Sachsen-Anhalt wird eine erste Klasse nur aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet. Politiker:innen und Verbände sind empört. 

Burg - An einer Grundschule in Sachsen-Anhalt werden Rassismusvorwürfe laut. Hier mussten einige Schülerinnen und Schüler gleich an ihrem ersten Schultag die Erfahrung machen, auf ihre Herkunft reduziert zu werden. Grund: An einer Schule in Burg (Landkreis Jerichower Land) wurde eine erste Klasse nur aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet. Das berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR).

Diesen Vorfall hat das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht und ein „rassistisches Desaster“ genannt. „Unsere Tochter freute sich, mit ihrer besten Freundin in die Schule zu starten“, werden darin Eltern eines betroffenen Mädchens zitiert: „Doch weil unser Kind nicht ‚deutsch genug‘ aussieht, hatte sie dazu nie eine Chance.“ Von der Einteilung der Klassen hätten die Eltern erst bei der Einschulung erfahren.

Rassismusvorwurf an Grundschule: Einteilung rückgängig gemacht

Das Landesschulamt hat die umstrittene Einteilung nach Berichten des ARD*-Senders MDR wieder rückgängig gemacht. Ein Sprecher des Landesschulamts sagte gegenüber dem MDR, die Schule habe „in der Absicht gehandelt, ihre Möglichkeiten zur Sprachförderung bestmöglich und im Sinne der Kinder auszunutzen“. Offenbar sollte ein arabisch sprechender Klassenlehrer für Kinder mit arabischem Migrationshintergrund eingeteilt werden.

Laut dem MDR sprechen viele der betroffenen Kinder gut Deutsch. „Da ist Porzellan zerbrochen worden. Und das ist etwas, das wir nicht schönreden wollen“, gab der Behördensprecher zu. „Die Schule ist vielleicht etwas zu vereinfachend davon ausgegangen, dass die Kinder mehrheitlich einen syrischen oder irakischen Nationalitätenhintergrund haben und ist vielleicht dann zu dem Schluss gekommen, die werden alle Arabisch sprechen.“ Im Gespräch mit dem MDR widersprach er zudem der Darstellung von Lamsa, in den anderen beiden Klassen habe es keine Kinder mit Migrationshintergund gegeben.

Rassismusvorwurf an Grundschule: Vorgehen der Schule kritisiert

Auch Susi Möbbeck (SPD*), Integrationsbeauftragte in Sachsen-Anhalt, kritisierte das Vorgehen der Schule: „Gemeinsames Lernen fördert die Integration in der Schule*. Soweit Sprachförderung erforderlich, erfolgt diese in Sprachfördergruppen oder integrativ. Reine ‚Ausländerklassen‘ widersprechen Integration und stigmatisieren.“ Es bestehe „weiterer Gesprächs- und Bildungsbedarf vor Ort“. Der Schulleitung in Burg sei der Vorfall „regelrecht peinlich“. Offenbar habe man die Sensibilität des Themas falsch eingeschätzt. In Zukunft soll es vor solchen Entscheidungen zur Klassenbildung mehr Kommunikation mit den Eltern geben.

Ein neues Projekt der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt setzt bei der Prävention von Rassismus und Antisemitismus in den Schulen* auf die Jugendhilfe. (ebb) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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