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Kriegs-Proteste in Russland: Konzert-Video massenhaft geteilt - Ermittlungen nach Musiker-Ansprache

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Ukraine-Krieg: Ein Protest-Graffiti mit Hitler, Putin und Stalin an einer Mauer in Danzig in Polen im März 2022.
Anti-Kriegs-Graffiti in Polen: Auch in Russland gibt es Protest gegen die Invasion in die Ukraine. © Mateusz Slodkowski/Imago

Wie die Journalistin Marina Owssjannikowa die russische „Tagesschau“ stürmte, dürfte vielen noch in Erinnerung sein - nicht der einzige russische Protest gegen den Ukraine-Krieg.

St. Petersburg - Mit Anti-Kriegs-Sprechchören haben Besucher eines Konzerts in Russland für Aufsehen gesorgt. In sozialen Netzwerken veröffentlichten viele Nutzer am Wochenende ein kurzes Video, auf dem zu sehen ist, wie Hunderte Menschen vor einer Bühne immer wieder „Scheiß-Krieg, Scheiß-Krieg“ rufen.

Angaben unabhängiger Medien und bekannter Oppositioneller zufolge entstand die Aufnahme bei einem Auftritt der russischen Rockgruppe Kiss-Kiss am vergangenen Freitag in der Ostsee-Metropole St. Petersburg. Auch auf der Bühne steht mit Leuchtbuchstaben „Kiss Kiss“ geschrieben.

Proteste in Russland: Kein Verständnis für „Spezial-Operation“ Ukraine-Krieg

Die Band, die sich in der Vergangenheit bereits gegen Russlands Krieg in der Ukraine positioniert hatte, äußerte sich zunächst nicht. Einige User sorgten sich, dass die Musiker nun möglicherweise juristische Konsequenzen befürchten müssen. In Russland unter Präsident Wladimir Putin wird der Krieg gegen die Ukraine offiziell nur als „militärische Spezial-Operation“ bezeichnet. Wer angebliche „Falschnachrichten“ über Russlands Armee verbreitet, dem drohen hohe Strafen.

Russische Anti-Kriegsproteste: Journalistin unterbricht TV-Nachrichtensendung

Medial eindrücklichster Anti-Putin-Protest im eskalierten Ukraine-Konflikt bislang: Marina Owssjannikowa im Moskauer Staatsfernsehen im März. „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen. Russen sind gegen Krieg“ - mit diesen Sätzen auf einem Transparent hatte die Journalistin damals in den Abendnachrichten „Wremja“ des Ersten Kanals für einen Eklat gesorgt. „Nein zum Krieg!“ rief Owssjannikowa, bevor die Sendung unterbrochen und ein anderer Beitrag eingeblendet wurde.

In der vergangenen Woche wurde in Russlands sozialen Netzwerken bereits ein Video von einem Konzert der Band DDT in der Stadt Ufa am Ural (siehe obiges Video) vielfach geteilt. Es zeigt, wie Frontmann Juri Schewtschuk ins Publikum ruft: „Heimat, meine Freunde, das ist nicht der Arsch des Präsidenten, den man ständig lecken und küssen muss. Die Heimat - das ist die arme Oma am Bahnhof, die Kartoffeln verkauft.“

Von den Konzertbesuchern erntete Schewtschuk dafür Applaus. Später wurde bekannt, dass gegen den Sänger nun Ermittlungen wegen der angeblichen Diskreditierung von Russlands Streitkräften laufen. (dpa/frs)

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