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Senegal-Gas für Deutschland? Heftige Kritik der Grünen an Scholz-Plänen

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Von: Christoph Gschoßmann

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Kanzler Scholz in Afrika
Ein Foto vom Besuch im Mai: Bundeskanzler Olaf Scholz (r., SPD), wird von Macky Sall, Präsident der Republik Senegal, mit militärischen Ehren am Flughafen begrüßt. © Michael Kappeler/dpa

Olaf Scholz will Gas aus dem Senegal für Deutschland. Von den Grünen gibt es Kritik - und auch Umweltschützer stellen sich gegen den Plan.

Berlin/München - Gas aus dem Senegal für Deutschland: Ein Unding für Ricarda Lang. Die Grünen-Vorsitzende lehnt das Projekt von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kategorisch ab. „Für mich ist klar, dass der Fokus nicht auf neuen Gasfeldern liegen darf, sondern darauf, dass wir Transformationsprojekte unterstützen“, sagte Lang dem Tagesspiegel.

Aktuell laufen die Verhandlungen für das Projekt vor der Küste von Senegal und Mauretanien. Scholz hat im Mai das westafrikanische Land bereist. So sagte er damals, es mache Sinn, eine solche Kooperation „intensiv zu verfolgen“. Dies sei ein „gemeinsames Anliegen“, so der Kanzler damals nach einem Gespräch mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall in Dakar.

Gas aus Senegal für Deutschland: Kritik von den Grünen für Kanzler Scholz

Lang ist anderer Meinung: „Vor allem wäre es falsch, sich jetzt aufgrund kurzsichtiger Überlegungen in den langfristigen fossilen Lock-In zu begeben, also in Infrastruktur zu investieren, die ausschließlich für fossile Energieträger genutzt werden kann“. Stattdessen soll der Fokus auf Energiepartnerschaften mit Ländern des globalen Südens den Bau von Solaranlagen vor Ort gerichtet werden. „Es gibt immer noch viele Regionen, in denen die Stromversorgung nicht ausreichend gesichert ist.“ Am Ende könne Deutschland jeden Euro nur einmal ausgeben, erklärte Lang.

Protest von Klimaschützern aus Afrika: „Tut nichts, was ihr nicht auch in eurem Heimatland tun würdet“

Unterstützung erhielt Lang von Klimaschützern - so auch aus Afrika selbst. Aus Protest gegen die Pläne haben afrikanische Aktivisten auf dem Klimagipfel die Bundesrepublik direkt angeprangert. Die deutsche Bundesregierung behaupte zwar, Afrika bei der Wende hin zu Erneuerbaren Energien zu helfen, „aber im Fall von Senegal ist das nicht der Fall“, kritisierte der Gründer von Fridays for Future im Senegal, Yero Sarr, am Mittwoch im ägyptischen Scharm el Scheich. Gemeinsam mit anderen afrikanischen Aktivisten rief er die deutsche Bundesregierung dazu auf, ihr Gasvorhaben in seinem Heimatland zu stoppen. „Man kann nicht Menschen in einem Land retten und dabei Probleme für Menschen in einem anderen Land verursachen.“ Und weiter: „Tut nichts, was ihr nicht auch in eurem Heimatland tun würdet.“

Ähnlich sieht es die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer, die über die Klimakonferenz in Ägypten sagte. „Man kriegt es nicht auf die Kette, in einem Abschlussdokument klarzustellen, dass aus allen fossilen Energieträgern ausgestiegen werden muss. Das sagt ganz schön viel über die Klimakonferenz“, sagte die Fridays-for-Future-Aktivistin der Deutschen Presse-Agentur.

Bundesklimaschutzministerium: „Fossile Energiequellen passen nicht zu Klimazielen“

Auch innerhalb der deutschen Behörden gibt es kritsiche Stimmen zu Scholz‘ Plan. Nach Angaben des Bundesklimaschutzministeriums sind langfristige Investitionen in Gasfelder nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar. Kurzfristig sei es zwar in der aktuellen Lage nötig, neue Importquellen für Flüssiggas zu erschließen, erklärte ein Ministeriumssprecher am Freitag. Es sei aber wichtig, die kurzfristige von der mittel- und langfristigen Betrachtung zu trennen. „Unsere Haltung ist klar, dass langfristige Investitionen von fossilen Energiequellen nicht zu den Klimazielen passen.“ (cg mit dpa)

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