Zivilprozess in Köln

"Sie hat keine Ahnung“ - Peter Kohl geht mit Helmut Kohls Witwe hart ins Gericht

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Peter Kohl, Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers, im Kölner Landgericht.

In einem neuen Prozess um die Veröffentlichung von Zitaten des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl (CDU) hat dessen Sohn Peter die zweite Frau des Ex-Regierungschefs scharf attackiert.

Köln - Maike Kohl-Richter sei "keine Historikerin" und kenne sich nicht aus mit der Geschichte seines Vaters, sagte Peter Kohl am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht. "Sie hat keine Ahnung." Der 54-jährige Sohn des im Juni 2017 verstorbenen Altkanzlers warf Kohl-Richter vor, sie wolle die Deutungshoheit über das politische Vermächtnis seines Vaters erlangen und "auf Ewigkeiten" besetzen. Peter Kohl war als Zeuge in dem Kölner Zivilprozess geladen worden, weil er sich im Juni 2018 im "Zeitmagazin" zur Zusammenarbeit Helmut Kohls mit dessen früherem Biografen und Ghostwriter Heribert Schwan geäußert hatte. 

In der Vergangenheit hatte es schon mehrmals Kritik an Maike Kohl-Richter gegeben. So hatte sich bereits die Witwe des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt (SPD), Brigitte Seebacher, zu Maike Kohl-Richters zu Verhalten nach dem Tod des Altkanzlers geäußert.

Basierend auf Gesprächen mit Helmut Kohl hatte Schwan das Buch "Vermächtnis - Die Kohl-Protokolle" veröffentlicht, das die Justiz bereits seit Jahren beschäftigt. In dem Buch wurden Gerichtsurteilen zufolge nicht autorisierte Zitate von Kohl veröffentlicht, unter anderem drastische Äußerungen über andere Politiker. 

Maike Kohl-Richter, die zweite Frau des verstorbenen Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl.

In dem neuen Zivilverfahren verlangt Maike Kohl-Richter nach Gerichtsangaben unter anderem Auskunft vom Verlag Random House über die Höhe der Gewinne, die mit dem Schwans Buch erzielt wurden. Peter Kohl hatte in dem Interview vor knapp einem Jahr unter anderem gesagt, er habe seinem Vater und Schwan bei deren Gesprächen "einmal zwei Stunden zugehört".

Peter Kohl: Vater hat "maximal offen" geredet

Vor dem Kölner Landgericht bestätigte der 54-Jährige nun seine Angaben in dem Interview. Damals hatte er berichtet, sein Vater habe bei dem Gespräch mit Schwan "maximal offen" geredet, "wie man eben privat spricht". "Aber hier lief ein Tonband mit - ich habe damals versucht, meinen Vater und seinen Anwalt dazu zu bringen, eine entsprechende Vertraulichkeitsvereinbarung mit Herrn Schwan zu schließen." Aber damit habe er sich "leider nicht durchsetzen können".

Zu den zentralen Streitpunkten in den teils noch laufenden Prozessen um das Kohl-Buch zählt die Frage, ob Schwan mit seinen Veröffentlichungen Vertrauensbruch beging. Der Autor und der Verlag bestreiten dies.

Mit Blick auf das nun von Kohl-Richter begonnene neue Verfahren sagte Peter Kohl im Zeugenstand, über die Klage der Kohl-Witwe habe er im Vorfeld "nichts erfahren". Das Kölner Landgericht will am 25. September eine Entscheidung in dem weiteren Zivilverfahren verkünden.

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Am zweiten Todestag des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl hat seine Witwe erklärt, warum sie weiter gegen den früheren Ghostwriter ihres Mannes, Heribert Schwan, klagt - und spricht von Angriffen auf ihren Mann.

AFP

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