Ärger nach Großprotest

Möhrenfeld-Zoff: „Elitär, ignorant, respektlos“ - Klöckner holt gegen Klima-Aktivisten aus

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Nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein

Viele junge Menschen versammelten sich in Nordrhein-Westfalen, um gegen den Tagebau zu protestieren. Dabei zertrampelten sie Felder, was nicht nur einem Bauern sauer aufstieß.

Update vom 25. Juni: Nach Protesten für mehr Klimaschutz im rheinischen Braunkohle-Revier wirft Bundesagrarministerin Julia Klöckner den Demonstranten mangelnde Glaubwürdigkeit vor, weil sie auch über Felder gelaufen sind. „Wer achtlos über Gemüsefelder trampelt, Ernte und damit Eigentum zerstört, der geht respektlos mit Lebensmitteln um, und der hat ein Glaubwürdigkeitsproblem bei seinem Kampf für das Klima“, teilte die CDU-Politikerin am Dienstag mit.

Lebensmittel und damit einen Teil der „Grundlage von Bauern“ zu zerstören, sei „elitäres, ignorantes Verhalten“, sagte Klöckner weiter. „So kann sich nur jemand benehmen, der keine ordentliche Kinderstube hat und die ehrliche, harte Arbeit von Bauern nicht kennt - aber sonst sofort eine Meinung dazu hat.“

Klöckners Ministerium schrieb, sie kritisiere damit „die Ignoranz so genannter Umweltaktivisten“ gegenüber dem Eigentum von Bauernfamilien, da die Demonstranten am Wochenende in Nordrhein-Westfalen Petersilien- und Karottenfelder niedergetrampelt hätten.

Die Initiative „Ende Gelände“ reagierte unter anderem auf Twitter auf ähnliche Vorwürfe. Die Aktivisten seien manchmal „gezwungen“, Feldwege zu verlassen, um der Polizei auszuweichen. Für Schäden auf den Feldern werde man sich entschuldigen und die Bauern entschädigen. „Ende Gelände“ hatte mit Hunderten Teilnehmern am Samstag unter anderem den Tagebau Garzweiler gestürmt.

Aktuell sorgen Klima-Aktivisten in Wolfsburg für Aufsehen: Sie brachten einen Zug vor dem Volkswagen-Werk zum stehen.

Erstmeldung: Klima-Aktivisten zertrampeln Möhrenfeld - Bauer macht seinem Ärger Luft: „Arroganz der urbanen Eliten“

Rommerskirchen - Tausende Aktivisten versammelten sich am Wochenende in Nordrhein-Westfalen, um dort gegen den Kohle-Tagebau zu demonstrieren. Eine Begleiterscheinung des großen Andrangs waren verwüstete Felder. Einer der betroffenen Bauern machte nun seinem Ärger auf Twitter Luft. Willi Kremer-Schillings (64) postete Bilder seines offenbar schwer in Mitleidenschaft gezogenen Grund und Bodens.

Er schrieb: „Wenn 500 ‚Klimaretter‘ ohne Veranlassung quer durch ein Möhrenfeld laufen. Dann die Kommentare: ‚Ihr bekommt doch Subventionen, wird entschädigt, reg dich nicht auf‘. Die Arroganz der urbanen Eliten. Kein Unrechtsbewusstsein. Der Zweck heiligt alles?“

„Ich bin auch für den Klimaschutz, aber ...“

Ihm gehe es nicht um Entschädigung, sondern um Respekt des Eigentums und der Landwirtschaft, schreibt Kremer-Schillings alias „Bauer Willi“ in einem weiteren Tweet. Und der Bild sagte er: „Ich bin auch für Klimaschutz, aber dafür zerstöre ich nicht das Eigentum anderer.“

Der nächste Weg sei nur 300 Meter weiter entfernt, so der promovierte Landwirt. „Da hätten die Aktivisten bequem vorbeigehen können.“ Kremer-Schillings weiter: „Im Vorbeimarsch nach Neurath am Freitag haben sie rund um unseren Hof ihren Müll hinterlassen, haben sich dann noch gefilmt, wie sie quer über das Möhrenfeld latschen. Unfassbar!“

Er postete ein Original-Video des Aktivisten-Bündnisses „Ende Gelände“ und schrieb: „Warum müsst ihr durch den Weizen laufen? Und warum habt ihr das Video von der Durchquerung des Möhrenfeldes gelöscht? Ist da doch die Einsicht gewachsen, dass man Respekt vor Lebensmitteln und der Arbeit der Bauern haben sollte?“

Ein anderes Marsch-Video kommentierte der Bauer so: „Schön, dass ihr euch bemüht, so wenig Schaden wie möglich zu machen. Aber kein Schaden wäre noch schöner.“

„Ende Gelände“ reagiert: „Werden den Schaden begleichen“

Die Sprecherin von „Ende Gelände“, Kathrin Henneberger, kündigte unterdessen an: „Wenn der Landwirt einen Schaden hat, werden wir den begleichen.“

In einem Tweet postete Henneberger ein Foto von den Aufräumaktionen nach dem Protest: „Nach den Blockaden räumen wir auf (...). Alles, was Aktivisten bei der Räumung zurücklassen mussten, wird eingesammelt.“

Der Grünen-Politiker Georg P. Kössler twitterte hierzu: „Ich als Fan der kleinbäuerlichen Landwirtschaft finde kaputte Möhrenfelder nicht gut.“ Aber „Ende Gelände“ werde für den Schaden entschädigen und man solle die Verhältnismäßigkeit betrachten. Außerdem, so Kössler, sei der Klimawandel für Möhren „noch beschissener“.

Einige Aktivisten wiesen auf Twitter außerdem darauf hin, dass in Medien der Eindruck entstünde, andere räumen für sie den Müll nach der Demo weg. Grünen-Parteirat Erk Marquart twitterte, dass acht von der Polizei zugelassene Aufräumer von der Organisation „Ende Gelände“ selbst stammten.

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