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Turbulentes Triell: Scholz im Kreuzfeuer, Laschet in der Klima-Mangel - Baerbock preist „Verbote“

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Von: Florian Naumann

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Das zweite TV-Triell könnte den nächsten Fingerzeig für die Bundestagswahl geben - vor allem für Olaf Scholz und Armin Laschet. Der Ticker.

Update vom 12. September, 23.00 Uhr: Nun liegt die finale Blitz-Umfrage zum zweiten Triell vor: Allen unangenehmen Momenten in der Runde zum Trotz hat offenbar Olaf Scholz die Zuseher am meisten überzeugt. 41 Prozent der Befragten empfanden den SPD-Kandidaten am überzeugendsten, 27 Prozent nannten Armin Laschet, 25 Prozent Annalena Baerbock. Noch deutlicher gestaltet sich der Ausgang bei der Frage nach Kompetenz. Hier machte Scholz mit 49 Prozent das Rennen, Laschet (26 Prozent) und Baerbock (18 Prozent) folgen auf den Plätzen.

Baerbock machte dafür in zwei anderen Kategorien das Rennen: Eine relative Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer fand sie „am sympathischsten“ beziehungsweise schrieb ihr die „größte Tatkraft“ zu. Scholz kann also erneut als Sieger gelten - in der Gesamtbewertung legte der SPD-Mann im Vergleich zur ersten Ausgabe sogar noch leicht zu. In Sachen Sympathie musste er allerdings Baerbock an sich vorbeiziehen lassen. Ein Fazit der Runde lesen Sie im vorangegangenen Update.

Kanzler-Triell bei ARD und ZDF im Fazit: Scholz trotz Merkel-Rhetorik unter Druck - Laschet ändert Strategie bei Schluss-Statement

Pressezentrum des Kanzlertriells: Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet auf einem Bildschirm.
Szene im Pressezentrum des Kanzlertriells: Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet auf einem Bildschirm. © JOHN MACDOUGALL/AFP

Update vom 12. September, 21.55 Uhr: Das zweite Kanzler-Triell ist Geschichte. Die Lage stellte sich tatsächlich etwas anders dar als bei der ersten Ausgabe: Vor allem Olaf Scholz musste mehr aus der Deckung kommen als noch vor Wochenfrist, neue (in Sachen Zoll) und ältere Vorwürfe (Cum-Ex und Wirecard) machten dem SPD-Kanzlerkandidaten durchaus zu schaffen - er musste den eigenen Tonfall deutlich verschärfen, ließ allerdings ansonsten durchaus erneut den Stil der Kanzlerin anklingen. „Jeder kennt mich“, sagte er etwa.

Armin Laschet bemühte sich erneut um Offensive, wirkte dabei womöglich etwas entspannter als im RTL-Triell. Bei einem Angriff auf Scholz verfranste sich Laschet in einer Detailfrage leicht - er sprach Scholz im Streit um mögliche Verfehlungen einer Zollspezialeinheit Kompetenzen zu, die der Finanzminister gar nicht hat. Der Unions-Kandidat musste sich aber hartnäckige Nachfragen beim Thema Klima gefallen lassen und wich dabei wiederholt aus. In seinem Abschlussstatement schien er den Faden Scholz‘ aus dem vorigen Triell aufzugreifen. „Es geht um Sie“, erklärte er den Zusehern. Laschet stellte sich als liberale Variante dar: „Gängelung“ werde es mit ihm nicht geben, er wolle auf „Vertrauen“ setzen.

Annalena Baerbock hatte als Oppositionsvertreterin weniger mit Manöverkritik zu kämpfen. Sie griff auf bekannte Themen zurück: Klima, Kinderarmut, Kohleausstieg. Mehrfach nannte die Grüne ganze Maßnahmenkataloge - und gab sich in einer kuriosen Szene betont fair. Baerbock machte die Moderatoren darauf aufmerksam, dass die Redezeituhr Scholz‘ nach einer abgeschlossenen Fragerunde weiterlief. In einem eher unerwarteten Manöver pries sie offen „Verbote“ als „Innovationstreiber“ in der Autoindustrie.

Größere Fehltritte oder eindeutige rhetorische Coups blieben am Sonntagabend aus. Die Bewertung des Abends ist nun erneut den Zuschauern überlassen. ARD und ZDF haben bereits eine Umfrage mit Stand nach 45 Minuten des Triells veröffentlicht: Als Gewinner scheint der Erhebung zufolge einmal mehr Scholz hervorzugehen - zumindest bis zur Triell-Halbzeit. 34 Prozent der Befragten sahen ihn als Gewinner, 26 Prozent Baerbock; der erneut angriffslustige Laschet überzeugte nur 16 Prozent der Umfrage-Teilnehmer. 22 Prozent der Befragten sahen „keinen Unterschied“ zwischen den Kandidaten.

Triell bei ARD und ZDF: Die Schlussstatements von Laschet, Baerbock und Scholz

Update vom 12. September, 21.49 Uhr: Scholz verweist auch nach diesem Triell auf die Solidarität, die Deutschland in den jüngsten Krisen bewiesen habe. Er wolle sich für „mehr Respekt“ einsetzen. „Das heißt auch, dass diejenigen, die heute wenig verdienen, besser bezahlt werden.“ Es gehe aber auch um Deutschlands industrielle Zukunft. Dafür müsse nun schnell gehandelt werden. „Ich möchte Ihnen dafür als Bundeskanzler dienen.“

Update vom 12. September, 21.48 Uhr: Auch Baerbock stellt sich vor ihr Pult. „Schaffen wir einen echten Aufbruch, oder verharren wir im Weiter-So?“, fragt sie. „Unsere Kinder, unsere Enkel sollten uns nicht fragen müssen, warum habt ihr nichts getan?“. Sie verspricht eine „moderne Regierung, die handelt, bevor es zu spät ist.“

Update vom 12. September, 21.46 Uhr: Zeit für die Schlussstatements. Laschet tritt vor sein Pult. „Es geht um Sie und es geht um Vertrauen“, erklärt er. „Ich garantiere Ihnen, als Bundeskanzler, Sie können mir vertrauen, dass ich Bürokratie abbaue, dass ich nicht gängele“, betont der CDU-Chef. „Ich will ein Bundeskanzler des Vertrauens werden.“

Triell: Steuerstreit zwischen Laschet und den Rot-Grün - „Ganz großes Gerücht“

Update vom 12. September, 21.40 Uhr: Laschet wiederholt auch den bekannten Appell gegen Steuererhöhungen. Scholz geht mit dem Unionsprogramm hart ins Gericht: Die Pläne bedeuteten Kosten von 30 Milliarden Euro Kosten - alleine für Verdiener in der Größenordnung eines Ministergehalts. „Das wird nicht funktionieren“, konstatiert er. Dass Unternehmen aus Steuergründen Deutschland verlassen würden, sei „ein ganz großes Gerücht“, erklärt er auf Nachfrage Illners.

„Steuern sind ja kein Selbstzweck“, erklärt Baerbock. Allerdings sei zu erleben, dass die Reichsten immer reicher und die Ärmsten immer ärmer würden. Zugleich seien viele Investitionen nötig - das müsse man finanzieren. Die Grüne nennt Bekämpfung von Steuerbetrug und Geldwäsche. Einkommensschwache seien zu entlasten, der Einkommensteuersatz für Bestverdiener zu erhöhen. Das betreffe aber Unternehmen gar nicht. Laschets Warnung vor großen Lasten für Unternehmen greife deshalb nicht.

Baerbock spricht zu Laschets Unmut auch für eine Vermögensteuer aus. Der CDU-Chef warnt vor bürokratischem Aufwand bei der Bewertung von Sachwerten. Scholz verweist hingegen auf positive Erfahrungen mit der Steuer - sie sei noch „in der gesamten Ära Kohl erhoben worden“. „Es wird nicht gehen mit Steuergeschenken für Leute, die sehr, sehr gut verdienen“, betont er nochmals.

Update vom 12. September, 21.38 Uhr: Kurz geht es um das Thema Zuwanderung: „Wir laden jeden ein, der einen Beitrag leisten kann, nach Deutschland zu kommen“, betont Laschet, das von Baerbock geforderte Zuwanderungsgesetz gebe es bereits. „Wir sind gegen eine Einwanderung in die Sozialsystem“, fügt der CDU-Chef hinzu.

Renten Thema beim Triell: Laschet wirft Scholz mangelnde „Seriosität“ vor - Baerbock nennt Maßnahmenpaket

Update vom 12. September, 21.31 Uhr: Die Schlagzahl bei den Themenwechseln erhöht sich: In Sachen Rente spricht sich Scholz für Sicherung der Altersvorsorge durch mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze aus. Dabei gehe es auch „um die jungen Leute“. „Wir müssen die Garantie geben, dass es keinen weiteren Anstieg des Renteneintrittsalters gibt“, auch das Rentenniveau müsse gesichert sein.

„Diese Antwort ist nicht seriös. Sie können nicht einem, der heute ins Berufsleben einsteigt, sagen, dass alles so bleibt, wie es ist“, geht Laschet wieder in die Offensive. Man werde ein neues Rentenniveau entwerfen müssen. Ziel sei ein Fonds, der Rentenniveaus sichert, auch die betriebliche Altersvorsorge müsse ausgebaut werden.

„Herr Laschet sagt den ganzen Abend immer ‚Analyse‘ und was in 20 Jahren passieren soll“, moniert Baerbock in ihrer Erwiderung. Der Vorschlag der Grünen sei, die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken - eine Säule dabei sei Fachkräftezuwanderung. Nötig sei zudem ein gesetzlicher Mindestlohn von 12 Euro und eine Anhebung des Arbeitgeberanteils bei den Rentenbeiträgen. Zugleich müsse es Müttern durch Betreuungsangebote ermöglicht werden, Vollzeit zu arbeiten und Selbstständige teilweise in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.

Update vom 12. September, 21.22 Uhr: Mit dem Wohnen geht es weiter: Sie wolle nicht „enteignen“, erklärt Baerbock. Ziel seien Mietpreis-Obergrenzen als Mittel für Städte, die unter explodierenden Mieten leiden. „All das, was da erdacht ist, macht es komplizierter“, kontert Laschet. Nötig seien Anreize zum Bauen. Auch Scholz fordert mehr Bautätigkeit - da das aber Zeit brauche, müssten bei Neuvermietungen die Anstiege der Preise gebremst werden: „Wir streben ein Mietmoratorium an“, erklärt er, Steigerungen solle es möglichst nur noch im Bereich der Inflation geben.

Triell wird turbulent: Laschet und Scholz geraten sich in die Haare - Baerbock sieht Verbote als „Innovationstreiber“

Update vom 12. September, 21.14 Uhr: Das Triell wird lebhafter: Laschet wirft Scholz vor, Inhalte der Union zu übernehmen - und im Bundestag ebenso wie die Grünen Planungserleichterungen zu blockieren. Über gut fünf, sechs Sekunden sprechen beide Kandidaten gleichzeitig. Scholz wirkt geladen, Laschet lächelt in üblicher Facon. Laschet und Union hätten sich noch vor wenigen Monaten beim Thema Strombedarf geirrt, legt der SPD-Kanzlerkandidat nach. Stahlindustrie, Energieversorgung und Planungsrecht werden nun kreuz und quer debattiert. „Ich sage es Ihnen jetzt, damit Sie es wissen: Wir arbeiten an diesem Thema und scheitern am Bürokratismus Ihrer Partei“, erwidert Laschet.

Illner holt Baerbock zurück in die Runde. „Wir müssen früher aus der Kohle aussteigen“, fordert die Grüne-Kanzlerkandidatin. „Wir können doch nicht 17 Jahre weiter so machen, als wäre nichts passiert.“ Auch im Verkehr müsse man „endlich“ auf die Klimaziele kommen. „Jedes Verbot ist auch ein Innovationstreiber“, erklärt Baerbock mit Blick auf die Autoindustrie.

Update vom 12. September, 21.10 Uhr: Auch Scholz kommt beim Klima noch zu Wort: Er spricht sich für einen „moderaten Weg“ bei der CO2-Bepreisung aus. Wie schon im vorigen Triell verweist er auf ein „Industrieprojekt“ - „wir müssen gleich am Anfang der Legislaturperiode, im ersten Jahr, dafür sorgen, dass genügend Strom in Deutschland erzeugt wird“, nur so könnten die notwendigen Veränderungen in der Industrie geschehen. Dafür müssten etwa Windkraftanlagen schneller genehmigt werden. Wer beim Thema Klima nur auf individuelles Handeln verweise, rede den Prozess klein, erklärt Scholz seine Sicht der Dinge.

Triell bei ARD und ZDF: Illner nimmt Laschet beim Klima in die Mangel - CDU-Kandidat will nicht über Kosten sprechen

Update vom 12. September, 21.04 Uhr: Nächster Themawechsel: Köhr fragt Baerbock, warum nicht ein „Klima-Soli“ bewahrt wird. Abschaffen wolle die Union den Solidaritätszuschlag, betont sie. Die Grünen wollten das Geld für den Kampf gegen Kinderarmut verwenden. Allerdings werde auch die Klimapolitik eine gigantische Aufgabe.

Laschet weicht der Frage eher aus: Der Klima-Ereignisse seien seit langem bekannt, erklärt er. Die Reaktion der Bundesregierung sei er aber mit der falschen Priorisierung erfolgt, rügt er Vorgängerin Angela Merkel - zunächst hätte man aus der Kohle-, dann erst aus Atomenergie aussteigen müssen. Er fordert schnellen Ausbau von Energietrassen und eine Modernisierung der Industrie. Illner hakt nach: Die Kassen seien leer, alle Deutschen betroffen, eine politische Leitfigur fehlen - ist die Klima-Herausforderung zu bewältigen? „Wir müssen die jetzt auch mal machen lassen“, sagt Laschet mit Blick auf Umstellungsbemühungen der Wirtschaft. Eine „Dynamik“ müsse entstehen.

Die Moderatorin lässt nicht locker. „Wann sagen sie den Menschen, dass ihr Leben teurer wird?“, erkundigt sie sich mit Blick auf von der GroKo beschlossene Verteuerungen bei der CO2-Bepreisung. Als Weltmarktführer für innovative Produkte gehe der Wandel besser als mit einer Haltung von „es wird als teurer“, erwidert Laschet.

Update vom 12. September, 21.00 Uhr: Laschet darf nicht direkt auf die Digitalisierungs-Schelte antworten. Ihn fordert Illner auf, eine konkrete Lehre aus Corona zu ziehen. Der CDU-Chef entscheidet sich für mehr Autarkie bei der Versorgung etwa mit medizinischen Gütern. Baerbock will zur selben Frage „mit einer Politik Schluss machen, die immer nur auf Sicht fährt und nicht vorausschaut“, sie fordert in solchen Krisenfällen einen zentralen Krisenstab und klare Verantwortlichkeiten. Scholz will den „Gesundheitsdienst“ modernisieren und mit ausreichend Mitarbeitern ausstatten.

Triell: Baerbock nimmt Laschets Union ausgerechnet beim Thema Digitalisierung ins Visier

Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) messen sich zwei Wochen vor der Bundestagswahl im Triell.
Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) messen sich zwei Wochen vor der Bundestagswahl im Triell. © Screenshot ARD

Update vom 12. September, 20.56 Uhr: Baerbock nimmt die Union ausgerechnet bei Laschets Leib- und Magenthema Digitalisierung auf die Hörner: Dass vieles bislang nicht klappe, liege auch daran, dass CDU und CSU das Thema über 16 Jahre „nicht zur absoluten Chefinnen-Sache gemacht“ hätten. Auch beim Mobilfunk- und Glasfaserausbau gebe es massive Versäumnisse. Im Zweifelsfall müsse man diese Probleme nun zur Aufgabe des Staates machen.

Scholz weist die GroKo-Schelte zumindest für seinen Teil zurück: Am Geld liege es nicht, betont der Finanzminister. So stünden 12 Milliarden Euro alleine für Breitbandausbau zur Verfügung. Auf diesem Wege müsse man weiter gehen, etwa bei der Anbindung von Schulen an schnelles Internet.

Update vom 12. September, 20.53 Uhr: Das nächste kleine Kuriosum: Illner konstatiert, die drei Triellanten hätten sich die Redezeit bislang gleichmäßig aufgeteilt. Baerbock weist allerdings darauf hin, dass Olaf Scholz‘ Redezeituhr weiterläuft. „Das geht tatsächlich nicht“, muss die Moderatorin einräumen.

Triell debattiert über Corona: Baerbock denkt an Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen

Update vom 12. September, 20.44 Uhr: Nun geht es um das Thema Corona. Baerbock weist ein Impfpflicht indirekt zurück, betont aber: Wer sich nicht impfen lassen, müsse in Inzidenzgebieten mit Einschränkungen leben. Sie fordert von der GroKo klare Ansagen; die Bundesregierung sei bislang stets auf Sicht gefahren. Scholz wirbt ebenso wie Laschet für Impfungen - und warnt vor schweren Corona-Verläufen und auch -Todesfällen im Kreis der Ungeimpften. Laschet fordert, mit niedrigschwelligen Angeboten und ohne Impfpflicht die Quoten der Immunisierten zu steigern.

Auf Nachfrage zeigt sich Baerbock offen für eine Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen. Diese Lösung sei womöglich besser als erneute Schließungen von Kitas und Schulen, deutet sie an. Sie rügt zudem, dass die Bundesregierung Pflicht-Tests am Arbeitsplatz verhindere, Schulkinder etwa müssten diese Prozedur durchaus über sich ergehen lassen. Scholz erwidert: Mit der Verlängerung der pandemischen Lage sei auch die Grundlage für Tests in Betrieben gelegt worden. Es wäre aber nicht richtig, Arbeitnehmer zu Tests zu verpflichten, meint er.

„Eine absolute Ungleichbehandlung zwischen Erwachsenen und Kindern“ kritisiert Baerbock. Das Testen in Betrieben werde bereits „breitflächig genutzt“, sagt Scholz. Er warnt, Arbeitnehmer könnten bei einer Testpflicht ihre Jobs verlieren.

Triell: Maaßen und Palmer Thema - Baerbock und Laschet lösen Fragen schnell

Update vom 12. September, 20.39 Uhr: Nun erhält Laschet eine kritische Frage - es geht um die Kandidatur Hans-Georg Maaßens. „In der Mitte der Partei steht er nicht“, erklärt der CDU-Chef mit Blick auf den umstrittenen Ex-Verfassungsschutzchef. Der Wahlkreis habe sich aber für Maaßen entschieden, das sei zu akzeptieren. Weiter geht es bei Baerbock - mit der Frage nach Grünen-Enfant-Terrible Boris Palmer. Palmer sei Parteimitglied, sei aber nach einer umstrittenen Äußerung auch einem Parteiverfahren ausgesetzt, erklärt sie. Der Kampf gegen Rassismus habe „absolute Priorität“, betont sie.

Update vom 12. September, 20.32 Uhr: Laschet und Scholz geraten sich erneut in die Haare. Sein CDU-Kontrahent erwecke aus einen „falschen Eindruck“, beklagt sich der SPD-Mann mit Blick auf die Zoll-Razzia. Scholz verteidigt sich erneut mit Maßnahmen der zurückliegenden Jahre - so sei etwa unter seiner Ägide Beratung und Prüfung im Finanzbereich getrennt worden. Laschet überzeugt das nicht: „Das Ergebnis Ihres Tuns ist, dass die Aufsicht versagt hat“, stichelt er mit Blick auf Wirecard. Er habe eine sehr kleine Behörde übernommen und groß gemacht“, kontert Scholz. Der Finanzminister schlägt nun einen ungewohnt scharfen Ton an.

Scholz bleibt aber in der Defensive. Baerbock erkundigt sich nach der Freigabe der Dokumente zu Cum-Ex - zu einer Antwort kommt es allerdings nicht mehr. Moderator Köhr wechselt das Thema.

Triell-Druck für Scholz: SPD-Kandidat gerät mit Zoll, Wirecard und Cum-Ex in die Defensive

Update vom 12. September, 20.26 Uhr: Scholz muss sich auch gleich weiter verteidigen: Vorwürfe wegen der mutmaßlichen Versäumnisse in einer Spezialeinheit des Zolls kontert er mit dem Verweis auf einen laufenden „Modernisierungsprozess“.

„Es ist schon ein Wunder, wie sie selbst in diesem Fall eine solche Schönrednerei an den Tag legen können“, kontert Laschet in recht ruhigem Tonfall. „Sie haben so wenig bei der Geldwäsche aufgeklärt, dass selbst ein Staatsanwalt sagt, ,ich brauche weitere Informationen“, rügt der CDU-Chef. Auch im Fall Wirecard habe Scholz eine mittelbare Verantwortung, die Aufsichtsbehörde habe ihren Job nicht gemacht, Scholz hätte eingreifen müssen. Und auch Cum-Ex bringt Laschet zur Sprache. Scholz müsse Verantwortung übernehmen - so wie es im Kanzleramt von Nöten sei.

Die Moderatoren fragen Baerbock nach ihrer Meinung - die Grüne verzichtet allerdings auf einen direkten Angriff auf Scholz. Das Thema Steuerbetrug und Geldwäsche habe in den vergangenen Jahren nicht absolute Priorität gehabt, moniert sie gleichwohl. Dann legt sie nach: Ein Protokoll zu den Warburg-Treffen Scholz‘ werde derzeit unter Verschluss gehalten, gibt sich Baerbock irritiert.

Triell: Laschet greift direkt Scholz an - Rumpeln im Studio irritiert Baerbock

Update vom 12. September, 20.21 Uhr: Auch Scholz distanziert sich von der Linken. Deutschland müsse auch Entscheidungen für Auslandseinsätze der Bundeswehr treffen können. „Jeder kennt mich, ich werde entlang der Grundsätze handeln“, fügt Scholz hinzu - erneut ein Anklang an Angela Merkel, die einst mit dem Slogan „Sie kennen mich“ warb. Das Wort habe nun der Wähler, sagt der SPD-Kandidat.

Laschet grätscht an dieser Stelle allerdings dazwischen: Die Haltung Scholz‘ sei „unredlich“. Die Bürgerinnen und Bürger wollten die Linke nicht in einer Bundesregierung sehen, Scholz habe zumindest indirekt eine klare Antwort gegeben - und ein Bündnis nicht ausgeschlossen. Der amtierende Vizekanzler erwidert: Die Wahl sei ein „großer demokratischer Moment“. Das Ergebnis vorwegzunehmen sei falsch.

Baerbocks Äußerung endete übrigens buchstäblich mit einem Knall: Im Studio war ein lautes Rumpeln zu hören. Die Grüne quittierte es mit einem Lachen.

Triell live im Ticker: Laschet und Baerbock weichen heikler Start-Frage aus

Update vom 12. September, 20.16 Uhr: Die erste Frage geht an Armin Laschet - würde er auch als Juniorpartner in eine Regierung eintreten, will ARD-Chefredakteur Köhr wissen. „Wir sind nicht bei Regierungsbildungen, sondern wir sind beim Werben für den richtigen Weg“, weicht Laschet aus. „Sie wollen die Frage nicht beantworten“, konstatiert der Moderator. Mit AfD und Linke werde nicht verhandelt, stellt der Unions-Kandidat daraufhin zumindest klar.

Aber auch Baerbock will keine Tendenz zu Bündnissen mit entweder FDP oder Linke erkennen lassen. „Ich habe mich in den letzten Tagen sehr klar geäußert“, erklärt sie, eine politische Veränderung sei nötig. „Ich bin von Herzen Pro-Europäerin“, die Linke habe sich mit ihrer jüngsten Afghanistan-Entscheidung klargemacht, dass sie außenpolitische Verantwortung nicht übernehmen mag. Zugleich wolle man aber mit allen demokratischen Parteien sprechen, alles andere sei „gefährlich“ - zu diesem Kreis gehöre die Linke im Gegensatz zur AfD, stellt Baerbock klar.

Update vom 12. September, 20.14 Uhr: Der Beginn des zweiten Kanzlertriells naht. In wenigen Sekunden beginnt die zweite Runde mit Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne), die Kandidaten stehen schon im Studio bereit - alle wichtigen Aussagen finden Sie hier ab jetzt hier live im Ticker.

Update vom 12. September, 19.20 Uhr: In knapp einer Stunde startet das zweite Kanzler-Triell. Ein mögliches aktuelles Thema zeichnet sich mittlerweile ab: Unions-Kandidat Armin Laschet hat mit einer Frontal-Attacke auf die SPD den Kontrahenten heftig aufgebracht. Möglicherweise wollen die Sozialdemokraten den beim CSU-Parteitag geäußerten Vorwurf nun zur Mobilisierung ihrer Stammwähler nutzen.

Stein des Anstoßes: „In all den Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite - in der Wirtschafts- und Finanzpolitik“, hatte Laschet in seiner Rede in Nürnberg gesagt. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans übte am Sonntag harsche Kritik. „Mit seinem CSU-Parteitagsauftritt hat Armin Laschet aus reiner Panik vor dem Machtverlust der CDU und seinem persönlichen Wahldebakel den Boden des gegenseitigen Respekts der Volksparteien verlassen, die die Bundesrepublik zu dem gemacht haben, was sie ist“, betonte er in der Welt.

Walter-Borjans verwies unter anderem auf die „Konzertierte Aktion“ des SPD-Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller in den 1960er Jahren, in der sich Gewerkschaften, Unternehmen und Politik dem gravierenden Strukturwandel gemeinsam stellten. SPD-Vorstandsmitglied Gustav A. Horn warnte die Union auf Twitter: „Mit seinem haltlosen Satz über die SPD hat Armin Laschet* die Merkel-Strategie in ihr Gegenteil verkehrt. Jetzt gibt es eine asymmetrische Mobilisierung.“

Triell im Ticker: Für Scholz könnte es ungemütlich werden - Laschet muss liefern

Pressekonferenz vor TV-Triell der Kanzlerkandidaten
Maybrit Illner und Oliver Köhr führen am Sonntag durch das zweite TV-Triell mit Scholz, Laschet und Baerbock. © Wolfgang Kumm

Vorbericht: Berlin - Lange ist es her, dass der Ausgang einer Bundestagswahl* so offen schien: Zwei Wochen vor dem Wahltag ringen zumindest SPD und CDU noch um die Rolle als neue (oder alte) Kanzlerpartei. Nun kommt es auf Nuancen und Stimmungen an. Verfolger Armin Laschet (CDU) hat jedenfalls noch zwei Gelegenheiten auf ganz großer Bühne, sein Image zu bessern und den unerwarteten Last-Minute-Platzhirsch Olaf Scholz* (SPD) in Bedrängnis zu bringen.

Zwei TV-Trielle stehen noch an. Nummer 1 geht am heutigen Sonntag bei ARD und ZDF über die Bühne. Wie ist die Ausgangslage vor dem nächsten nationalen Wahl-Fernsehevent? Der Überblick:

Triell bei ARD und ZDF: Olaf Scholz ist Favorit - aber könnte vor Probleme gestellt werden

Olaf Scholz: Das vor Wochen noch Undenkbare scheint Realität zu werden: Der SPD-Vizekanzler steuert als Favorit aufs Kanzleramt auf die Bundestagswahl zu. In den vergangenen Tagen gab es aber erste Warnzeichen für Scholz. In einigen Umfragen holte die Union wieder leicht auf*, auch in der Kanzlerpräferenz der Deutschen büßte Angela Merkels Finanzminister teils spürbar ein. All das ist bislang aber Sorge auf hohem Niveau: Eine Insa-Umfrage sah am Sonntag* die SPD sechs Prozentpunkte vor der Union, auch Scholz Vorsprung in den K-Fragen der Institute ist weiterhin geradezu überwältigend.

Im Triell wird Scholz aber dennoch Kritik kontern müssen. Scheinbar massive Missstände in einer Spezialeinheit des Zoll* werfen kein gutes Licht auf Scholz‘ Ressort - der Zoll ist dem Finanzministerium unterstellt. Zugleich nahmen zuletzt auch die Grünen verstärkt die SPD ins Visier. Baerbock spöttelte bei einem Auftritt in München über Scholz als „Mann der 90er“ mit einer „Politik der 90er“ und prangerte Versäumnisse der Sozialdemokraten beim Kampf gegen Kinderarmut an. Spannend wird, ob Scholz angesichts dieser Stolperfallen seinen merkelhaften Stil auch im zweiten Triell beibehalten kann: „Möglichst wenig bewegen“, schien seine Devise bei der ersten Ausgabe zu lauten.

Triell vor der Bundestagswahl: Laschet will in die Offensive - neuerliche Niederlage wäre fatal

Armin Laschet: Einen bemerkenswert fehlerbehafteten Wahlkampf hat der Unions-Kandidat bis dato geliefert - im Dauer-Störfeuer der CSU*. Und mit einem nicht unbedingt überzeugenden Attacke-Kurs in Triell #1*. Die Wende sollte nun der CSU-Parteitag am Wochenende bringen. Minutenlange Standing Ovations gab es in Nürnberg für Laschet, die CSU-Delegierten zeigten sich auch vor den TV-Kameras überzeugt. Allerdings drängt nun die Zeit. Und ein schlechter Eindruck im TV-Dreikampf könnte Hoffnungen schnell wieder zunichte machen.

Das TV-Triell bei ARD und ZDF

Am Sonntag (12. September) übertragen das Erste und das ZDF ab 20.15 Uhr die zweite große Runde der drei Kanzlerkandidaten. 95 Minuten dauert die Sendung, die Fragen stellen ARD-Chefredakteur Oliver Köhr und ZDF-Talkerin Maybrit Illner*. Die Themen wurden vorab nicht verraten, in Aussicht gestellt dafür aber „Überraschungsmomente“. Auf Einspieler wollen ARD und ZDF verzichten. Möglicherweise wird es um Digitalisierung gehen, dieses Feld hatte RTL bei der ersten Ausgabe außen vor gelassen*.

Der Nordrhein-Westfale setzte zuletzt vor allem auf Kritik an der SPD - und auf Warnungen vor Rot-Rot-Grün. „In all den Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite“, sagte er etwa bei seinem CSU-Auftritt. Die Union stehe hingegen dafür, „Kurs zu halten“. Laschet ging laut Blitzumfragen als Verlierer aus dem ersten Triell hervor. Folge könnte nun eine Strategie-Änderung sein. In jedem Fall muss der Kanzlerkandidat am Sonntag liefern. Anders als im Straßenwahlkampf* kann er bei ARD und ZDF nicht im Hintergrund bleiben.

ARD-ZDF-Triell: Baerbock schon chancenlos? Grüne gibt sich kämpferisch

Annalena Baerbock: Die Grüne wirft sich anders als Laschet weiter voll in den Marktplatz-Wahlkampf - scheint mit ihrer Partei zumindest im Kanzlerrennen aber keine Rolle mehr zu spielen. Der Rückstand auf die SPD vergrößerte sich zuletzt in den Umfragen massiv - eher als um die Merkel-Nachfolge könnte es für Baerbock nun darum gehen, nicht noch hinter die FDP zurückzufallen. Die Kanzlerkandidatin gab sich dennoch kämpferisch. Der taz sagte sie in einem Interview: „Wenn man selbst daran glaubt, ist alles drin.“

In der Umfrage nach dem ersten Triell schnitt Baerbock zwar bei den Sympathiewerten gut ab, blieb bei der Bewertung ihrer Führungsfähigkeiten aber weit hinter Scholz zurück. Ob sich dieses Problem beheben lässt, bleibt abzuwarten. Womöglich steht das Urteil der Wähler diesbezüglich - nach zahlreichen Fehlern und Fehlerchen Baerbocks im Wahlkampf, aber auch massivem persönlichen Gegenwind in Medien und von der Konkurrenz. (fn) Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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