An der Grenze zu Syrien

Türkische Luftwaffe fängt russischen Kampfjet ab

+
Eine russische Mig 35 (Symbolbild). Mit einem russischen Kampfjet gab es einen Zwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze.

Istanbul - Militärischer Zwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze: Ein russischer Kampfjet hat den türkischen Luftraum verletzt. Jets stiegen auf und fingen ihn ab.

Mehrere Zwischenfälle zwischen türkischen und russischen Kampfflugzeugen an der syrischen Grenze haben für weitere Spannungen gesorgt: Am Samstag sei ein russisches Kampfflugzeug abgefangen worden, das in den türkischen Luftraum eingedrungen sei, erklärte das Außenministerium in Ankara am Montag. Am Sonntag habe eine nicht identifizierte Mig-29 zwei türkische Kampfjets "bedrängt". In Palmyra sprengten die Dschihadisten den berühmten Triumphbogen der antiken Oasenstadt.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu warnte, die türkische Luftwaffe werde "selbst einen Vogel abfangen", wenn er den türkischen Luftraum verletze. Das Außenministerium teilte mit, der russische Botschafter in Ankara sei einbestellt worden, um ihm den "scharfen Protest" der Regierung zu übermitteln. Russland wurde vor weiteren solchen Vorfällen gewarnt, andernfalls müsse es selbst die Verantwortung für "nicht gewollte Ereignisse" tragen.

Der türkische Außenminister Feridun Sinirlioglu rief seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow an, um ihm seinen Unmut zu übermitteln. Außerdem wollte er am Nachmittag in Brüssel mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu Gesprächen über Syrien zusammenkommen. Stoltenberg verurteilte die "inakzeptablen" Verletzungen des türkischen Luftraums durch Russland. Er berief die 28 Mitgliedsländer zu einer Dringlichkeitssitzung am Montagnachmittag ein.

Türkei unterstützt Rebellen, Russland Assad

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan war am Montag ebenfalls in Brüssel, um mit EU-Vertretern über das russische Vorgehen in Syrien zu sprechen. Während die Türkei die syrischen Rebellen unterstützt, ist Russland ein enger Verbündeter von Machthaber Baschar al-Assad. Russland fliegt seit Mittwoch an der Seite der syrischen Regierungstruppen Luftangriffe. Bei Erdogans Gesprächen in Brüssel soll es auch um Ansätze zur Lösung der Flüchtlingskrise gehen.

Laut einem "FAZ"-Bericht möchte die EU-Kommission eine verstärkte Kooperation zur Sicherung der türkisch-griechischen Seegrenze in der Ägäis vereinbaren. Abgefangene Flüchtlinge sollen demnach in die Türkei zurückgebracht werden. Im Gegenzug wolle die EU die Aufnahme von 500.000 Flüchtlingen zusagen, hieß es in dem Bericht. Ein EU-Vertreter sagte aber, die Gespräche würden schwierig werden, es werde kaum eine rasche Einigung geben.

Auch am Sonntag setzte Russland seine Luftangriffe in Syrien fort, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Demnach wurden neun Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in den Provinzen Homs, Idlib und Latakia bombardiert. Moskau will nach eigener Darstellung mit den Luftangriffen die Extremisten der IS-Miliz und der Al-Nusra-Front sowie andere "Terroristen" bekämpfen. Der Westen wirft Russland aber vor, vor allem Assad stützen zu wollen.

Die IS-Dschihadisten setzten derweil die Zerstörung der antiken Stätten in Palmyra fort. Nach Angaben der syrischen Altertümerverwaltung sprengten sie am Sonntag den berühmten Triumphbogen der Stadt. Der Direktor der Antikenbehörde, Mamun Abdelkarim, sprach von einer Katastrophe und warnte, dem antiken Palmyra drohe die vollständige Vernichtung.

Die IS-Miliz hatte die zum Weltkulturerbe gehörende antike Stadt Ende Mai erobert. Im August sprengte sie den weltberühmten Baalschamin-Tempel und den Baal-Tempel. Abdelkarim sagte, es handele sich bei den Zerstörungen nicht um "einen ideologischen Akt", sondern um Vergeltung für Niederlagen an der Front. Palmyra könne nur gerettet werden, wenn die internationale Gemeinschaft die syrische Armee bei der Befreiung der Stadt unterstütze.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter, der am Montag zu einer Europareise aufbrach, kritisierte das russische Vorgehen in Syrien. "Russland hat den Bürgerkrieg verschärft und gefährdet eben jene politische Lösung und die künftigen Regierungsstrukturen Syriens, die es nach eigenen Worten bewahren will", sagte Carter. Er hoffe weiterhin, dass Präsident Wladimir Putin einsehe, dass es "eine Verliererstrategie ist, Russland an ein sinkendes Schiff zu binden".

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare