Aussage im TV-Duell

Trump sorgt mit umstrittener Aussage für Begeisterung bei rechter Gruppierung - Jetzt rudert er zurück

Donald Trump, Präsident der USA, gestikuliert beim ersten TV-Duell zur US-Wahl 2020.
+
Donald Trump zeigte sich beim TV-Duell nicht von seiner besten Seite.

Das TV-Duell dürfte für Donald Trump und für Joe Biden nicht den erwünschten Effekt gebracht haben, die Debatte endete in einer Schlammschlacht. Doch eine rechte Gruppierung zeigt sich begeistert.

  • Donald Trump und Joe Biden lieferten sich beim ersten TV-Duell vor den US-Wahlen ein heftiges Wortgefecht.
  • Mit seinen Aussagen befeuerte der US-Präsident offenbar eine rechte Gruppierung (siehe Ursprungsmeldung vom 30. September).
  • Der Sohn von Donald Trump rudert nun zurück - und der US-Präsident unterdessen auch.

Update vom 30. September, 22.45 Uhr: US-Präsident Donald Trump ist nach seinem scharf kritisierten Aufruf an eine rechtsradikale Gruppe, sich „bereit zu halten“(siehe Ursprungsmeldung) zurückgerudert. „Sie müssen sich zurückziehen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen“, sagte Trump am Mittwoch in Washington. Zugleich beteuerte der Präsident, er kenne die gewaltbereite Gruppierung Proud Boys nicht, die er noch am Vorabend namentlich erwähnt hatte: „Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind.“

Trump hatte sich am Dienstagabend direkt an die rechtsradikale Gruppe gewandt: „Proud Boys - haltet euch zurück und haltet euch bereit.“ Der Präsident reagierte damit auf die Frage des Moderators, ob er bereit sei, sich von rassistischen Gruppen zu distanzieren - und löste empörte Reaktionen unter anderem von Bürgerrechtsaktivisten aus. Wofür sich die Proud Boys (Deutsch etwa stolze Jungs oder stolze Kerle) genau „bereit“ halten sollten, ließ Trump offen.

Die am Dienstagabend geäußerten Worte („stand back and stand by“) sind auf Englisch sehr ähnlich zu dem Ausdruck, den Trump am Mittwoch verwendete („stand down“), um rechte Gruppierungen aufzufordern, sich zurückzuziehen und die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen.

Am Rande von Anti-Rassismus-Protesten in den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen - und zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen rechten Gruppierungen und linken Aktivisten unter anderem der antifaschistischen Antifa-Bewegung.

US-Wahl 2020: Trump macht Antifa für Gewalt bei Black-Lives-Matter-Proteste verantwortlich

Trump hat es in den vergangenen Jahren immer wieder abgelehnt, sich klar von rassistischen Gruppierungen zu distanzieren. Am Mittwoch sagte der rechtspopulistische Präsident auf eine entsprechende Journalistenfrage, er habe immer „jede Form davon verurteilt“. Er kritisierte dann aber umgehend wieder die Antifa, die er in den vergangenen Monaten regelmäßig für Gewalt am Rande der Black-Lives-Matter-Proteste* verantwortlich gemacht hat.

Kritiker werfen Trump vor, vor der Präsidentschaftswahl am 3. November gezielt die Spannungen in dem Land zu schüren. Beobachter warnen vor möglicher Gewalt durch rechtsradikale bewaffnete Milizen, sollte der Amtsinhaber die Wahl verlieren und eine Niederlage nicht anerkennen. In Umfragen liegt Trump seit Monaten hinter seinem Herausforderer Biden von den oppositionellen Demokraten.

Trump sorgt mit umstrittener Aussage für Begeisterung bei rechter Gruppierung - Nun rudert sein Sohn zurück

Ursprungsmeldung vom 30. September: Cleveland/USA - Mit unerwartet harten Phrasen überraschten Donald Trump und Joe Biden am Dienstagabend (Ortszeit), aus dem TV-Duell dürfte keiner der beiden als Sieger* hervorgehen. Erste Umfragen zeigen, dass Zuschauer das Verhalten der beiden als „anstrengend" empfunden hatten. Während der Umgangston der beiden Kontrahenten für Aufsehen sorgte, schockiert nun die Reaktion einer rechten Gruppierung. Denn diese feiert nun Donald Trump für seine Aussagen.

TV-Duell: Donald Trump sorgt mit Aussage für Begeisterung bei rechter Gruppierung

Wie die „New York Times“ nun nämlich berichtet, hat eine Aussage von US-Präsident Donald Trump Begeisterung unter den Anhängern der rechten Gruppierung "Proud Boys" ausgelöst. Die „New York Times“ berichtete am Mittwoch, in privaten Kanälen auf sozialen Medien hätten Proud-Boys-Anhänger Trumps Kommentar als „historisch“ gefeiert. In einem Kanal hätten Mitglieder der Gruppe die Aussage des Präsidenten als stillschweigende Billigung ihrer gewalttätigen Taktiken gewertet. In einer weiteren Nachricht heiße es, die Gruppe sehe bereits eine Zunahme der Zahl „neuer Rekruten“.

Trump hatte sich am Dienstagabend in der TV-Debatte mit seinem Herausforderer Joe Biden vor der Präsidentschaftswahl geweigert, rechtsradikale Gruppen zu verurteilen. „Wen soll ich verurteilen?“, fragte er Moderator Chris Wallace. „Proud Boys - haltet euch zurück und haltet euch bereit“, sagte Trump danach („stand down and stand
by“). Trumps Sohn Donald Trump Jr. sagte im Sender CBS, dass sein Vater sich wohl versprochen habe. Die „New York Times“ zitierte Präsidentenberater Jason Miller, der sagte, Trump habe deutlich gemacht, dass die Proud Boys Gewalt beenden sollten.

USA: Donald Trump mit eindeutiger Aussage zu rechter Gruppierung - sein Sohn rudert zurück

Die Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die Proud Boys als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heißt es auf der Seite der ADL. Ihre Anführer wiesen Rassismusvorwürfe aber zurück. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Mehrere Mitglieder seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare