„Wissen, was das letzte Mal passiert ist“

Ukraine-Eskalation? „Aggressives Verhalten“ Russlands - Merkel und Biden reagieren - USA vor Waffen-Lieferung

Die Sorge, das der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erneut eskaliert, ist aktuell groß. Angela Merkel und Joe Biden fordern den Abzug russischer Truppen im Grenzgebiet.

Moskau/Brüssel/Washington, D.C. - Der Start des neuen US-Präsidenten Joe Biden mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin* war nicht gerade freundschaftlich. In einem Interview nannte der Demokrat Putin indirekt einen „Killer“*. Der reagierte in gewohnter Manier mit kurz darauf veröffentlichten Foto-Inszenierungen in Sibirien - und einem „Bleiben Sie gesund!“ Aktuell baut Russland an der Grenze zur Ostukraine eine Drohkulisse auf, die die Nato beunruhigt. Als Reaktion darauf hat Biden dem russischen Machthaber im Ukraine-Konflikt ein Gipfeltreffen in einem Dritt-Land vorgeschlagen - und ihn aufgefordert, die Spannungen zu deeskalieren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist involviert. Am Mittwoch fand eine transatlantische Besprechung via Telefon zwischen Biden und Merkel statt.

„Die Bundeskanzlerin und der Präsident waren sich einig, dass von Russland der Abbau der jüngsten Truppenverstärkungen einzufordern ist, um eine Deeskalation der Situation zu erreichen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert laut Deutscher Presse-Agentur am Mittwochabend im Anschluss an das Merkel-Biden-Telefonat. Über das Gespräch heißt es in einem offiziellen Schreiben des Weißen Hauses folgendes: „Die Staats- und Regierungschefs äußerten sich besorgt über den Aufbau russischer Truppen an den Grenzen der Ukraine und auf der besetzten Krim und bekräftigten ihre Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine.“ Damit stellen sich Angela Merkel und Joe Biden hinter die Nato-Forderung am Mittwoch nach einer Beendigung des russischen Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ostukraine.

Angela Merkel und Joe Biden einig: Forderung an Russland seine Truppen an Grenze von Ukraine abzuziehen

Denn die Sorge vor einer erneuten Eskalation des Ukraine-Konfliktes wächst unter den Nato-Staaten. Die russischen Truppenbewegungen entlang der Grenze zur Ukraine werden als ein „aggressives Verhalten“ seitens Russland gedeutet. Das machte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch nach einer Video-Konferenz der Außen- und Verteidigungsminister der 30 Nato-Staaten in einer Pressekonferenz deutlich. Russland werde aufgerufen, die „Provokation“ umgehend zu beenden, äußerte sich Stoltenberg. US-Verteidigungsminister Antony Blinken gab an, die USA seien „zutiefst besorgt über die Russlands andauernden aggressiven Aktionen“.

Ukraine: Tausende russische Soldaten in Grenzgebiet - Nato-Staaten fordern Deeskalation

Die Vereinigten Staaten schätzen laut dpa, dass Russland zuletzt 15 000 bis 25 000 Soldaten auf die annektierte Halbinsel Krim und in Richtung der ukrainischen Grenze bewegt hat. Warum gerade jetzt - trotz vereinbarter Waffenruhe - die Spannungen wieder zunehmen, wird kontrovers diskutiert. Eine These, die unter anderem bei der Nato vertreten wird, ist, dass Putin testen wolle, wie weit die Unterstützung der Biden-Regierung für die Ukraine gehe. In Moskau hingegen wird, so die Deutsche Presse-Agentur argumentiert, man reagierte nur auf Provokation seitens der Ukraine. Der Truppenaufmarsch an der Grenze wird im Kreml als Übung abgetan.

Nach dem Nato-Gipfel am Mittwoch in Brüssel stellte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, der eigens mit US-Außenminister Antony Blinken nach Brüssel angereist war, der Ukraine außerdem weitere Waffenlieferungen in Aussicht. Die Vereinigten Staaten belieferten das Land seit einiger Zeit mit Ausrüstung und stellen Ausbilder zu Verfügung. In der Pressekonferenz in Brüssel verwies US-Außenminister Antony Blinken darauf, dass der russische Truppenaufmarsch der größte sei seit der Annexion der Krim 2014. „Wir wissen, was das letzte Mal passiert ist“, so Blinken in Brüssel. (aka mir Material von dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini

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