Reisen trotz Corona

Urlaub an Ostern 2021: Corona-Gipfel entscheidet über Reisen

Die Lage lässt kaum Hoffnung auf Reisen an Ostern zu - oder doch? Einige Bundesländer wollen beim Corona-Gipfel über „kontaktarmen Urlaub“ im eigenen Land sprechen.

Update vom 22. März, 8.09 Uhr: Ob in den Osterferien das Konzept „kontaktarmer Urlaub“ erlaubt werden wird, darüber diskutieren Bund und Länder heute ab etwa 14 Uhr beim Corona-Gipfel. Zur Diskussion steht die Möglichkeit, im eigenen Bundesland Urlaub machen zu können.

BundesrepublikDeutschland
Hauptstadt Berlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)

Urlaub an Ostern 2021: Länder wollen kontaktarmes Reisen - heute Entscheidung vom Corona-Gipfel

Update vom 21. März, 18.11 Uhr: Wird trotz dritter Corona-Welle der Osterurlaub 2021 stattfinden können? Vor dem Corona-Gipfel am Montag (22. März) mit Kanzlerin Angela Merkel haben die einige Bundesländer einen Beschlussentwurf ausgearbeitet. Darin enthalten: die Möglichkeit, „kontaktarmen Urlaub“ im eigenen Bundesland machen zu können. „Kontaktarm“ heißt in diesem Falle etwa Urlaub in Ferienwohnungen oder Wohnmobilen, also Beherbergungen, bei denen man eigene sanitäre Anlagen nutzen und Essen über Selbstversorgung organisieren kann. Der Vorschlag soll wohl maßgeblich von den drei Küstenländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig Holstein und Niedersachsen kommen.

Voraussetzung für einen solchen Urlaub im eigenen Land wäre dem Vorschlag zufolge ein negativer Antigen-Test kurz vor der Anreise. „Weitere Bedingungen wie Hygienekonzepte und Kapazitätsbeschränkungen wären auf Landesebene zu treffen“, hieß es.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erklärte dazu: „Wir sind der Meinung, dass zu Ostern wenigstens Urlaub im eigenen Bundesland möglich sein sollte. Wer beispielsweise von Rostock nach Rügen fährt und mit seiner Familie die Ostertage in einem Ferienhaus verbringt, ist keinen zusätzlichen Ansteckungsgefahren ausgesetzt.“ Zugleich sei das auch ein Signal an die Branche, „dass wir den Tourismus Schritt für Schritt wieder hochfahren wollen.“

Urlaub an Ostern 2021: Zwei Bundesländer wollen Reisen erlauben

[Erstmeldung] Hamm - Besteht Hoffnung auf den Osterurlaub 2021? Während noch über die Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca gestritten wird, hat ein Ministerpräsident angekündigt, in seinem Bundesland rechtzeitig vor den Feiertagen Ferienunterkünfte wieder öffnen zu wollen - trotz steigender Infektionen mit dem Coronavirus. Der Druck, auch innerhalb Deutschlands das Reisen wieder zu ermöglichen, wächst wenige Tage vor den neuen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern. (News zum Coronavirus)

Rainer Haseloff will den Ausgang der Verhandlungen nicht abwarten. Der Landeschef von Sachsen-Anhalt will seinen Bürgern das Reisen innerhalb des eigenen Bundeslandes wieder erlauben. Zur Begründung führt der CDU-Politiker in der Bild an, dass es doch nicht zu erklären sei, „warum der gleiche Hausstand, der ohnehin zusammenwohnt, sich nicht mit den Kindern ins Auto setzen und in eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland fahren darf“.

Der Ministerpräsident will deshalb Reisen und auch das Buchen von Unterkünften innerhalb Sachsen-Anhalts erlauben. Auch mit dem Wohnwagen soll der Urlaub dann möglich sein.

Auch Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hält Öffnungen für möglich. „Dass jetzt wieder der Mallorca-Urlaub sozusagen dem Urlaub im eigenen Land aus epidemiologischen Gründen vorgezogen wird, das versteht niemand“, sagte sie am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Schwesig sprach von „kontaktlosem Urlaub“ - und meint damit für die Menschen im eigenen Land den Urlaub in der Ferienwohnung oder im Ferienhaus.

Urlaub an Ostern 2021: Urlaub auf Mallorca ohne Quarantäne- und Testpflicht

Losgetreten wurde die Debatte mit der Streichung unter anderem von Mallorca von der Liste der Corona-Risikogebiete. Damit ist seit Sonntag der Urlaub auf der Insel im Mittelmeer wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich. „Die gegenwärtige Lage spricht für Rostock und gegen Mallorca“, betonte SPD-Politikerin Schwesig. Schon im vergangenen Jahr habe man schlechte Erfahrungen mit Auslandsreisen in Zeiten von Corona gemacht.

Widerspruch erhalten die beiden Landeschefs von dem Essener Virologen Ulf Dittmer. Er hält auch innerdeutsche Urlaube noch nicht für vertretbar. „Virusverbreitung und Infektionszahlen haben etwas mit Mobilität zu tun. Und natürlich würde das die Mobilität erhöhen“, sagte er der dpa. Reisen ins Ausland sieht er noch kritischer - mit einer Ausnahme: „Über Ostern haben wir in den allermeisten Ländern außer Israel keine stabile Lage“, sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Essen. Auch die Lage auf den Balearen halte er nicht für stabil. Dittmer: „Ich würde es jetzt nicht tun über Ostern.“

Reisen an Ostern 2021: Virologe warnt vor Osterurlaub

Er sehe mehrere Risiken: „Dass man sich infiziert und dort ins Krankenhaus muss oder dass man von Gegenmaßnahmen wie Quarantäne betroffen ist oder wieder Flüge ausfallen“.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Verzicht auf Reisen einen wichtigen Aspekt in der Pandemiebekämpfung genannt. „Die beiden Mutationen, die vor der Haustüre warten, sind deutlich gefährlicher,“ so Lauterbach, der sich auch für einen sofortigen Lockdown aussprach. Er plädierte dafür, Reiserückkehrer zu testen - ungeachtet möglicherweise aufgehobener Reisewarnungen.

Osterurlaub 2021: Fast ein Drittel gegen Aufhebung von Beschränkungen für Mallorca

Dittmer und Lauterbach wähnen sich in guter Gesellschaft: Fast zwei Drittel der Deutschen halten die Aufhebung der Reisebeschränkungen für Mallorca für falsch. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Demnach lehnten 65 Prozent die von der Bundesregierung beschlossene Aufhebung der Quarantäne und Testpflicht für Rückkehrer von der spanischen Ferieninsel ab. Nur 22 Prozent halten diesen Schritt für richtig. 12 Prozent machten keine Angaben.

Der Boom bei den Buchungen für die Lieblingsinsel der Deutschen hält unterdessen an. DER Touristik meldete, dass sich die Zahlen in der Woche seit der Regierungsentscheidung verachtfacht hätten. „Die Nachfrage nach Mallorca-Urlaub ist seit der Öffnung immens hoch.“

Urlaub an Ostern 2021 - Bosbach: „Entscheidend ist Inzidenzwert im Zielland“

Wolfgang Bosbach, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter, verteidigt die Mallorca-Reisen. „Wenn das Robert-Koch-Institut Mallorca nicht mehr als Risikogebiet einstuft, dann ist das in der Sache richtig, denn entscheidend ist nicht der Inzidenzwert bei uns in Deutschland, sondern im jeweiligen Zielland“, sagte er im Podcast „Die Wochentester“. „Man kann ja nicht ein Land zum Risikogebiet erklären, das faktisch kein Risikogebiet ist.“ Es läge an den Touristen, ob diese vernünftig seien: „Ich kann mich in Deutschland in ein Gebiet mit hoher Inzidenz stürzen und mich dort unvernünftig verhalten. Ich kann auch nach Mallorca fliegen und mich dort vernünftig verhalten“, erklärte Bosbach im Gespräch mit seinem Co-Moderator Christian Rach.

Er könne allerdings nachvollziehen, dass der Corona-Frust in der deutschen Tourismusbranche hoch sei: „Dass Mallorca erlaubt ist, Urlaub in Deutschland aber nicht, das müssen unsere Hoteliers als ungerecht empfinden.“ Bosbach kritisiert außerdem die Hygiene-Schutzmaßnahmen an den Flughäfen: „Ich begreife nur nicht, warum beim Aussteigen aus dem Flugzeug strikte Disziplin verlangt wird und man sich dann Nase an Nase in den Flughafenbus quetschen muss. Während die Fluggastbrücken langsam, aber sicher, Spinnweben ansetzen.“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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