Katholiken und Evangelikale entscheidend

US-Wahl 2020: Religion als Schlüssel zum Weißen Haus - verliert Trump nun wegen dieser Glaubensgruppe?

Donald Trump posiert mit einer Bibel und Joe Biden betet in einer Kirche.
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Donald Trump oder Joe Biden? Wer entscheidet die 59. US-Wahl für sich? Einen entscheidenden Anteil am Ausgang scheint die Religion zu haben.

US-Wahl 2020: Religion entwickelt sich immer mehr zum Zünglein an der Waage in Sachen Wahlausgang. Trump musste bereits eine erste Niederlage hinnehmen.

  • Am 3. November findet die 59. US-Präsidentschaftswahl* statt.
  • Die Religionszugehörigkeit entwickelt sich zu einem entscheidenden Faktor.
  • Donald Trump* kann auf die Evangelikalen setzen, Herausforderer Joe Biden* weiß die Mehrheit der Katholiken hinter sich.

Washington - Die Tage bis zur US-Wahl werden immer weniger. Donald Trump und Herausforderer Joe Biden bleiben nicht mehr viel Zeit, die Gunst der Wähler zu gewinnen. Laut aktuellen Umfragen liegt Biden vor Trump, allerdings nicht mehr so deutlich wie noch in der Vorwoche. Der Demokrat kann im Moment fünf Prozentpunkte mehr an Stimmen für sich beanspruchen - ein Fingerzeig mit Ausrufezeichen, aber freilich noch keine Entscheidung.

Interessant sind die derzeitigen Umfragewerte derweil, wenn man auf die Religionszugehörigkeit der potenziellen Wählerschaft blickt. Biden scheint sich der Unterstützung des katholischen Lagers sicher sein zu können, während Trumps Hoffnungen vor allem auf den Evangelikalen, einer bevölkerungsstarken Richtung innerhalb des Protestantismus, ruhen.

US-Wahl 2020: Kehrtwende bei den Katholiken - Mehrheit vertraut auf Biden

Biden selbst ist praktizierender Katholik - und kann sich offenbar auf den Support seiner Glaubensgemeinschaft verlassen. Laut einer Umfrage im Auftrag des katholischen TV-Senders EWTN liegt der 77-Jährige bei Katholiken satte zwölf Prozentpunkte vor Trump. Dabei ist die gläubige Bevölkerung doch eher das Metier des Republikaners. 2016 hatte sich Trump noch die Mehrheit der katholischen Wählerschaft sichern können.

Vielleicht auch deshalb versucht er nun, seinen Widersacher zu diffamieren, wenn er behauptet, Biden habe keinen Respekt vor Gott und der Bibel. Im Swing-State Ohio*, wo der Vorsprung Bidens auch bei den Katholiken weniger klar ist, polterte Trump im August: „Er will euch die Waffen wegnehmen, den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung (das Recht, Waffen zu tragen, d. Red.) zerstören, keine Religion, kein gar nichts, die Bibel verletzen und Gott verletzen.“ Biden ließ sich den Frontalangriff nicht gefallen und erklärte, der Glaube sei der „Grundpfeiler meines Lebens.“ Besonders nach dem Tod seines Sohnes Beau, der 2015 an den Folgen eines Hirntumors starb, habe ihm Religion Kraft gegeben.

Joe Biden bei einer Veranstaltung im Jahr 2009. Neben ihm stehen seine beiden Söhne Hunter (l) und der mittlerweile verstorbene Beau.

US-Wahl 2020: Evangelikale vertrauen auf Trump - der setzt alles daran, damit dies so bleibt

Die Katholiken stellen insgesamt rund ein Fünftel der Wahlberechtigten und könnten somit zu einem entscheidenden Wahlfaktor avancieren, auch wenn es mit den Protestanten eine noch größere Religionsgruppe im Land gibt. Vor allem die radikaleren Evangelikalen, die ein sehr bibeltreues Leben führen, können für den Wahlausgang ausschlaggebend sein. Das hat sich 2016 gezeigt, als fast die Hälfte von Trumps Wählern aus diesem Bereich kam.

Seit 2007 ist ihr Anteil in der US-Bevölkerung von etwa 26 auf etwa 19 Prozent gesunken. Das entspricht aber immer noch der Größe des Katholizismus in den USA und bedeutet einen entscheidenden Faktor in puncto Wahlausgang, denn Trump kann sich der Stimme der Evangelikalen fast schon sicher sein. 2016 stimmten mehr als drei Viertel dieser Gruppe für ihn.

Das liegt zum einen daran, dass diese konservativ eingestellten Menschen traditionell ohnehin Republikaner* wählen. Ferner hat Trump aber auch einiges dafür getan, dass sie Gefallen an seiner Person finden. Strategisch klug zeigt er sich betend im Oval Office*, posiert mit einer Bibel oder erscheint als erster US-Präsident bei einer Parade von Abtreibungsgegnern.

Zeichen des Glaubens oder geglückte Inszenierung? Trump hält eine Bibel demonstrativ in die Kamera. Zuvor ließ er den Weg zur St. John‘s Episcopal Church in Washington räumen. Er war wegen der Black-Lives-Matter-Proteste in den USA blockiert.

Zudem hat er schlicht die aus evangelikaler Sicht richtigen Leute um sich: Den ultrakonservativen Vizepräsident Mike Pence* zum Beispiel oder diverse einflussreiche evangelikale Priester, die für ihn Stimmung machen - obwohl ein zweifach geschiedener Spielkasino-Unternehmer doch nicht wirklich zu einem bibeltreuen Leben passt.

US-Wahl 2020: Entscheidender Nachteil für Trump? Schwarze Evangelikale für Biden

Alles in allem scheint Religion einmal mehr einen Schlüsselfaktor beim Wahlausgang zu spielen. Trump muss es sehr schmerzen, die Mehrheit der Katholiken an Biden verloren zu haben. Doch dafür ist sein Zuspruch bei den Evangelikalen größer als Bidens bei den Katholiken. Interessant ist allerdings, dass es zwischen den Evangelikalen offenbar Unterschiede gibt, wie LifeWay Research herausgefunden hat. Satte 79 Prozent der weißen Evangelikalen wollen demnach Trump ihre Stimme geben, in der schwarzen Glaubensgruppe sind es gerade mal 19. Entscheiden sie die Wahl? Es bleibt spannend. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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