Unter Druck

Wahlkampfauftakt in Großbritannien: Antisemitismus-Vorwürfe gegen Labour-Boss Corbyn

Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn hat zum Wahlkampfauftakt mit dem Rücktritt seines Stellvertreters sowie massiven Antisemitismus-Vorwürfen zu kämpfen.

  • Großbritannien wählt am 12. Dezember ein neues Parlament.
  • Zum Wahlkampfauftakt steht Oppositionsführer Jeremy Corbyn unter Druck.
  • Gegen ihn werden Antisemitismus-Vorwürfe erhoben.

London - Labour-Chef Jeremy Corbyn steht schon beim Wahlkampfauftakt mächtig unter Druck. Der stellvertretende Labour-Vorsitzende Tom Watson, der als erklärter Verfechter eines Verbleibs des Königreiches in der Europäischen Union gilt, erklärte am Mittwochabend überraschend seinen Rücktritt. Am Donnerstag bezweifelte dann der frühere Labour-Minister Ian Austin die Eignung Corbyns als Premierminister und warf ihm Antisemitismus vor. Zudem rief der "Jewish Chronicle", der als Sprachrohr der jüdischen Gemeinde in Großbritannien gilt, dazu auf, Corbyn die Stimme zu verweigern.

Corbyn vor Großbritannien-Wahl unter Druck: Watson tritt zurück

Watson erklärte zu seinem Rücktritt: "Diese Entscheidung ist persönlich, nicht politisch." Allerdings wurde angesichts des Zeitpunkts exakt zum Wahlkampfauftakt allgemein von einer gezielten Attacke gegen den Parteichef ausgegangen. Watson will Großbritannien unbedingt in der EU halten und liegt damit nicht auf einer Linie mit Corbyn, der sich im Brexit-Streit nicht auf eine Position festlegen will.

Im September war der moderate Watson auf dem Labour-Parteitag nur knapp einer von Corbyn-Vertrauten angestrebten Entmachtung entgangen. Der dem linken Flügel angehörende Parteichef versicherte damals, er habe im Vorfeld nichts von dem Manöver seiner Vertrauten gewusst.

Corbyn vor Großbritannien-Wahl unter Druck:

Am Donnerstag dann riet Ex-Minister Austin davon ab, die Labour-Partei zu wählen. Stattdessen sollten die Wähler der konservativen Tory-Partei ihre Stimme geben. Zur Begründung führte Austin an, dass Corbyn "unfähig" sei, das Amt des Premierministers auszuüben. Er verwies in der BBC vor allem auf den "Antisemitismus, der die Partei unter der Führung von Jeremy Corbyn vergiftet hat".

Ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte der "Jewish Chronicle" im Internet einen äußerst seltenen Aufruf an nicht-jüdische Leser. Darin werden diese aufgefordert, mit ihrer Stimme ein Zeichen gegen "Rassismus" zu setzen - und nicht Corbyn zu wählen. Laut einer vom "Jewish Chronicle" zitierten Umfrage glauben 87 Prozent der in Großbritannien lebenden Juden, dass Corbyn antisemitische Überzeugungen habe.

In der Labour-Partei wird seit Monaten über Antisemitismus in den eigenen Reihen debattiert. Corbyn hatte im vergangenen Jahr eingeräumt, dass Labour ein "echtes Problem" mit Antisemitismus habe. Dem Palästina-Aktivisten wurde auch selbst immer wieder Antisemitismus vorgeworfen.

Zudem schmiedeten drei kleinere Pro-EU-Parteien eine Allianz für die anstehende Parlamentswahl in Großbritannien.

afp

Rubriklistenbild: © dpa / Jacob King

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