Umfrage erfreut SPÖ

Turbulente Corona-Wahl in Wien: FPÖ und Strache vor Debakel - ÖVP in „groteskem“ Streit um „Hitler-Vergleich“

Heinz-Christian Strache, Ex-FPÖ-Chef und Vorsitzender der Partei "Team HC Strache - Allianz für Österreich" im Wahlkampf in Wien.
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Heinz-Christian Strache, Ex-FPÖ-Chef und Vorsitzender der Partei «Team HC Strache - Allianz für Österreich» im Wahlkampf in Wien.

Im Corona-Hotspot Wien wird im Oktober gewählt. Der Wahlkampf ist turbulent. Den Rechtspopulisten droht ein Debakel - die ÖVP hat sich mit einem Streit um einen „Hitler-Vergleich" in Nöte gebracht.

Wien - Österreichs Hauptstadt erlebte zuletzt turbulente Tage - Wien wurde Corona-Hotspot. Auch aus Deutschland gab es eine Reisewarnung. Die Metropole steckt aber auch in einem teils heftig geführten Wahlkampf: Am 11. Oktober wird der Landtag neu bestimmt.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht auch die Frage, wie die Rechtspopulisten abschneiden werden: 2015 hatte die FPÖ mehr als 30 Prozent erreicht - lange vor dem Ibiza-Skandal. Diesmal bekommt die Partei auch noch Konkurrenz aus dem eigenen Lager: Der hochumstrittene Heinz-Christian „H.C.“ Strache tritt mit einer eigenen Liste unter dem kuriosen Kürzel „THC“ an. Letzte Umfragen deuten nun aber auf ein fundamental anderes Ergebnis als beim bislang letzten Wahlgang hin.

Wien-Wahl: FPÖ droht ebenso wie Strache Debakel - SPÖ unangefochten vorne

Eine Erhebung des Blattes heute und des TV-Senders ATV sehen die SPÖ in ihrer alten Hochburg allein auf weiter Flur - und zwar an der Spitze der Wählergunst. 42 Prozent haben die Sozialdemokraten in der Sonntagsfrage erhalten. Freuen dürfte sich auch Sebastian Kurz' ÖVP, die immerhin, wenn auch weit abgeschlagen, auf 19 Prozent kommt. 2015 hatte die Partei nicht mal die 10-Prozent-Marke geknackt.

Verheerend sind die Aussichten hingegen für die FPÖ und auch für Strache. Das Ergebnis ersterer könnte nahezu pulverisiert werden: 9 Prozent würden die Rechtspopulisten wählen, würde die Wahl schon jetzt stattfinden. Strache könnte trotz großer Marketing-Maschinerie gar an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern: 4 Prozent lautete das Ergebnis in der heute-ATV-Erhebung. Gewinner könnten auch die Grünen werden. 15 Prozent wurden für sie gemessen.

Umfrage zur Wahl in Wien: Viele Unentschlossene - aber kaum „Potenziale“ für Strache

In Stein gemeißelt sieht der Meinungsforscher Peter Hajek laut heute.at die Zahlen nicht: Rund 130.000 Wähler seien noch unentschlossen - zudem sei die Umfrage keine Prognose, sondern stelle wie üblich die Stimmung zum Erhebungszeitpunkt dar.

Strache, räumt Hajek ein, sei am schwersten einzuschätzen. Chancen auf den Einzug ins Wiener Parlament gebe es durchaus. Große Überraschungen seien aber wohl nicht mehr drin. „Bei den Unentschlossenen gibt es fast keine Potenziale für das Team Strache“, betonte Hajek.

H.C. Strache vor Wien-Wahl wieder in der Kritik - Reinigungskraft auf Parteikosten engagiert?

Zudem bereitet dem skandalumwittertem Strache schon die nächste Affäre Probleme. Laut einem Bericht der Kronen Zeitung gibt es erneut schwere Vorwürfe: Eine Reinigungskraft gab offenbar bei einer Vernehmung an, von 2013 bis 2019 für das Putzen bei Strache von der FPÖ bezahlt worden zu sein. „Ich habe monatlich einen Lohnzettel erhalten. Auf diesem stand FPÖ drauf, so viel kann ich sagen", erklärte sie angeblich. Erst seit der Ibiza-Affäre habe Strache gezahlt.

Dem Politiker war schon zuvor vorgeworfen worden, Privatausgaben über die Partei abgerechnet zu haben - darunter auch Zahlungen in vierstelliger Höhe für ein Handy-Spiel.

Wahl in Wien: Kurz-Minister Blümel in Nöten - „groteske“ Löschung nach vermeintlichem Hitler-Vergleich

Probleme gibt es aber auch für den ÖVP-Kandidaten Gernot Blümel. Blümel - auch Finanzminister im Kabinett von Sebastian Kurz - hat auf seiner Facebook-Seite einen Kommentar des Schriftstellers Robert Menasse erst heftig kritisiert. Wenig später verschwand die Kritik des Autors komplett. Die ÖVP berief sich auf die „Netiquette“ und einen vermeintlichen Hitler-Vergleich in Menasses Posting. „Meinen Sie die Zeit VOR dem roten Wien, als die Stadt einen antisemitischen Bürgermeister hatte, von dem Hitler lernte?“, hatte es darin geheißen. Menasse hatte sich an Blümels Forderung, „Wien wieder weiter nach vorne zu bringen", gestört.

Der bekannte ORF-Journalist Armin Wolf kritisierte den Vorgang als „grotesk“: „Es muss doch jedem in der ÖVP klar sein, dass es den Kommentar noch online gibt und sich jeder davon überzeugen kann, wie absurd diese Begründung ist.“ (fn)

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