Kampf um die Merkel-Nachfolge

Bosbach kritisiert CDU-Kollegen für Umgang mit Schäuble und Merz

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Wolfgang Bosbach.

Kampf um den CDU-Vorsitz: Nach dem Plädoyer Wolfgang Schäubles für Friedrich Merz verschärfen sich die Spannungen in der Partei. Nun kritisiert auch Wolfgang Bosbach seine Kollegen.

Update 6. Dezember 2018: Nach zahlreichen „Parteigranden“ mischt sich nun auch Wolfgang Bosbach in den Zoff innerhalb der CDU ein und mahnt seine Parteikollegen. „Bis vor wenigen Stunden verlief der Wettbewerb um den CDU-Vorsitz erfreulich fair“, sagte er Merkur.de*

„Schade, dass sich das auf den letzten Metern ändert - durch Interventionen von Außen. Wieso glaubt Peter Altmaier, dass es der CDU nutzt, wenn er Wolfgang Schäuble für dessen Wahlempfehlung pro Merz kritisiert, um im gleichen Atemzug selber eine abzugeben? Und warum reicht es Norbert Blüm nicht, einfach für AKK zu werben ohne Merz und Spahn gleichzeitig öffentlich und nicht gerade fair zu kritisieren?“, wirft der 66-Jährige die Frage auf und fährt fort: „Davon abgesehen: die Delegierten werden schon selber wissen, wen sie warum wählen - oder nicht.“ In unserem News-Ticker zum CDU-Parteitag halten wir Sie über alle Entwicklungen auf dem Laufenden. 

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Ursprungsmeldung vom 5. Dezember: Nach Schäuble: Darum plädiert auch Bosbach für Merz

München - Wolfgang Schäubles Macht in der CDU ist groß. Von daher darf man davon ausgehen, dass der Vorstoß des Bundestagspräsidenten Gehör finden wird. Doch wird das schlussendlich auch reichen, um CDU-Vorsitzender zu werden?

„Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte“, sagte er in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Das würde es erleichtern, wieder zu einer Integration der politischen Kräfte zur Mitte hin zu kommen und unser System zu stabilisieren. Die politischen Ränder würden wieder schwächer.“

Merz liegt hinter Kramp-Karrenbauer in den Umfragen

Damit dürfte Schäuble den Endspurt für alle Merz-Unterstützer in der Partei eingeläutet haben. Und man darf glauben, dass Schäuble, der als mitverantwortlich für das Merz-Comeback gilt, es als große Notwendigkeit erachtet sich klar zu positionieren. Denn in den Umfragen liegt sein „Schützling“ vermeintlich zurück. Laut ARD-Deutschlandtrend favorisieren 39 Prozent der befragten CDU-Anhänger die bisherige Generalsekretärin Annegret Kram-Karrenbauer, während nur 26 Prozent den in die Politik zurückgekehrten Friedrich Merz unterstützen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spielt mit zwei Prozent Zustimmung hier so gut wie keine Rolle mehr.

Bosbach: „Einen Merz-Hype hat es in der CDU nie gegeben“

Ist die Euphorie um Merz in der CDU also schon dahin? CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach stellt gegenüber Merkur.de klar: „Einen Merz-Hype, wie etwa bei Martin Schulz in der SPD, hat es zwar in der CDU nie gegeben, zumal die Union nicht zur Raserei neigt. Aber die Freude darüber, dass er wieder in die politische Arena zurückkehrt war sehr groß.“

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Ankommen wird es aber auf die 1.001 Delegierten am 7. Dezember in Hamburg. Wer im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent bekommt, hätte gewonnen. Parteiintern wird aber schon seit längerem mit einer Stichwahl der beiden Besten des ersten Wahlgangs gerechnet - das hieße dann ein zweiter Wahlgang.

Schäuble ist nicht der einzige, der sich klar hinter Friedrich Merz stellt. EU-Kommissar Günther Oettinger (65) und Staatssekretär Thomas Bareiß (43) unterzeichneten neben rund 80 Gleichgesinnten den Unterstützer-Kreis aus Baden-Württemberg „Initiative für Friedrich Merz“.

Schäuble stützt Friedrich Merz - Günther die Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer

Aber auch Kramp-Karrenbauer kann auf prominente Unterstützung zählen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat sich für sie als künftige CDU-Vorsitzende ausgesprochen. Er werde die jetzige Generalsekretärin wählen und für sie werben, sagte Günther am Montagabend vor Journalisten in Kiel. „Sie hat ihren Job als Generalsekretärin ausgesprochen gut gemacht.“

Entscheiden die Unterstützer die Wahl um den Parteivorsitz? Bosbach glaubt nicht daran: „Schäuble hat in der CDU ein überragendes Ansehen, insofern ist seine Unterstützung für Merz eine wichtige Hilfe. Ich würde das allerdings nicht überbewerten, denn die Delegierten entscheiden nicht danach, welcher Partei-Promi sich auf wessen Seite schlägt.“

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Es kommt zum Duell Merz gegen AKK: „Das weiß mit Sicherheit auch Jens Spahn selbst“

Und die Chancen von Jens Spahn? Auf diese könnten die Aussagen Schäubles noch einmal einen negativen Einfluss haben. Denn einige nominelle Spahn-Anhänger dürften sich angesichts des engen Rennens sehr genau überlegen, ob sie ihre Stimme statt Spahn nicht lieber doch dem aussichtsreicheren Merz geben. Beide sprechen den gleichen Teil der Union an.

„Spannend wird zu beobachten sein, ob und gegebenenfalls wie viele Stimmen für Jens Spahn zu Lasten von Friedrich Merz gehen. Denn beide fischen - rustikal formuliert - im gleichen Teich“, erklärt Bosbach. Nach Lage der Dinge gebe es in Hamburg wohl eher einen spannenden Zweikampf, „als ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu Dritt. Das weiß mit Sicherheit auch Jens Spahn selbst“, so der 66-Jährige.

Experte zu Schäubles Intervention: „Das zeigt, wie eng der Kampf ist“

Auf was also kommt es auf den letzten Metern an? 

Professor Oskar Niedermayer (Freie Universität Berlin) erklärte gegenüber der Bild-Zeitung: „Man wusste ja schon, dass Wolfgang Schäuble im Hintergrund die Strippen für Friedrich Merz zieht. Dass er es jetzt aber für notwendig ansieht, durch ein Interview öffentlich für Merz zu werben, zeigt, wie eng der Kampf ist.“

Und weiter: „Als Urgestein der CDU hat Schäuble natürlich Einfluss. Einige Delegierte werden seinem Rat folgen. Aber: Dass er sich öffentlich zu Merz bekennt, kann bei anderen den Effekt: ,Jetzt erst Recht Kramp-Karrenbauer‘ auslösen.“

Wer macht das Rennen? Den Umfragen nach liegt Kramp-Karrenbauer in Front. Doch nun greift Schäuble ein.

Bosbach traut Friedrich Merz am ehesten zu, die Partei zu einen

Mehrere Experten glauben, dass es entscheidend ist, wie Merz und Kramp-Karrenbauer auftreten werden. „Es wird eng. Ein Parteitag hat eine ganz eigene Dynamik und eine gute Rede kann den entscheidenden Vorteil bringen“, so Niedermayer.

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Merz oder AKK? Entscheidend für Bosbach ist, „dass der Parteichef die Union zusammenhält, ihr neuen Schwung und Optimismus vermittelt und enttäuschte, abgewanderte CDU-Wähler wieder zurückholt. Das traue ich Merz am ehesten zu, auch wenn für AKK die langjährige Regierungserfahrung in verschiedenen Ämtern spricht“, so das langjährige Bundestagsmitglied der CDU.

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