Schon mehr als 200.000 Bäume abgestorben

Hilferuf! Nicht nur der Regenwald brennt - im Sauerland tobt ein "biologischer Waldbrand" 

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Massive Schäden im Wald bei Lüdenscheid. 

Regionalforstamt und Kreisverwaltung sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung in den Wäldern. Demnach sind bereits mehr als 200.000 Bäume im Märkischen Kreis abgestorben.

Davon sind nicht nur Fichten betroffen, Alle Baumarten haben Probleme, heißt es in einer Mitteilung des Kreises. Die Folgen des Klimawandels seien mittlerweile auch in den Märkischen Wäldern unübersehbar. 

Nicht nur Wälder am Amazonas und in der russischen Taiga brennen, auch in heimischen Wäldern tobe derzeit – ausgelöst durch die anhaltende Dürre – ein biologischer Waldbrand. „Denn das Ergebnis ist das gleiche“, sagt Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, „hektarweise vernichteter Wald.“ 

Massenhaftes Absterben der Bäume

Temperaturanstieg und deutlich abnehmende Niederschläge, dazu wiederkehrende heftige Sturmereignisse wie zuletzt im Januar 2018 haben im Kreis zum massenhaften Absterben der Bäume durch Borkenkäferbefall und Trockenschäden geführt. „Das hat neben einer enormen finanziellen Wertevernichtung dramatische Folgen für den Klimaschutz“, zeigt sich auch Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper besorgt. 

Insbesondere die Fichtenwälder sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Kreisweit zeigen neben den Fichten aber auch die älteren Buchen Eichen und Birken eine starke Kronenverlichtung bis hin zum kompletten Absterben. Ahorn und Esche leiden unter der Rußrindenkrankheit und dem Eschentriebsterben. Die Eschen sind so stark betroffen, dass sie aus Wald und freier Landschaft weitgehend verschwinden werden.

„Damit ist vor allen Dingen die jetzt so wichtige Treibhausgasspeicherung der hiesigen Wälder in Gefahr“, konstatiert Jörn Hevendehl. Schließlich ist die Hälfte des Märkischen Kreises mit Wald bedeckt. Das sind 56.000 Hektar. Dieser Wald sei das leistungsfähigste örtliche Klimakraftwerk, das die Märker haben.

Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper und Forstamtsleiter Jörn Hevendehl diskutieren die Vitalitätsabnahme.

Bis zu 20 Prozent der jährlichen, kreisweiten CO2-Emissionen wurden bislang der Atmosphäre direkt wieder durch das hiesige Waldvorkommen und dessen nachhaltiger Bewirtschaftung entzogen. „Gerade jetzt brauchen wir im Ringen um CO2-Senkung intakte, leistungsfähige Wälder“, fügt Hevendehl. 

Zu Überwachung der Wälder helfen seit Neuestem auch Daten aus dem Weltall. So sind die Revierförster des Regionalforstamtes mit spezieller EDV in den Wäldern unterwegs, um betroffene Bäume zu lokalisieren. Die Karten illustrieren in sieben Stufen und einem 10 x 10-Meter-Raster, wie sehr die Bäume geschwächt sind und dadurch anfällig für Borkenkäferbefall. 

Was zunächst banal klingt, sei für Förster und Waldbesitzer eine große Hilfe bei der Borkenkäfer-Bekämpfung. Übereifer sei jedoch fehl am Platz. Schnelle und rationelle Entscheidungen seien wichtig, um die vorhandenen Arbeitskräfte und Holzabsatzkanäle im Sinne der Walderhaltung zu koordinieren. 

Mehr als 50 Prozent gehen nach Asien

Dafür sei die Kooperation mit den Forstbetriebsgemeinschaften, den Kommunen und der Holzvermarktungsorganisation „WaldHolz“ Sauerland entscheidender Erfolgsfaktor, so die Experten vom Regionalforstamt. Mittlerweile werden schon mehr als 50 Prozent des Schadholzes nach Asien exportiert, weil die hiesigen Sägewerke den Holzanfall nicht mehr bewältigen können. 

Aktuell werden dazu auf kommunaler Ebene zusätzliche Containerverladeplätze für Schadholz eingerichtet. Verschiedene Ressorts der Kreisverwaltung prüfen die Potenziale an möglichen Nasslagerplätzen. 

Enormer Bedarf an Nachpflanzungen

Schon jetzt sei absehbar, dass in den nächsten Jahren erhebliche Mengen an jungen Bäumen gepflanzt werden müssen, ist sich Kreisdirektorin Dienstel-Kümper sicher. Dazu müsse in den kommenden Jahren massiv in gemischte Waldbestände investiert werden, denn Vielfalt schaffe Stabilität im Wald. Ähnlich wie im Aktienmarkt gilt auch im Wald: „Lege niemals alle Eier in einen Korb“, so umschreibt Jörn Hevendehl das zukünftige Waldbaukonzept. 

„Wir brauchen allerdings die nötige Personalausstattung, um die Wiederbewaldung auch umsetzen zu können“, blickt der Forstamtsleiter in die Zukunft. Am 25. September findet ein bundespolitischer Ebene ein nationaler Krisengipfel statt.

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