Jeden Samstag eine andere Sichtweise

"Respekt"-Kampagne: Das sagen der JVA-Leiter und das "Ensible"-Team

Kreis Olpe/Hochsauerland. Der SauerlandKurier und der Bundesverband deutscher Anzeigenblätter (BVDA) stellen das Wort "Respekt" im Jahr 2019 in den Mittelpunkt. In einer gemeinsamen Kampagne präsentieren wir unseren Lesern jede Woche eine andere Sichtweise.

Respekt ist etwas Kleines und gleichzeitig ganz Großes

Respekt vor denen, die noch kommen mögen und Respekt vor denen, die unseren Weg bereitet haben: Mit beidem schenken wir uns neue Perspektiven und bewahren zugleich das, was würdig ist. So wird Respekt im Ganzen zur gemeinsamen Grundlage für den Frieden miteinander. Deshalb wünschen wir allen von uns die nötige Kraft, welche es braucht, um sich immer wieder aufs Neue dafür einsetzen zu können. 

Dass es dabei auf jeden Einzelnen von uns ankommt, erleben wir jeden Tag: Meist sind es die kleinen Alltagssituationen, die unzählige Gelegenheiten bieten für einen achtsamen Umgang miteinander auf Augenhöhe und mit Anstand. Wie können wir Respekt erwarten, wenn wir ihn nicht selbst zeigen? Wie können wir uns eine respektvolle Welt wünschen, wenn es uns selbst oft nicht möglich ist, wirklich respektvoll zu handeln? 

Wer groß hinaus will, fängt allzu oft im Kleinen an, heißt es. Möchtest du also in der Welt etwas ändern, dann ändere zunächst mal deine eigene Welt, heißt das für uns: Denn wenn’s einer schafft, die eigene Welt zu ändern, nimmt das Einfluss auch auf unsere Welt. Wenn wir uns gegenseitig Respekt schenken, werden die Menschen um uns herum ihn wiederum in andere Welten tragen. Respekt ist also zum Einen etwas ganz Kleines und gleichzeitig etwas ganz Großes.“

Johannes Feser, Maya Danne, Yao Houphouet, Laura Zappe und Ebrahim Ayoube vom Projektbüro-Team „Ensible“ aus Schmallenberg

„Respekt gibt es nicht zum Nulltarif“

„Der Begriff „Respekt“ spielt in meinem Berufsalltag eine zentrale Rolle. Ohne Respekt würde der in unserem aufgeklärten Gemeinwesen praktizierte rechtsstaatliche Justizvollzug nicht funktionieren. Dabei wird es so manchen Leser verwundern, dass dabei insbesondere der gegenseitige Respekt gemeint ist. 

Ja, auch mein Respekt vor den Inhaftierten. Zum Beispiel der Respekt vor einer verlorenen Kindheit, vor der Fähigkeit, Lebensbrüche und die Freiheitsentziehung auszuhalten. Ganz einfach der Respekt vor dem menschlichen Leben mit all seinen Irrungen und Wirrungen. Respekt gibt es nämlich auch für mich als Anstaltsleiter nicht zum „Nulltarif“. 

Eine tolerante Grundhaltung gepaart mit einer empathischen Kommunikation ist die Basis für ein respektvolles Miteinander. So wird ein Klima geschaffen, in dem negative Entscheidungen und Lebensumstände weitgehend konfliktfrei vermittelt und notwendige Unterstützungen angeboten werden können. Ein Konstrukt, welches nur auf dem Recht des Stärkeren aufgebaut ist, lässt keinen Raum für Respekt; für niemanden, und schon gar nicht im „Knast“!“

Ulf Borrmann, Leiter der JVA Attendorn

„Respekt!“ ist eine Kampagne des SauerlandKurier in Kooperation mit dem Bundesverband deutscher Anzeigenblätter (BVDA). Mit diesen redaktionellen Initiativen berichten die im Verband organisierten Wochenblätter verlagsübergreifend mit eigenem lokalem Fokus über relevante Themen, die Menschen in ganz Deutschland bewegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare