Jeden Samstag eine andere Sichtweise

"Respekt"-Kampagne: Das sagen die Leiterinnen von "Sternenweg" und "Smily Kids" 

Kreis Olpe/Hochsauerland - Der SauerlandKurier und der Bundesverband deutscher Anzeigenblätter (BVDA) stellen das Wort "Respekt" im Jahr 2019 in den Mittelpunkt. In einer gemeinsamen Kampagne präsentieren wir unseren Lesern jede Woche eine andere Sichtweise.

Begleitung in den Tod löst Respekt und Demut aus

Unter Respekt verstehe ich Achtung und Offenheit vor und für einen anderen Menschen; vor seinen Entscheidungen, seinen Handlungen und seinen Lebenskonzepten. 

Wenn ein Mensch sich bewusst seinem Leben und seinem Sterben stellt, löst dies in mir einen tiefen Respekt aus. Gemeinsam über unser Handeln, unsere Fähigkeiten und Grenzen nachzudenken und die Bereitschaft mitzubringen, sich selbst kritisch zu hinterfragen, Dinge offen anzusprechen und sich auf neue Wege einzulassen, bedeutet für mich respektvoll miteinander umzugehen. 

Ich habe einen sehr hohen Respekt vor Menschen, die sich trauen, in ihrem Sterben anderen Menschen zu vertrauen. Jede Familie, jeder Betroffene und jeder Angehörige eines sterbenskranken Menschen löst in mir Respekt – auch im Sinne von Demut – aus. Ich bin mir immer bewusst, dass die Entscheidung, zum Beispiel für unseren Dienst, jeden Einzelnen sehr viel Kraft kostet und oft schon ein langer und schwerer Weg hinter den Betroffenen liegt. Ebenso hohen Respekt habe ich auch vor all den Menschen, die ihre Zeit und ihre Kraft ehrenamtlich den kranken Menschen und ihren Familien schenken und sie begleiten.

Ursula Elisa Witteler – Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes „Sternenweg“

„Respekt auf dem Weg in die Abstinenz“

„Sie haben sich angemeldet und nun stehen sie da. Vater, Mutter und eine Tochter, gerade mal zwölf Jahre alt. Der Vater ist vor einer knappen Woche aus der Therapie gekommen, er ist jetzt ein trockener Alkoholiker. Die Mutter hat von der Gruppe ,Smily Kids‘, Teens und Eltern gehört und ihren Mann überredet, doch jetzt gemeinsam etwas zu tun, damit sie wieder normal miteinander umgehen können und die Sucht keine Chance mehr hat. 

Ich muss sagen, ich habe großen Respekt vor den Eltern, weil sie ihrer Tochter gestatten, bei mir über die Ängste und Nöte, die während der ,Saufzeit‘ des Vaters auftraten zu reden. Sie selbst gehen in einen anderen Raum um sich mit betroffenen Eltern, Alleinerziehenden, Großeltern oder Pflegeeltern auszutauschen. 

Unsere Gruppe gehört zum Kreuzbund in der Erzdiözese Paderborn und wir alle arbeiten ehrenamtlich. Da sind Jessica, Bettina und Rudi, die mir hilfreich zur Seite stehen. Überhaupt wäre es schön, wenn man den Abhängigen im Allgemeinen etwas Respekt entgegenbringen würde, wenn sie den Weg in die Abstinenz gehen wollen. Viele kämpfen wirklich, und es ist ein sehr schwerer Weg, wieder Fuß in der Gesellschaft zu fassen. Man sieht nur die, die es nicht schaffen, die anderen fallen ja kaum auf. Aber sie sind da. Helfen wir ihnen.“

Christa Gattwinkel, Leiterin der „Smily Kids“-Gruppen im Kreuzbund für Kinder aus suchtbelasteten Familien

„Respekt!“ ist eine Kampagne des SauerlandKurier in Kooperation mit dem Bundesverband deutscher Anzeigenblätter (BVDA). Mit diesen redaktionellen Initiativen berichten die im Verband organisierten Wochenblätter verlagsübergreifend mit eigenem lokalem Fokus über relevante Themen, die Menschen in ganz Deutschland bewegen.

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