Biggesee, Möhnesee, Sorpesee, Hennesee, Diemelsee

Talsperren im Sauerland: Alle Infos zu den Stauseen in der Region

+
Die Talsperren im Sauerland: der Möhnesee (o. l.), der Sorpesee (o. r.), der Hennesee (u. l.), der Biggesee (u. m.) und der Diemelsee (u. r.).

Sie gelten als Trinkwasserspeicher des Ruhrgebiets und sind für viele Menschen ein beliebtes Ausflugsziel: die Talsperren im Sauerland. Wir stellen die Stauseen näher vor.

Insgesamt betreibt der Ruhrverband in seinem Einzugsgebiet acht Talsperren: die Bigge-, die Lister-, die Ennepe-, die Henne-, die Möhne-, die Sorpe-, die Verse- und die Fürwiggetalsperre. Diese acht Seen haben ein Gesamtvolumen von mehr als 460 Millionen Kubikmetern. Damit ist es - bezogen auf ein einzelnes Flussgebiet - das größte zusammenhängende Talsperrensystem in Deutschland.

In erster Linie haben die Talsperren im Sauerland eine wichtige Funktion: die Sicherung der Wasserversorgung für mehr als 4,5 Millionen Menschen. So wird unter anderem Wasser aus den Stauseen abgelassen, um den Pegel der Ruhr in Trockenzeiten aufrecht zu erhalten. All das wird von der Talsperrenleitzentrale in Essen gesteuert. 

Entlastung für die überforderte Ruhr 

Vier der sechs Talsperren im HSK, Kreis Soest und Kreis Olpe wurden im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gebaut (Möhne: 1908 bis 1912; Lister: 1909 bis 1912; Diemel: 1912 bis 1914 und 1919 bis 1923; Sorpe: 1926 bis 1935), die beiden anderen folgten in den 1950er- und 60er-Jahren (Henne: 1952 bis 1955; Bigge: 1956/57 bis 1965). Mit dem Bau der Staumauern und -dämme reagierte man darauf, dass die Ruhr im Zuge der Industriellen Revolution als Trinkwasserlieferant und Erzeuger Wasserkraft völlig überfordert war und zu einem wahren Spielball geworden war. Zudem sorgte die stark wachsende Bevölkerung und die mehr und mehr werdende Industrie mit ihrem Abwasser dafür, das die Ruhr vor allem in trockenen Phasen teilweise zu einem brackigen Rinnsal wurde, das problemlos zu Fuß überquert werden konnte.

Imposante Eindrücke: Der (fast) leere Möhnesee aus der Luft

So war es der Ruhrtalsperrenverein, der 1899 gegründet wurde und sich in der Folge stark für die Entwicklung der Flussbewirtschaftung mittels Talsperren einsetzte. Zwischen 1908 und 1912 baute der Verein mit der Möhnestaumauer seine erste eigene Talsperre, die zu der Zeit sogar die größte ihrer Art in ganz Europa war. Die in dem Zeitraum erbauten Talsperren leisteten einen wichtigen Beitrag dazu, dass die beanspruchte Ruhr stark entlastet wurde.

Nachdem die Staumauern zunächst schlank, bogenförmig und aus Bruchsteinen - also nach dem "Intze-Prinzip" (benannt nach dem Pionier Otto Intze) gebaut wurden wie zum Beispiel die Möhne-, die Lister und die Diemeltalsperre, hielt in den 1920-er-Jahren die Dammbauweise aus Nordamerika auch im Sauerland Einzug. Die erste so in der Region errichtete Talsperre war der Damm am Sorpesee. Auch bei der Henne- und Biggetalsperre wurde diese Bauweise herangezogen - allerdings mit modernerer Asphalttechnologie.

Die Talsperren im Sauerland: Gut für die Umwelt

Neben der Trinkwasserversorgung von etwa 4,6 Millionen Menschen zwischen Winterberg im Hochsauerlandkreis und Duisburg im Ruhrgebiet erfüllen die Talsperren im Sauerland einen weiteren wichtigen Zweck: Sie produzieren Strom. Wasserkraft wird bereits seit vielen Jahrhunderten genutzt - zunächst als mechanische Energie, um Hammerwerke oder Mühlen anzutreiben. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Kraft des Wassers auch erstmals elektrischer Strom erzeugt, indem sie Turbinen mit angekoppelten Generatoren antrieben.

Der damalige Ruhrtalsperrenverein eröffnete im Jahr 1913 das erste eigene Wasserkraftwerk an der Listertalsperre. Heute gehört dieses zu den insgesamt 15 Wasserkraftwerken der Lister- und Lennekraftwerke (LLK), die im Schnitt 70 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen - und damit den Verbrauch von etwa 20.000 Haushalten abdecken. Positiver Nebeneffekt: Dadurch wird jedes Jahr der Ausstoß von 40.000 Tonnen CO2 eingespart. Das Spektrum der LLK reicht vom großen Kraftwerk am Biggesee (22 Millionen Kilowattstunden pro Jahr; mehr als 6000 Haushalte) bis zu einem kleinen Exemplar an der Fürwiggetalsperre, das rund 30 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt.

Versunkene "Schätze": Niedrigwasser am Sorpesee

Doch nicht nur an Bigge- und Listersee gibt es Kraftwerke, an allen Talsperren des Ruhrverbandes wird die Wasserkraft zur Stromproduktion genutzt. Das Kraftwerk am Möhnesee erzeugt beispielsweise pro Jahr etwa 15 Millionen Kilowattstunden, die für mehr als 4000 Haushalte ausreichend sind.

Seit 2008 nutzt der Ruhrverband am Möhnesee zudem auch Wärme aus dem Wasser: Dort wird eine sogenannte Sole/Wasser-Wärmepumpe verwendet, die wiederum die Sonnenenergie aus dem Wasser der Talsperre nutzt, um das Kraftwerk am Fuß der Möhnestaumauer zu beheizen. Entwickelt hatte die Wärmepumpe der Ruhrverband selbst in Zusammenarbeit mit einer technischen Hochschule aus Bochum und einem Ingenieurbüro aus Wenden. Die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen: 2011 musste der Ruhrverband 30.000 Kilowattstunden aufbringen, um die Pumpe zu betreiben, dadurch wurden allerdings gegenüber der ursprünglichen Elektroheizung etwa 85.000 Kilowattstunden eingespart.

Diese Stauseen gibt es im Sauerland

Hier gelangen Sie mit einem Klick zum gewünschten See 


Bigge- und Listersee bei Olpe

Der Biggesee ist insgesamt rund 8,7 Quadratkilometer groß und liegt zwischen den beiden Städten Attendorn und Olpe im gleichnamigen Kreis. Der Staudamm des Sees wurde zwischen 1956 und 1965 gebaut und ist damit der jüngste im Sauerland. Insgesamt können im Biggesee bis zu 150,1 Millionen Kubikmeter Wasser gestaut werden. Damit ist der Biggesee vom Inhalt her gesehen der größte Stausee im Sauerland und der fünftgrößte in ganz Deutschland. Bei Vollstau, also wenn der Wasserpegel bei 307,51 Metern über n.N. liegt, ist der Biggesee etwa 52 Meter tief

Die Biggetalsperre bildet gemeinsam mit der bereits von 1909 bis 1912 gebauten Listertalsperre ein Talsperrensystem. Diese liegt zwischen den Städten Attendorn und Drolshagen im Kreis Olpe sowie Meinerzhagen im Märkischen Kreis. Die Fläche des Sees beträgt knapp 1,7 Quadratkilometer und sein Fassungsvermögen liegt bei 21,6 Millionen Kubikmetern. An der tiefsten Stelle ist die Listertalsperre fast 34 Meter tief. Der See wurde zunächst als eigenständige Talsperre angelegt, heute ist die Listertalsperre ein Vorbecken des Biggesees.

Der Biggesee liegt zwischen den Städten Olpe und Attendorn.


Der Diemelsee bei Marsberg

Der Diemelsee, der sich auf einer Fläche von 1,65 Quadratkilometern zwischen der gleichnamigen Gemeinde in Hessen und der Stadt Marsberg im Hochsauerlandkreis erstreckt, stellt eine Ausnahme in dieser Auflistung dar, denn er wird nicht vom Ruhrverband bewirtschaftet. Stattdessen ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden für die Talsperre zuständig, die in zwei Bauphasen zwischen 1912 und 1914 sowie zwischen 1919 und 1923 errichtet wurde. Die Staumauer des Diemelsees liegt auf der nordrhein-westfälischen Seite auf dem Gebiet des Marsberger Ortsteils Helminghausen.

Mit einem Gesamtstauvolumen von 21,75 Millionen Kubikmetern ist der Diemelsee nach der Listertalsperre die zweitkleinste Talsperre im Sauerland. Der Pegel liegt bei Vollstau bei etwa 376 Metern über n.N. Die maximale Wassertiefe des Sees, dessen größter Teil auf hessischem Gebiet liegt, beträgt 34 Meter.

Ist der Füllstand zu hoch, kommt es vor, dass der Diemelsee "überläuft".


Der Hennesee bei Meschede

Bevor die heutige Staumauer der Hennetalsperre zwischen 1952 und 1955 gebaut wurde, gab es in der Nähe des heutigen Standortes im Stadtgebiet Meschede bereits einen älteren Staudamm, der von 1901 bis 1905 nach dem Intze-Prinzip errichtet wurde. Weil sie und ihr Untergrund aber in der Folge zu durchlässig wurden, wurde sie 1949 stillgelegt. Ein Jahr später begann - etwa 200 Meter vom alten Standort entfernt - der Bau der neuen Staumauer, der 1955 abgeschlossen wurde.

Heute verfügt der Hennesee über ein Gesamtstauvolumen von 39,3 Millionen Kubikmetern auf einer Fläche von 2,13 Quadratkilometern, wobei bei 38,4 Millionen Kubikmetern der Vollstau erreicht ist. Der Pegelstand liegt dann bei 323,3 Metern über n.N. Die tiefste Stelle der Hennetalsperre ist rund 51 Meter tief.

Die MS Hennesee fährt in der Saison mehrmals täglich über den Stausee in Meschede.


Der Möhnesee bei Arnsberg

Mit einer Fläche von etwa 10,4 Quadratkilometern ist der Möhnesee flächenmäßig der größte Stausee im Einzugsgebiet des Ruhrverbandes. Er liegt auf dem Gebiet der gleichnamigen Gemeinde Möhnesee im Kreis Soest. Die 650 Meter lange Staumauer wurde zwischen 1908 und 1912 nach dem Intze-Prinzip gebaut und trennt den See von einem Ausgleichsbecken mit einem Volumen von 650.000 Kubikmetern. Das Gesamtstauvolumen der Möhnetalsperre beträgt 134,5 Millionen Kubikmeter, wovon 126,05 Millionen auf die Hauptsperre entfallen. Die maximale Stauhöhe liegt bei 213,74 Metern über n.N., an seiner tiefsten Stelle ist der Möhnesee 36 Meter tief.

Traurige weltweite Berühmtheit erlangte die Möhnetalsperre während des Zweiten Weltkriegs: In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 war die Staumauer Ziel eines britischen Bomenangriffs. Mehrere Rollbomben beschädigten den Damm, sodass er schließlich brach und ein 77 Meter breites und 22 Meter tiefes Loch in der Staumauer entstand. Dadurch schwappte eine meterhohe Flutwelle durch das gesamte Möhnetal, die mehr als 1000 Menschen tötete. Seither ist von der sogenannten Möhnekatastrophe die Rede. Mehrere tausend Arbeiter sorgten schließlich dafür, dass die Mauer innerhalb weniger Monate wieder aufgebaut wurde, sodass im Oktober 1943 die neue Fahrbahndecke auf der Dammkrone aufgetragen werden konnte.

Der Möhnesee erstreckt sich auf einer Fläche von insgesamt 10,4 Quadratkilometern.


Der Sorpesee bei Sundern

Auf einer Fläche von 3,3 Quadratkilometern erstreckt sich der Sorpesee zwischen Langscheid und Amecke, zwei Ortsteilen der Stadt Sundern im Hochsauerlandkreis. Mit einer Wassertiefe von bis zu 70 Metern ist er der tiefste Stausee im Einzugsgebiet des Ruhrverbandes. Insgesamt fasst die Sorpetalsperre bis zu 70,37 Millionen Kubikmeter Wasser und hat bei Vollstau einen Pegelstand von 283,03 Metern über n.N. 

Der Staudamm in Langscheid wurde zwischen 1926 und 1935 gebaut und war zu dieser Zeit die größte Baustelle Europas. Insgesamt mussten Güterzüge mehr als 300.000 Tonnen Baumaterial durch das Röhrtal zwischen Neheim-Hüsten und Sundern transportieren. 

Auf dem Sorpesee sind bei gutem Wetter während der Saison viele Wassersportler unterwegs.

Immer aktuell: So sind die Wasserstände der Seen 

Um die Pegelstände der Ruhr und der Talsperren stets im Auge zu behalten, hat der Ruhrverband im Jahr 1995 eine Talsperrenleitzentrale in Essen eingerichtet. Diese behält die hauptsächlichen Aufgaben des Talsperrensystems - die Niedrigwassererhöhung und den Hochwasserschutz - im Auge. Die Mitarbeiter der Leitzentrale verarbeiten täglich aktuelle Daten aus den Pegeln der Talsperren, der Ruhr und weiterer Flüsse und Gewässer im Einzugsgebiet, um Entscheidungen für die bestmögliche Steuerung der Talsperren zu treffen. Der Ruhrverband stellt so auch Interessierten die aktuellsten Füllstände der Talsperren sowie die Pegelstände der Ruhr auf seiner Internetseite zur Verfügung.

Im Sommer 2018 wurden die Wasserspeicher im Sauerland arg strapaziert. Durch die sehr warmen Temperaturen und die lang anhaltende Trockenheit in den Monaten April bis Oktober mussten die Stauseen über einen langen Zeitraum deutlich mehr Wasser abgeben, um den Pegel der Ruhr aufrecht zu erhalten, als ihnen zufloss. Daher sanken die Füllstände der Talsperren rapide ab, sodass Möhnesee, Biggesee und Co. zeitweise nur bis zu einem Drittel gefüllt waren. Durch die vielen Niederschläge in den Wintermonaten füllten sich die Stauseen aber wieder und waren zu Beginn des Frühjahrs 2019 schon wieder so voll, dass teilweise die langjährigen Mittelwerte überschritten wurden. 

Stausee als "Trockenwüste": Niedrigwasser am Hennesee

Schwimmen, Tauchen, Übernachten - das geht an den Talsperren 

Bei allen "größeren" Aufgaben, die die Talsperren im Sauerland erfüllen: Für die meisten Bürgerinnen und Bürger sind sie aber vor allem eins - nämlich Ausflugsziele und Naherholungsgebiete. Jedes Jahr strömen tausende Menschen zu den Stauseen in der Region, um Entspannung vor der Haustür zu finden oder auch um Urlaub zu machen. Zahlreiche Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen haben sich im Laufe der Zeit rund um die Seen angesiedelt und stellen seither ein beliebtes Ziel für Urlauber - vor allem aus dem Ruhrgebiet - dar. 

Die Aussichtsplattform "Biggeblick" an der Waldenburger Bucht in Attendorn bietet tolle Ausblicke über den Biggesee.

Allerdings gibt es auch für Tagesgäste ein breitgefächertes Angebot an Freizeitaktivitäten: So gibt es an allen Talsperren beispielsweise Minigolfplätze, Tretboot-Verleihe oder Strandbäder. Denn die Wasserqualität aller Talsperren im Sauerland ist laut den europäischen Badegewässerreport ausgezeichnet, sodass Schwimmen und Baden darin ausdrücklich erlaubt ist. Darüber hinaus fahren auf den Seen Schiffe, die ihren Fahrgästen das Gewässer selbst sowie die idyllische Landschaft drumherum zeigen.

Selbstverständlich nutzen viele Menschen die Stauseen in der Region auch für verschiedenste Wassersport-Aktivitäten. Von Segeln und Surfen über Rudern bis hin zum Tauchen - im Laufe der Jahre haben sich rund um die Talsperren zahlreiche Vereine und Unternehmen angesiedelt, die ihren Mitgliedern bzw. Kunden die Möglichkeit bieten, die Seen für diverse Aktivitäten und Sportarten zu nutzen.

Schicken Sie uns Ihre Fotos und Geschichten

Und Sie? Nutzen Sie die Talsperren im Sauerland gerne, um dem Alltag zu entfliehen oder Entspannung vor der Haustür zu erhalten? Oder leben Sie außerhalb des Sauerlandes und verbringen Ihren Urlaub an den Stauseen in der Region? Schicken Sie uns doch Ihre schönsten Geschichten und besten Fotos von Sorpesee, Hennesee und Co. per Mail an internet@sauerlandkurier.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare