Borussia Dortmund

Favres weiße Flagge verschwindet wieder

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Bloß nicht den Kopf in den Sand stecken und an den Titel glauben: Das fordert die BVB-Führung von Jadon Sancho und seinen Mitspielern.

Der Meisterschaftskampf in der Bundesliga schien nach der Derby-Pleite des BVB vorentschieden. Dann aber patzten die Bayern. Weshalb die Dortmunder nun doch noch nicht aufgeben möchten.

Dortmund – Wer dachte, Dortmund wäre nach dem Derby-Debakel die Lust auf Fußball zumindest für einige Tage vergangen, sah sich am Sonntagabend schon getäuscht. Schreie des Entsetzens waren aus Kneipen und Wohnungen zu vernehmen, als Nürnbergs Tim Leibold per Strafstoß gegen die Bayern nur den Innenpfosten traf.

Hätte der designierte Absteiger tatsächlich den Rekordmeister besiegt, wäre der Rückstand der Borussia auf die Bayern trotz der 2:4-Pleite im Revierduell unverändert geblieben. So sind es zwei Zähler und das deutlich schlechtere Torverhältnis, die der BVB an den restlichen drei Spieltagen aufholen muss. Dennoch: Dieses Szenario stellt sich wesentlich angenehmer dar, als es jeder Dortmunder am späten Samstagnachmittag zu glauben vermochte.

Von der allgemeinen Weltuntergangsstimmung hatte sich auch BVB-Trainer Lucien Favre anstecken lassen. „Der Titel ist verspielt“, sagte er. „Das ist klar für mich. Das ist schwer zu verdauen.“ Die weiße Flagge war gehisst, der Chefcoach persönlich hatte das Meisterschaftsrennen mit den Bayern für beendet erklärt. Hinzu kamen die Platzverweise gegen Marius Wolf (drei Spiele Sperre) und Marco Reus (zwei Spiele). Letzterer darf zum Abschluss in Mönchengladbach wieder auflaufen, für Rechtsverteidiger Wolf ist die Spielzeit hingegen nach dem Frustfoul gegen Schalkes Suat Serdar beendet. Grund genug für Favre, das Saisonziel zu begraben?

Zorc erklärt Favres Resignation

Mitnichten, befand die Dortmunder Vereinsführung. „Wir geben erst dann auf, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Das ist unsere Verpflichtung den Fans gegenüber“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits am Sonntag dem Kicker. „Wir werden alles versuchen, die Bayern noch abzufangen“, ließ der BVB-Boss am Montag folgen, sicherlich motiviert durch den Patzer der Münchner im Frankenland.

BVB patzt ausgerechnet gegen Schalke

Auch Sportdirektor Michael Zorc stellte fest, „dass wir wieder dabei sind“. Zorc hatte eine Erklärung für Favres Resignation: „Lucien hat das aus der Emotion und Enttäuschung direkt nach dem Abpfiff heraus gesagt.“ Watzkes klare Ansage: „Ich erwarte von allen Beteiligten, dass wir uns die letzten drei Spiele voll reinknien und niemand vorzeitig die weiße Flagge hisst.“

Was (selbstverständlich) niemand ausspricht: Mit dem Trainer, der dem BVB 2012 die letzte Meisterschaft beschert hatte, wäre ein solches Kommunikations-Desaster nicht passiert. Eine Selbstaufgabe bei (befürchteten) vier Punkten Rückstand und drei ausstehenden Partien?

Jürgen Klopp hätte den Teufel getan. Hätte Fans und Mannschaft direkt nach Schlusspfiff aufgerichtet. So wie nach dem 0:3 im Champions-League-Viertelfinale 2014 gegen Real Madrid und der Frage des ZDF-Reporters Jochen Breyer („Die Sache ist durch, oder?“). Oder nach dem über Nacht bekannt gewordenen Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern vor dem Halbfinale 2013 gegen die Madrilenen („Wer immer es gewollt hat, dass unsere Vorbereitung gestört wird, wird keinen Erfolg haben.“).

Die Hoffnung auf die Schale lebt

Nun ist Lucien Favre kein Jürgen Klopp. Das hat niemand erwartet, erst recht nicht Watzke oder Zorc. Favre sollte das Team nach dem desaströsen Vorjahr stabilisieren, eine Spielidee entwickeln. Das gelang eindrucksvoll und schneller als erhofft, die Hinrunde der Borussia geriet zu einem einzigen Rausch. Dass Favre in der Öffentlichkeit eher ein Zauderer denn ein rhetorisch hochbegabter Top-Motivator ist, störte da niemanden.

In der zweiten Halbserie ist der BVB-Motor aber längst ins Stocken geraten. Nicht erst seit dem Schalke-Schock, und auch schon deutlich vor der 0:5-Klatsche von München. Die Winter-Vorbereitung verlief aufgrund von Wehwehchen nicht wie gewünscht, Leistungsträger hatten immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, aus der zweiten Reihe fehlte der Druck auf die etablierten Kräfte. Die wiederum sind oft noch zu jung, um mit der Dauer-Anspannung eines Titelkampfes (erst recht mit dem FC Bayern) zurecht zu kommen.

Und doch lebt sie noch, die Hoffnung, erstmals nach sieben Jahren wieder mit der Schale um den Borsigplatz fahren zu dürfen. Dem Bayern-Ausrutscher sei Dank. Eine Frage bleibt aber: Wie schafft es Favre nach den Worten von Samstagabend, sein Team vor der harten Aufgabe in Bremen wieder auf das Fernduell einzustimmen?

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Quelle: wa.de

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