Ex-Borusse im Interview

Castro exklusiv: "Ich hoffe, dass der BVB Meister wird"

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Die Seiten gewechselt: Seit Sommer 2018 spielt Gonzalo Castro (vorne), hier im Zweikampf mit BVB-Sechser Thomas Delaney, mit dem roten Brustring der Stuttgarter.

Gonzalo Castro wechselte im Sommer 2018 vom BVB zum VfB Stuttgart. Vor seiner Rückkehr am Samstag nach Dortmund sprach er über die Meisterschaft, den Abstiegskampf und Emotionen.

Dortmund – Das erste Wiedersehen mit den früheren Kollegen verlor der 31-Jährige in der Hinserie deutlich mit 0:4. Vor Gonzalo Castros Rückkehr ins Dortmunder Stadion am Samstag (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) sprach BVB-Reporter Marvin K. Hoffmann mit dem Mittelfeldspieler über eine mögliche Meisterschaft von Borussia Dortmund, den Abstiegskampf des VfB, Emotionen und seine neue Rolle in Stuttgart.

Sie sind ein erfahrener Spieler. Ihr Start beim VfB Stuttgart war allerdings schwierig. Zuletzt waren Sie wieder gefragt. Wie erleben Sie das?

Castro: So ist das während einer Karriere. Es geht auf und ab, es gibt gute und es gibt schlechte Phasen – und im Moment ist es eine gute Phase, die auch deshalb zum richtigen Zeitpunkt kommt, weil ich in Dortmund spielen kann.

Wie erklären Sie sich diese Leistungsschwankungen?

Castro: Es ist im Fußball ein Stück weit normal, dass man Phasen hat, in denen man nicht so gut drauf ist. Dann geht es darum, wieder aufzustehen und diese Phasen so kurz wie möglich zu halten.

Ihr Trainer hat vor einiger Zeit auf eine Dreierkette umgestellt. Dadurch können Sie sich auf der Sechs besser auf Ihre Innenverteidiger im Rücken verlassen. Glauben Sie, dass das auch ein Mittel am Samstag gegen den BVB sein könnte?

Castro: Ja, klar könnte das ein Mittel sein. Aber nur verteidigen gegen Borussia Dortmund wird nicht reichen. Das haben wir alle am Dienstag gesehen. Wenn die Dortmunder gegen Tottenham ein bisschen mehr Glück haben, können sie drei Tore in der ersten Halbzeit schießen. Von daher müssen wir schon mitspielen – wenn wir über 90 Minuten nur verteidigen, werden wir das nicht schaffen.

Was gefällt Ihnen an der Systemumstellung?

Castro: Es gibt uns mehr Stabilität in der Defensive. Vor allem die drei Innenverteidiger bei uns machen es sehr gut. Sie sind zweikampfstark, sehr schnell – und mir tut es natürlich auch gut, dass ich weiß, dass hinter mir noch jemand ist, der etwas wegverteidigen kann. So kann ich mehr ins Risiko bei den Zweikämpfen gehen.

Stichwort Zweikämpfe: Sie haben eine Quote von 48 Prozent. Müssen Sie da noch etwas nachbessern, gerade wenn es jetzt gegen Spieler wie Marco Reus ins Eins-gegen-eins geht?

Castro: Es geht immer besser. Aber meine Zweikampf-Quote lag noch nie bei 70, 80 Prozent. Klar ist aber, dass in unserem System und in der Phase, in der wir uns momentan befinden, das Zweikampfverhalten besonders wichtig ist.

Wenn man einen Blick auf Mannschaften wie Nürnberg, Düsseldorf oder zuletzt Augsburg wirft: Die Teams stecken im Abstiegskampf und der BVB hat sich richtig schwergetan. Hoffen Sie am Samstag mit dem VfB auf einen ähnlichen Effekt?

Castro: Wir versuchen, den Dortmundern das Leben so schwer wie möglich zu machen, um etwas Zählbares mitnehmen zu können. Wir wissen, dass es schwer wird. Wir wissen auch, dass die Dortmunder eine enorme Qualität haben.

Glauben Sie, dass Sie in dieser Partie dann eine Art Sonderrolle einnehmen – als BVB-Insider?

Castro: Ich glaube nicht, die Saison ist ja jetzt schon relativ weit fortgeschritten und man kennt in der Bundesliga ohnehin jeden Spieler.

Gonzalo Castro, hier mit Marcel Schmelzer (links), holte zusammen mit Borussia Dortmund 2017 den DFB-Pokal.

Können Sie denn trotzdem Vorteile aus Ihrer Zeit in Dortmund ziehen?

Castro: Die eine oder andere Einschätzung kann ich sicher geben. Aber man weiß während der Trainingswoche ja noch nicht genau, wer am Samstag beim BVB spielt und wer nicht.

Aufstellung BVB: So könnte Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart starten

Gibt es da denn einen Spieler, auf den Sie sich besonders freuen – vielleicht auch einfach abseits des Platzes?

Castro: Ich freue mich einfach, die Jungs zu sehen, mit denen ich lange gespielt habe und viel erlebt habe. Ich habe dort viele Freunde kennengelernt. Aber viel Zeit bleibt während einer Saison nicht, dass man sich in der Freizeit trifft. Ein, zwei, sind aber auf jeden Fall dabei, mit denen ich mich noch mal austauschen und treffen werde.

Bei diesem Spiel erzeugt vermutlich die Südtribüne dann auch wieder eine besondere Atmosphäre. Wie erlebt man das als Spieler, der beide Seiten kennt?

Castro: Wenn du bei Dortmund spielst, ist es immer schön, wenn du so eine Wand hinter dir hast. Die Fans, die immer Stimmung machen und dich anfeuern. Aber auch als gegnerischer Spieler ist es schön, in so einem Stadion und vor so einer Kulisse zu spielen.

Ihre Heimat liegt im Westen, die meiste Zeit haben Sie bei Bayer 04 Leverkusen verbracht. Werden mehr Freunde und Verwandte aufgrund der räumlichen Nähe im Stadion sein?

Castro: Ja, einige kommen. Aber ich kriege nicht viel davon mit. Ich sehe oder spreche sie vor dem Spiel nicht mehr, weiß nur, dass welche da sind. Es ist immer schön, wenn mir Freunde und Verwandte zuschauen – aber das machen sie fast jede Woche. Von daher ist es für mich schon fast Normalität geworden.

Dafür sind Sie dann vermutlich auch schon lange genug im Geschäft, oder?

Castro: Das auch. (lacht)

Wenn Sie mal einen Blick zurückwerfen. Wo würden Sie sich lieber sehen: Titelrennen mit dem BVB? Oder hat der Abstiegskampf mit dem VfB seinen ganz eigenen Reiz?

Castro: Es hat beides einen Reiz. Klar, ist es schöner, wenn du oben in der Tabelle stehst und da kämpfen kannst um die Meisterschaft, anstatt im Kampf um den Klassenerhalt zu sein. Natürlich sind beide Seiten interessant. Die Situation, wie sie jetzt in Stuttgart ist, hatte ich noch nie. Für den Klassenerhalt zu kämpfen ist für mich neu – aber umso schöner ist es sicherlich, wenn du an Spieltag 34 über dem Strich stehst und es doch geschafft hast.

Sind die Emotionen der Fans im Abstiegskampf anders?

Castro: Es ist eine komplett andere Situation, ob du jetzt um die Champions-League-Plätze kämpfst, wie wir im vergangenen Jahr mit Dortmund, oder um den Klassenerhalt spielst. Die Emotionen kann man nicht miteinander vergleichen.

Wagen wir zum Abschluss einen Ausblick: Wo sehen Sie den BVB am Ende der Saison und wo die Stuttgarter?

Castro: Ich hoffe, dass der BVB Meister wird. Das würde ich ihnen gönnen, auch weil sie einfach einen tollen Fußball spielen. Und uns wünsche ich natürlich, dass wir am Ende über dem Strich stehen – damit wir uns alle in die Arme fallen können nach dem letzten Spieltag.

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Quelle: wa.de

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