Schiedsrichter verweist auf Regel-Werk

"Hat nichts mit Verteidigen zu tun": Eine Hand-Regel, die niemand versteht

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Der Kölner Keller greift ein: Schiedsrichter Felix Zwayer wird nach der Handelfmeter-Entscheidung von Mario Götze, Marco Reus und Julian Weigl bedrängt.

Eine Handelfmeter-Entscheidung bei der Derby-Niederlage des BVB gegen Schalke erhitzt die Dortmunder Gemüter. Sogar der S04-Coach hat Verständnis.

Dortmund – Schon vor Wochen hatte sich der eigentlich stets ruhig und besonnene Lucien Favre öffentlich über die Regelauslegung beim Handspiel in Rage geredet. Nach der 2:4-Pleite des BVB im Derby gegen den FC Schalke 04 war der Schweizer Fußball-Lehrer nicht mehr zu beruhigen, sprach vom größten Skandal im Fußball.

Weil es ihn diesmal selbst hart getroffen hatte. Jene Szene in der 17. Minute, als der Schalker Breel Embolo den Dortmunder Innenverteidiger Julian Weigl aus kurzer Entfernung an den Arm schoss. Schiedsrichter Felix Zwayer ließ zunächst weiterspielen und entschied erst drei Minuten später auf Hinweis des Video-Assistenten Guido Winkmann aus dem Kölner Keller auf Handelfmeter. Den verwandelte Daniel Caligiuri zum 1:1 für die Königsblauen – und leitete damit die Wende im zunächst einseitigen Revierschlager ein.

Eine Aktion, die im Stadion für Verwirrung sorgte. Auch bei Sebastian Kehl, dem Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, der auf der Dortmunder Bank saß. „Die Schalker haben ja gar nicht großartig protestiert und weiter gespielt. Nach drei Minuten kam dann der Pfiff. Wir wussten erst überhaupt nicht, warum. Dann der Elfmeter. Das war hart“, beschrieb Kehl, wie er die umstrittene Entscheidung der Unparteiischen erlebte.

Favre wütet: "Das hat nichts mit Fußball zu tun" 

Für Favre ein Unding: „Das ist so lächerlich. Die Leute, die diese Regel erfunden haben, können nicht mehr in den Spiegel sehen. Sie haben keine Ahnung vom Fußball. Das ist eine große Schande für den Fußball“, wetterte der Dortmunder Trainer. „Man muss sich die Arme abschneiden. Aber ohne Arme hat man kein Gleichgewicht mehr. Das hat nichts mit Fußball zu tun.“

Der Schiedsrichter ließ gut eine Stunde nach der Partie in den Katakomben des Stadions keine Zweifel an seiner Einschätzung der Situation aufkommen.

BVB patzt ausgerechnet gegen Schalke

„Der Arm ist auf Schulterhöhe waagerecht abgespreizt. Das ist eine Vergrößerung der Körperfläche, damit wird der Ball abgeblockt. Insofern ist das ein strafbares Handspiel nach aktueller Auslegung – international und auch in Deutschland“, erklärte Zwayer, der die Vorgaben noch einmal konkretisierte: „Die Auslegung besteht seit Saisonbeginn. Das soll immer so gehandhabt werden. Weil eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche vorliegt, war das in dem Fall sehr, sehr eindeutig“, beteuerte der Berliner Immobilienmakler, der sein Vorgehen vehement verteidigte: „Ich mache die Regeln nicht. Wenn Fußball-Experten damit nicht einverstanden sind, ist es deren Recht. Wir Schiedsrichter sind dann aber die ärmsten Schweine. Wir setzen das Regelwerk um.“

Stevens auf der Seite des BVB-Trainers

Huub Stevens war ganz anderer Meinung und zeigte nach der Partie sogar etwas Mitgefühl mit seinem Dortmunder Kollegen. „Ich finde es schade, dass so ein Elfmeter gegeben wurde. So nimmst du die Emotionen heraus“, sagte der Schalker Trainer. „Ich habe auch Lucien gesagt, dass ich das schade finde. Ich sehe oft die Verteidiger mit den Händen auf dem Rücken. Das ist doch kein Verteidigen. Da muss eine klare Linie kommen. Aber wir haben in den letzten Wochen auch den einen oder anderen gegen uns bekommen.“

Für Favre allerdings nur ein sehr schwacher Trost. Auch für seinen Schweizer Landsmann Roman Bürki war dieser umstrittene Handelfmeter der Knackpunkt in diesem Derby. „Dieser Elfer hat uns aus der Balance gebracht“, meinte der BVB-Torhüter. „Es ist müßig darüber zu diskutieren, weil diese Regel nicht klar ist und der natürliche menschliche Bewegungsablauf dabei offenbar überhaupt keine Rolle spielt. Daher ist es schade, dass selbst mit Bildern so entschieden wird.“

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Quelle: wa.de

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