Neues Buch enthüllt

Tuchel: Hat Ex-BVB-Trainer seine Spieler nach Bombenanschlag beleidigt?

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Da war die heile Welt nur noch Fassade: Thomas Tuchel feierte 2017 mit dem BVB den Pokalsieg.

Hat Thomas Tuchel als BVB-Trainer seine Spieler am Tag nach dem Bombenanschlag beleidigt? Diese heikle Detail verrät Sportjournalist Pit Gottschalk in seinem Buch.

  • Die Geschehnisse nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus führten zum Bruch mit Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel
  • Ein Buch von Sportjournalist Pit Gottschalk enthüllt eine heikle Anekdote
  • Beleidigte Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel seine Spieler nach einer Teambesprechung?

Dortmund - Thomas Tuchel und der BVB: Diese Beziehung ist im Frühjahr 2017 krachend gescheitert. Trotz Pokalsieg mit Borussia Dortmund trennten sich der BVB und der heutige PSG-Trainer vorzeitig. Was führte zum Bruch? Fast zwei Jahre danach kommt durch ein neues Buch Licht ins Dunkle.

Thomas Tuchel: Was führte zum Bruch mit dem BVB?

Pit Gottschalk ist langjähriger Sportjournalist und intimer Kenner der Bundesliga-Szene. Gottschalk war unter anderem Chefreporter der SportBild und zuletzt Leiter der Sportredaktion bei der Funke-Mediengruppe. Der Journalist ist zurzeit selbstständig tätig und hat ein Buch veröffentlicht: "Kabinengeflüster". In zahlreichen Anekdoten gibt es seinen Lesern Einblick in den Bundesliga-Wahnsinn. Ein erster Auszug aus dem Buch hat es in sich, berichtet Kult-Fußball-Autor Ben Redelings in seiner Kolumne für n-tv.

Wochenlang rätselten BVB-Fans im Frühjahr 2017: Was hat zum Bruch zwischen Thomas Tuchel und Borussia-Chef Hans-Joachim Watzke geführt? Was ist wirklich nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus im April 2017 passiert? Pit Gottschalk gibt das Detail preis, warum intern die Stimmung gegen Tuchel umschlug und das Verhältnis zur Mannschaft und den BVB-Bossen zerstört wurde.

Zur Erinnerung: Der heute 29-jährige Sergej W. platzierte am 11. April 2017 Sprengsätze vor dem BVB-Mannschaftshotel. Als sich die Mannschaft im Bus auf den Weg machte zum Champions-League-Viertelfinale gegen den AS Monaco explodierten die Sprengsätze. Wie durch ein Wunder blieben fast alle BVB-Spieler unverletzt. Nur Marc Bartra zog sich eine schwere Handverletzung zu, ein Polizist erlitt ein Knalltrauma. Das folgende Spiel am Abend wurde abgesagt. Tausende Fans waren bereits im Stadion.

Thomas Tuchel: Was passierte nach dem Anschlag beim BVB?

Die spannende Frage war nun: Wann wird das Spiel nachgeholt? Und hier entbrannte schnell ein Streit. Die UEFA drängte den BVB zu einem raschen Termin. Der Terminkalender im Frühjahr ist extrem eng, es musste schnell gehen. Also wurde der Folgetag bestimmt. Die Borussia war komplett durch den Wind und unterlag dem AS Monaco mit 2:3. Viele BVB-Spieler klagten nach der Partie, es sei unmenschlich gewesen, das Spiel so schnell nachzuholen. Viele Fans machten Hans-Joachim Watzke als Buhmann aus, er hätte sich gegen den Plan der UEFA wehren sollen.

Doch was war intern passiert? Und hier berichtet nun Pit Gottschalk in seinem Buch. So habe es am Tag nach dem Bombenanschlag eine Besprechung der Mannschaft gegeben. Der Verein habe es den Spielern freigestellt, ob sie auflaufen wollen oder nicht. Einige Kicker hätten das Wort ergriffen und kritisierten die schnelle Neuansetzung der Partie. Angeblich, so schreibt Gottschalk in seinem Buch, seien sogar Tränen geflossen.

Jetzt kommt der Knackpunkt: Thomas Tuchel sei mit dem Verhalten von Teilen seiner Mannschaft gar nicht einverstanden gewesen. Es soll vom Trainer dieser Satz gefallen sein: "Und mit diesen Weicheiern soll ich die Bayern schlagen?"  Das ist harter Tobak. Hat Tuchel seine Spieler nach diesem traumatischen Abend wirklich noch beleidigt?

Umso absurder erscheint seine Haltung nach der späteren 2:3-Niederlage. Er selbst beschwerte sich lautstark vor den TV-Kameras über die schnelle Ansetzung des Spiels. Hat Thomas Tuchel hier nur eine große Show abgezogen? "Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt, wir wurden per SMS informiert", kritisierte Tuchel.

Thomas Tuchel: Bruch beim BVB mit Hans-Joachim Watzke

Was dann folgte, ist Geschichte. Nach dem Anschlag war das ohnehin schwierige Verhältnis von Tuchel und Watzke nicht mehr zu kitten. Watzke gab ein sehr offenes Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, in dem er offen von einem "Dissens" mit Tuchel sprach. Zwischen den Zeilen wurde der Vorwurf deutlich, Tuchel habe intern eine andere Meinung vertreten als vor den TV-Kameras. Direkt nach dem Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt trennten sich die Wege.

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Thomas Tuchel wartete das Ende seines Vertrags ab und heuerte im Sommer 2018 bei Paris St. Germain an. Der BVB geriet in eine furchtbare Saison mit einem Trainerwechsel, zwei Spieler-Streiks und etlichen unangenehmen Zwischengeräuschen. Erst Lucien Favre brachte wieder Kontinuität in die Mannschaft. Bei Thomas Tuchel läuft es bestens: Paris ist mal wieder Tabellenführer in Frankreich und steht im Achtelfinale der Champions League.

Quelle: wa.de

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