Borussia Dortmund

"Schade, dass es nicht weiter geht": Tuchels Aus beim BVB offiziell

+
Thomas Tuchel war zwei Jahre lang BVB-Trainer.

Dortmund - Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. Das bestätigte der Coach. Die Bestätigung des Vereins folgt rund eine Stunde später.

Die Trennung ist beschlossene Sache. Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. "An der Kürze der Saison-Analyse kann man sich denken, wie es ausgegangen ist", wird der Coach von der Bild zitiert, wonach das Aus um 12.29 Uhr besiegelt wurde. Rund eine Stunde später folgte die offizielle Bestätigung des Vereins. Die Trennung sei das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc, Tuchel und dessen Berater Olaf Meinking.

"Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht", schrieb Tuchel auf seinem erst am Vormittag erstellten Twitter-Account, dessen Echtheit sein Berater der Sportschau bestätigte. "Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Wünsche dem BVB alles Gute."

Auch Tuchels Co-Trainer Arno Michels, Athletik-Trainer Rainer Schrey und Video-Analyst Benjamin Weber müssen den Verein offenbar verlassen.

Drei Tage nach dem DFB-Pokal-Triumph von Berlin einigte sich der BVB mit seinem sportlich erfolgreichen, aber im Umgang schwierigen Trainer am Dienstag nach kurzer Saison-Analyse auf eine vorzeitige Auflösung des bis 2018 laufenden Vertrages. Dies lässt sich der BVB geschätzte drei Millionen Euro Abfindung kosten.

Nachfolger erst in der kommenden Woche

Der mächtige BVB-Geschäftsführer Watzke hatte mit seinem brisanten Interview ("Klarer Dissens") vor dem enorm wichtigen Spiel gegen 1899 Hoffenheim am 6. Mai den letzten Anstoß gegeben. Beide Seiten hatten in den vergangenen Wochen auf jede erdenkliche Weise versucht, ihre Deutung des tiefen internen Zerwürfnisses zu platzieren - und sie damit öffentlich als Wahrheit zu verankern. Über Berater, lancierte Interviews oder bewusst gestreute Hintergründe.

Vieles bleibt allerdings auch jetzt unklar. War der Trainer intern derart unerträglich? Lügt er gar, wie Watzke andeutete? Oder liegt die Wahrheit ganz woanders? Konnte Watzke es schlicht nicht ertragen, wie glänzend Tuchel menschlich nach dem Bomben-Attentat vom 11. April dastand? War das Verhältnis zur Mannschaft irreparabel beschädigt? Die Reaktionen auf die Ausbootung von Nuri Sahin für das Pokalfinale am Samstag wies klar darauf hin. Es ist jedenfalls die Scheidung einer Ehe, die das Potenzial zur Traumbeziehung gehabt hätte.

Watzke erklärte anschließend in einem offenen Brief, dass er "leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit gesehen" habe - und trat somit doch nach. Innenverteidiger Marc Bartra schrieb derweil bei Twitter: "Es war ein aufrichtiges Vergnügen, Thomas. Ich wünsche Dir das Beste!!"

Bester Trainer der Vereinsgeschichte

Tuchel verlässt den BVB als Pokalsieger, er führte die Mannschaft direkt in die Champions League, sein Punkteschnitt (2,12 inklusive DFB-Pokal/Europapokal) ist der beste der Vereinsgeschichte. Er hat in zwei Jahren kein Liga-Heimspiel verloren.

Sportliche Gründe für eine Trennung existieren nicht. Doch: Es geht eben auch um das Menschliche. Der 43-Jährige hat sich - wie schon 2014 beim FSV Mainz 05 - zum zweiten Mal innerhalb des Vereins derart isoliert, dass die Trennung als einziger Ausweg blieb. Eine Fortsetzung wäre wohl ein Tanz am Rande des Vulkans gewesen.

Von Seiten der Schwarz-Gelben heißt es lediglich: "Borussia Dortmund als Arbeitgeber wird sich zu den Hintergründen der Trennung, die das Ergebnis eines längeren Prozesses sind und von allen Klubgremien getragen werden, nicht im Detail äußern und bittet im Sinne aller Beteiligten um Verständnis für den Wunsch, dass nicht auf der Basis von Gerüchten bzw. ohne jeden Hintergrund geurteilt wird. Der BVB legt großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handelt." Doch genau dies darf bezweifelt werden.

Die Erklärung, Tuchel sei kein "Typ Jürgen Klopp", greift zu kurz. Das hätte jeder beim BVB wissen müssen. Der einst von Tuchel in Mainz aus der Profimannschaft verbannte Torhüter Heinz Müller sprach von "Mobbing hoch zehn" und schimpfte Tuchel einen "Diktator". Das ist sicherlich übertrieben.

Unverrückbare Vorstellungen

Eher ist Tuchel ein versessener Detailfresser mit unverrückbaren Vorstellungen, der wohl wahrlich ein Quälgeist sein kann. Dem BVB wurde das zu viel. Präsident Reinhard Rauball und Zorc stellten sich demonstrativ an Watzkes Seite.

Tuchel dürfte dennoch keine Probleme haben, einen neuen Verein zu finden. Im Frühjahr war halb Europa verliebt in den jungen, stürmischen, phasenweise berauschenden BVB-Stil. Dies ist in England aufmerksam registriert worden. 

Stimmen Sie hier ab!

Aus der Bundesliga soll Bayer Leverkusen lebhaft Interesse zeigen. Den Nachfolger für Tuchel indes wollen die Schwarz-Gelben nach Informationen der Ruhr Nachrichten frühestens in der kommenden Wochen präsentieren. Als heißester Anwärter gilt Lucien Favre. Allerdings stellt sich die Frage, ob er der richtige Mann ist. Der Schweizer war bisher überall erfolgreich, das spricht eindeutig für ihn. Er gilt aber auch als eigenbrötlerisch. Julian Nagelsmann, bei dem es der BVB über Mittelsmänner ebenfalls versucht haben sollen, bleibt derweil Coach der TSG 1899 Hoffenheim

sid/mg

Verpassen Sie keine Nachricht zu Borussia Dortmund und werden Sie Fan unserer Facebook-Seite.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare