Verband sichert Unterstützung zu

Nach Eriksen-Zusammenbruch bei EM-Spiel - Sportpsychologe: Verarbeitung der „Schocksituation“ kann lange dauern

Christian Eriksen: Der dänische Nationalspieler musste auf dem Feld reanimiert werden - offenbar erlitt er einen Herzinfarkt.
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Der Zusammenbruch von Christian Eriksen wird seine Teamkollegen wohl länger beschäftigen. Davon geht ein Sportpsychologe aus.

Christian Eriksen ist bei der Fußball-EM 2021 zusammengebrochen - ein Schock auch für seine Teamkollegen. Ein Sportpsychologe vermutet, dass das die Spieler noch länger beschäftigt.

München - Der Zusammenbruch von Christian Eriksen beim Spiel von Dänemark gegen Finnland hat sich ins Gedächtnis vieler Fußballfans gebrannt. Doch auch die Teamkollegen des 29-Jährigen wird der dramatische Vorfall bei der Fußball-EM* wohl noch länger beschäftigen. Davon geht zumindest Sportpsychologe René Paasch aus. Solch ein plötzlich auftretendes Ereignis bedeute für die Mitspieler „natürlich auch eine Schocksituation, eine Schockstarre, die dazu führen kann, dass man selbst auf einmal Angst aufbaut und Sorge hat.“ Das sagte Paasch in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sprechen dann in solch einem Moment auch wirklich von einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich manifestieren kann, indem man viele traurige Phasen hat, nicht schlafen und sich nicht konzentrieren kann.“

Eriksen-Zusammenbruch bei EM 2021 - Sportpsychologe: Betroffene müssen fachkundig begleitet werden

Eriksen hatte am Samstag kurz vor Ende der ersten Halbzeit einen Herzstillstand erlitten. Er war noch auf dem Platz notärztlich versorgt worden. Im Krankenhaus hatte sich der Zustand des Dänen, der bei Inter Mailand spielt, dann stabilisiert.

Paasch sagte, die von diesem Vorfall betroffenen Personen müssten über einen längeren Zeitraum fachkundig begleitet werden. „In solchen plötzlichen Momenten, in Notfallsituationen, ist es ganz wichtig, dass Menschen sich trauen, aufeinander zuzugehen. Das heißt, auch wirklich zuzuhören, sich viel Raum zu geben und in irgendeiner Form mitzuteilen“, sagte Paasch. Der Tipp des erfahrenen Sportpsychologen: „Man sollte Protokolle schreiben, wie sich die Spieler verhalten haben über die Tage hinweg. Wie haben sie geschlafen, welche Gesprächsthemen bewegen sie?“ Dafür müsse man jemanden ins Boot holen, „der sich therapeutisch damit gut auskennt“.

„Er war schon weg“: Dramatische Details zum Zusammenbruch von EM-Star Eriksen

EM 2021: Dänischer Verband stellt nach Eriksen-Zusammenbruch psychologische Hilfe in Aussicht

Nur ein Therapeut könne in solchen Momenten nachhaltig helfen, machte Paasch deutlich. „Denn wir wissen nicht wirklich, was das langfristig mit dem Einzelnen machen kann. Wir haben unterschiedliche Erfahrungswerte von Schlaflosigkeit, Depressivität und viele andere Faktoren, die dafür sprechen, dass es ein plötzliches Ereignis gab. Und deswegen ist es wichtig, fachkundig das Ganze zu begleiten.“

Der dänische Fußball-Verband* hatte seinen Spielern bereits kurz nach dem EM-Spiel* am Samstag psychologische Hilfe in Aussicht gestellt. „Es ist eine traumatische Erfahrung“, sagte Nationaltrainer Kasper Hjulmand dazu. „Wir werden die nächsten Tage damit verbringen, so gut wie möglich daran zu arbeiten. Und natürlich gibt es professionelle Leute um uns herum.“ Der Verband bot auf seiner Internetseite ganz konkret „den Spielern, Christians Familie und allen anderen in der Herren-Nationalmannschaft Krisenhilfe an“. (kam/dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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