WhatsApp-Nachricht an Aogo

„Quotenschwarzer“-Eklat um Lehmann: Jetzt bricht der Ex-Keeper sein wochenlanges Schweigen

Jens Lehmann im Gespräch mit Sebvastian Kehl
+
Jens Lehmann spricht über den Rassismus-Eklat.

Eine WhatsApp-Nachricht, die für viel Aufsehen sorgte! Jens Lehmann nannte Sky-Experte Dennis Aogo einen „Quotenschwarzen“ - nun äußert sich der Ex-Keeper zu dem Vorfall.

München - Der Fußball und seine Experten. Oft ist es ja ein schmaler Grat. Die einen lieben sie, die andere verachten sie. Wie das eben so ist, wenn jemand seine Meinung zu etwas äußert, wozu jeder einen Standpunkt vertreten kann.

Im Falle von Jens Lehmann war der Tenor aber verständlicherweise einstimmig. Der Ex-Nationalkeeper sorgte mit seiner privaten Nachricht an Dennis Aogo für einen Rassismus-Eklat. Der 51-Jährige hatte Anfang Mai den Sky-Experten via WhatsApp als „Quotenschwarzen“ bezeichnet.

Aogo veröffentlichte einen Screenshot, über Lehmann brach ein Shitstorm ein. Die Folge war, dass der ehemalige Keeper nicht nur seinen Job im Aufsichtsrat von Hertha BSC* verlor, sondern auch die Laureus-Stiftung von Daimler beendete umgehend die Zusammenarbeit mit Lehmann. In der Bild entschuldigte sich der einstige Torhüter am nächsten Tag bei Aogo. Der nahm ihn sogar in Schutz. Er habe Lehmann nie unterstellt, „dass er ein Rassist sei“. Er glaube auch nicht, „dass er solche Ansichten vertritt“. Dennoch zog Lehmann sich aus der Öffentlichkeit zurück - bis jetzt!

Jens Lehmann: Ex-Keper bricht nach „Quotenschwarzer“-Eklat sein Schweigen

„Es gab zweierlei Reaktionen“, schildert Lehmann in der Zeit die Tage nach dem Eklat. „Im Internet ging es mit Beleidigungen los. Aber privat habe ich auch viele Nachrichten und Anrufe bekommen“, so der 61-fache Nationalspieler: „Und der Großteil dieser Leute sagte: War zwar nicht gerade schlau von dir, aber wir sind alle total verunsichert. Wir wissen nicht mehr, wie wir was sagen sollen, obwohl wir es gut meinen.“

Dabei wolle Lehmann jetzt kein Mitleid erhaschen. „Ich glaube, dass jeder für sich entscheiden muss, ob er hier auf den Zug aufspringen musste oder ob das etwas Privates zwischen mir und Dennis Aogo war“, so der gebürtige Essener: „Ich habe in den letzten Wochen viel über Diskriminierung gelesen und gelernt.“

Video: „Quotenschwarzer“-Fauxpas - Jens Lehmann bei Hertha raus

Dabei habe er sich selbst gefragt: „Wie oft habe ich Sachen gesagt, mit denen ich unabsichtlich andere Gruppen getroffen habe?“, führt Lehrmann aus: „In London, beim FC Arsenal* war ich manchmal der einzige weiße Spieler im Team. Wäre ich ein Rassist, hätte das nicht funktioniert. Als Fußballspieler lebt man Inklusion, Respekt und Toleranz, vor allem wenn man etwas gewinnen will. Trotzdem habe ich jetzt mit vielen schwarzen Mitspielern von damals gesprochen und gefragt: War da was? Eine Geste? Ein dummer Spruch?“

Seine Selbstwahrnehmung müsse ja nicht stimmen, wie Lehmann erklärt. Dem sei aber nicht so: „Alle haben mir bestätigt, dass das nie der Fall gewesen ist. Eher das Gegenteil, Respekt und Unterstützung. Deswegen geht es mir auch gut“, verrät der einstige Torhüter: „Gerald Asamoah hat mir gesagt: Jens, wir haben uns zwar mal gestritten, aber das war nie rassistisch. Sonst hätte ich dich nicht zu meinem Abschiedsspiel eingeladen.“

Jens Lehmann spricht über Rassimus-Eklat mit Dennis Aogo: „Als Fußballspieler lebt man Toleranz“

Dabei berichtet Lehmann, dass er sich in den vergangenen Wochen eingängig mit dem Thema Rassismus beschäftigt habe. „Ich muss zugeben, so tiefgreifend habe ich mich vorher nie mit dem Thema beschäftigt. Mit Diskriminierung. Mit systemischem Rassismus und Kolonialismus“, so der einstige Weltklasse-Keeper: „Und mich hat auch die Frage beschäftigt: Wie komme ich dazu, den Begriff ‚Quotenschwarzer‘ zu verwenden? Ich schaffe ja nachts um zehn Uhr kein neues Wort.“

Und weiter: „Ein Freund meines Sohnes hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass zum Beispiel der Spiegel vor mehr als zehn Jahren über Condoleezza Rice, die erste schwarze Außenministerin der USA, geschrieben hat, sie wolle keine Quotenschwarze sein. Jetzt denunzieren sie mich dafür, dass ich den gleichen Ausdruck in einer privaten Nachricht benutzt habe“, so Lehmann.

Aufgrund der Vorfälle sieht er seine Zukunft zwar weiter im Sport: „Wahrscheinlich werde ich wieder in den Fußball gehen, eher aktiver, operativer als zuletzt. Also als Trainer oder Manager“, sagt Lehmann, allerdings wohl nicht in Deutschland: „Und wahrscheinlich wäre es besser, das im Ausland zu machen.“ (smk) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare