"Das Loddar-Image ist total falsch"

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Lothar Matthäus fühlt sich falsch wahrgenommen

München - "Ich habe viele Fehler gemacht" - Deutschlands Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus räumt auf mit seinen falschen Entscheidungen der Vergangenheit und wehrt sich gegen ein falsches Image.

In einem großen Interview gibt der 48-Jährige dem Kicker Einblicke in sein Innenleben. So wiederholt Matthäus etwa noch einmal den Vorwurf, seine Verdienste in Deutschland nicht ausreichend gewürdigt zu sehen. "In anderen Ländern würde man sich gegenüber solchen Leuten, die so viel geleistet haben, anders verhalten."

Der Rekord-Nationalspieler wartet nach wie vor auf seinen ersten Trainer-Job bei einem deutschen Profi-Club. "Ich würde mich freuen, wenn das irgendwann mal klappen würde in der Bundesliga." Ein Engagement beim 1. FC Nürnberg oder Eintracht Frankfurt sei auch an den Protesten der Fans gescheitert. Zudem werde er zu sehr als Spieler des FC Bayern gesehen.

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Matthäus arbeitet derzeit daran, sein Image zu verbessern. Er sagt: "Sicher habe auch ich zu viele Fehler gemacht. Ich habe mich vielleicht zu oft zu allen möglichen Dingen geäußert." Seine Kolumne bei der Sport-Bild, von der sich viele auf den Schlips getreten fühlten, hat er aufgegeben. Auch sein Privatleben ist der öffentlichen Wahrnehmung nicht dienlich, weiß Matthäus. "Das ist sicher nicht hilfreich, wenn man schon dreimal geschieden ist und jetzt von der vierten Ehefrau getrennt lebt. Aber das hatte ich so auch nicht vorhergesehen."

Matthäus hofft darauf, in der Öffentlichkeit zukünftig anders und positiver wahrgenommen zu werden. Das weithin verbreitete "Loddar-Image" sei "falsch, total falsch", so Matthäus. "Erstens bin ich sehr kommunikativ, zweitens bin ich ein Teamplayer, drittens bin ich ein sehr offener Mensch. Das Schöne ist immer wieder, wenn mich Leute ein bisschen besser kennenlernen und sagen: 'Du bist ja ganz anders, als wir gedacht haben.'" 

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Der deutsche Rekord-Nationalspieler äußert sich im Kicker-Interview auch noch über zwei einschneidende Ereignisse seiner Profi-Karriere, die ihm noch heute negativ angelastet werden.

Dass er in der 85. Minute des WM-Endspiels 1990 (Deutschland wurde Weltmeister) den Elfmeter nicht selbst geschossen, sondern Andreas Brehme überlassen hat, rechtfertigt er mit kaputtem Schuhwerk. "In der ersten Halbzeit ist ein Stollen aus der Sohle herausgebrochen. Und wir hatten damals nie ein zweites Paar Schuhe dabei, so unprofessionell waren wir noch. In der Halbzeit habe ich den Schuh gewechselt, musste also in einem neuen, einem anderen Modell weiterspielen. Dadurch habe ich mich in der 85. Minute nicht sicher gefühlt, die Verantwortung zu übernehmen."

Matthäus äußert sich auch zum Barcelona-Drama von 1999. Im Endspiel der Champions League gegen Manchester United hatte sich der damals 38-Jährige zehn Minuten vor Schluss auswechseln lassen. Der FC Bayern fing sich zwei Tore und verlor mit 1:2. "Ich war nie ein Egoist", sagt Matthäus. "Nach 70, 80 Minuten habe ich mich einfach müde gefühlt. Der Platz in Barcelona ist sehr groß, es war schwül, ich war mit 38 nicht mehr der Jüngste. Also habe ich Ottmar Hitzfeld signalisiert: 'Ich bin kaputt.' Die entscheidende Szene war doch, dass ein Verteidiger von uns eine Ecke produzierte (Matthäus meint wohl Stefan Effenberg, Anm. d. Red.), anstatt den Ball nach vorne zu schlagen."

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In dem Kicker-Interview schneidet Matthäus aber nicht nur ernste Themen an, sondern bietet auch Grund zum Schmunzeln. Der 48-Jährige gesteht, dass ihm seine Ausbildung zum Raumausstatter noch heute nachhängt und kaum ein Hotelzimmer vor ihm sicher ist: "Wenn ich in ein Hotelzimmer komme, gefällt mir oft die Anordnung der Möbel oder Lampen nicht. Da nehme ich mir schon ein paar Minuten, um einige Sachen so zu verändern, wie es mir optisch besser gefällt."

al.

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